Dämmstoffe : Gut eingepackt

Ökologische Dämmstoffe sind atmungsaktiv und eine Alternative zu Mineralwolle. Neben dem Energiespareffekt von bis 60 Prozent gibt es auch keine Probleme bei der Entsorgung.

Heiko Schwarzburger

„Der Energiebedarf eines Hauses kann heute durch eine energetische Sanierung um bis zu 70 Prozent gesenkt werden“, sagt Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur (Dena), die seit Jahren für moderne Energiekonzepte wirbt. Denn mehr als drei Viertel des Energieverbrauchs in privaten Haushalten fließt in die Raumwärme und die Aufbereitung von Warmwasser. Dort stecken auch die größten Potenziale zum Sparen: Die Dena hat im vergangenen Jahr berechnet, dass ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern Wohnfläche durch Dämmung und eine neue Heizung im Energieverbrauch sprichwörtlich in den Keller rutscht. „Die Kosten für die energetische Sanierung rentieren sich für Hausbesitzer durch die massiven Einsparungen bei Energie und Heizkosten“, analysiert Stephan Kohler.

Einer Studie der Energent AG zufolge können auch in großen Mehrfamilienhäusern beträchtliche Energiekosten eingespart werden, bis zu 60 Prozent. Die Experten der Bayreuther Beratungsfirma nahmen 74 Energiegutachten für diese Gebäudekategorie unter die Lupe. Dabei zeigte sich, dass vor allem eine neue Dämmung kombiniert mit modernen Fenstern und Heizungen die besten Effekte erzielen. Die Dämmung der Außenwände, der Kellerdecke und des Daches spielen dabei eine zentrale Rolle: „Eine gute Dämmung der Außenwand spart bis zu dreißig Prozent Energie. War der Zustand des Gebäudes vor der Sanierung besonders schlecht, lassen sich sogar über vierzig Prozent erzielen", schreiben die Autoren der Studie. Eine neue Heizung oder die separate Isolierung des Daches bringen jeweils 15 Prozent weniger Energieverbrauch.

Der wichtigste Dämmstoff ist nach wie vor die Wolle aus Glas oder Mineralien. Doch ihre Herstellung frisst ebenfalls viel Energie. Zudem setzen Matten aus diesem Material beim Zuschnitt und der Montage Staub und Fasern frei. Deshalb äußerte die Bundesstiftung Umwelt unlängst Bedenken, ob die gelbe Wolle langfristig nicht gesundheitsschädlich ist: durch Staub, Fasern und chemische Bindemittel.

Umweltfreundlicher sind Dämmstoffe aus Naturmaterialien. Gegenüber synthetischen Dämmstoffen haben sie den Vorteil, atmungsaktiv zu sein, die Feuchtigkeit an den Wänden auszugleichen und das Raumklima zu verbessern. Das ist vor allem bei nachträglicher Dämmung von innen wichtig. Neu auf dem Markt sind auch Dämmplatten aus Holzfasern, die textile Fasern aus Maisstärke als Bindemittel nutzen.

Prinzipiell gilt: Wer sein Haus nachträglich dämmen will, sollte auf jeden Fall einen Experten zu Rate ziehen. Für Laien ist der Markt für Dämmstoffe und Dämmsysteme zu unübersichtlich. Zudem birgt die Montage zahlreiche Risiken: Wenn die Dämmplatten nicht fachgerecht verbaut werden, kann sich leicht Schimmel bilden. Dämmmatten aus Glaswolle beispielsweise nehmen die Feuchtigkeit aus den Räumen kaum auf. Sie kondensiert und bildet im Verborgenen nasse Stellen – ein idealer Tummelplatz für Schimmelpilze. Oder es entstehen unerwünschte Wärmebrücken nach draußen, die den Einspareffekt bei der Heizwärme zunichte machen.

In der Regel sollten sich nur versierte Heimwerker an die Montage der Matten wagen. Um ihnen den Einstieg in den Markt der Dämmstoffe zu erleichtern, hat die Stiftung Warentest im Oktober in ihrer Zeitschrift „Test“ einen Vergleich der Wärmedämmstoffe veröffentlicht. Insgesamt wurden 19 Dämmstoffe bewertet, davon sieben Naturstoffe. Sie schnitten sehr gut ab, obwohl die Tester vor allem die Verarbeitbarkeit begutachteten. Umwelteigenschaften wurden nicht berücksichtigt. Geprüft wurden die Dämmstoffe im Transport, im Zuschnitt und bei der Montage, dazu die Qualität der Verarbeitungsanleitung und die Staubbelastung bei der Montage. Die Testpersonen empfanden die Matten aus Hanf, Flachs und Schafwolle als weniger staubintensiv und kratzig. Diese Stoffe erwiesen sich bei der Dämmung von Dächern zwischen den Sparren als besonders praktisch. „Unser Test zeigt, dass aus Pflanzen oder Schafwolle hergestellte Dämmstoffe eine echte Alternative zu Mineralfasern und Hartschaum sind“, resümierten die Tester. Die Zeitschrift „Öko-Test“ schob im November einen detaillierten Test von 23 Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen nach.

Noch sind diese neuen Dämmstoffe teurer als die herkömmlichen Mineralfasern. Die Stiftung Warentest wies in ihrem Report aber ausdrücklich darauf hin, dass angesichts der steigenden Preise für Öl und Gas sich die nachträgliche Dämmung von Altbauten innerhalb von zehn Jahren rentieren könnte. Außerdem können Dämmsysteme aus Pflanzen oder Tierwolle von einer besonderen Förderung profitieren: Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) hat verschiedene Naturdämmstoffe in einer Förderliste erfasst. Sie zahlt den Bauherren bis Ende 2006 einen Zuschuss von bis zu 35 Euro pro Kubikmeter. Die Umweltaspekte eingeschlossen, sind die alternativen Dämmstoffe auf dem besten Weg, der Mineralwolle den Rang abzulaufen: „Von uns geförderte Naturdämmstoffe schneiden in der Verarbeitbarkeit gut ab“, fasst Gabriele Peterek von der FNR zusammen und ergänzt: „Für den Verbraucher sind darüber hinaus auch andere Aspekte wichtig, zum Beispiel die langfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Die Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen können Feuchtigkeit aus der Raumluft problemlos aufnehmen und beugen so der Schimmelbildung vor. Aufgrund ihrer hohen Wärmespeicherfähigkeit sind sie zudem auch für den sommerlichen Wärmeschutz sehr gut geeignet.“

Denn: Wer sich für den Winter zu gut einpackt, könnte im Sommer schwitzen. So zeigte ein Vergleich zwischen Dämmplatten aus Steinwolle und Holzfasern, dass Räume mit Holzdämmung im Sommer bis zu sechs Grad kühler bleiben. Auch ist der Schallschutz bei Dämmplatten aus Holzfasern oder Zellulose durch ihre hohe Dichte sehr gut. Nach Angaben der Hersteller reicht er sogar an Ziegelwände heran. Nicht ganz unwichtig: Die nachwachsenden Dämmstoffe erfüllen die Brandschutzvorschrift F 90. Sie sind – wie ihre mineralischen Konkurrenten – in der Lage, einem Brand neunzig Minuten lang zu widerstehen.

Im Internet:
www.stiftung-warentest.de
www.naturdaemmstoffe.info

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