Immobilien : Das Comeback der alten Kommunalen

Berlins städtische Gesellschaften haben 3500 Wohnungen „unter Kran“. Fast jede Woche wird in einem Bezirk der Richtkranz gesetzt.

Paul F. Duwe
Eins der Neubauprojekte der städtischen Wohnungsgesellschaft WBM: Die Gärtnerei am Boxhagener Platz.
Eins der Neubauprojekte der städtischen Wohnungsgesellschaft WBM: Die Gärtnerei am Boxhagener Platz.Foto: Büro Torsten Labs/promo

Die Prospektbeschreibungen klingen blumig wie „Pankower Gärten“ und naturverbunden wie „Wohnen am Wasser“, die Bauplätze verteilen sich von Alt-Glienicke bis nach Wittenau – die Neubauoffensive der sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften hat kräftig Fahrt aufgenommen. Vom Mehrfamilienhaus mit 14 Wohnungen bis zum Quartier mit fast 300 Einheiten ist alles dabei. Die Kommunalen bauen derzeit in Berlin rund 3500 Wohnungen. Ein wichtiges Kriterium: Sie sollen – auch dank Senatsförderung – zu einem höchstmöglichen Anteil mit Kaltmieten um 6,50 Euro pro Quadratmeter für Normalverdiener erschwinglich sein.

WBM

Dass die Städtischen wie einst vor allem die grüne Wiese an der Peripherie mit Wohnraum bestücken, ist zu einem guten Teil Geschichte. Heute sind es auch kleine Brachflächen in den City-Bezirken, die Bauphantasien anregen. Das Interesse am Wohnen und Leben im Zentrum ist groß, Verdichtung angesagt. Folglich setzt die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM), die hauptsächlich in den zentralen Stadtlagen agiert, bei ihrer Strategie ausdrücklich „auf gute Nachbarschaft durch Lückenschluss“.

In der Kiefholzstraße am Boxhagener Platz sind eben 41 Wohnungen der Gesellschaft bezogen worden. Auch an der Colbestraße in Friedrichshain wird ein Blockrand geschlossen. 69 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen und Gewerbeflächen im Parterre entstehen bis November 2016. An Almstadtstraße und Schmidstraße in Mitte kommen 150 Wohnungen dazu. Gebaut wird auch zwischen Treptower Park und Landwehrkanal. An der Heidelberger Straße errichtet die WBM 159 Wohnungen. Alle neuen Mieter können sich über einen Balkon oder eine Terrasse freuen.

Gewobag

Auf die Mitte der Stadt richten sich auch die Blicke der Gewobag. Lag das erste Neubauprojekt der Gesellschaft nach 13 Jahren Baupause noch in der Treptower Kiefholzstraße - die ersten Bezüge gab es im Oktober 2015 - so wurden in den letzten Wochen am Prenzlauer Berg acht Projekte mit 220 Wohnungen angeschoben. In diesem Stadtteil ist die Gesellschaft bereits mit Beständen von rund 13.000 Wohneinheiten vertreten.

Am weitesten vorangeschritten ist derzeit allerdings das Gewobag-Vorhaben in der Neptunstraße im südlichen Reinickendorf. Dort wurde gerade für 120 Wohnungen Richtfest gefeiert. Ende 2016 sollen die ersten Mieter in das Haus einziehen. Das Angebot reicht vom Single-Apartment mit 39 Quadratmetern bis zur Familien-Wohnung mit 100 Quadratmetern. Das begrünte Dach wird ein optisches Highlight, verspricht die städtische Gesellschaft, die im Übrigen eine gute soziale Mischung anstrebt. Jede fünfte Wohnung in dieser Anlage ist für Mieten um 6,50 Euro pro Quadratmeter reserviert.

Belegungsgebunden sind auch die 122 Wohnungen, die jetzt am Mauerpark zwischen Wedding und Prenzlauer Berg entstehen. Dort hat die Gewobag die Aufgabe übernommen, geförderten preisgünstigen Wohnraum zu schaffen. In mehreren benachbarten Baufeldern errichtet die Groth Gruppe weitere Blöcke mit insgesamt 575 freifinanzierten Miet- und Eigentumswohnungen, darunter auch spezielle Angebote für Studenten und Senioren.

Degewo

Nicht weit entfernt vom Mauerpark hat die Degewo ein neues Betätigungsfeld gefunden. Am Rande des von ihr schon lange betreuten Brunnenviertels fügt sie an der Graunstraße/Ecke Gleimstraße in einer Art Stadtreparatur ein Objekt mit 104 Wohnungen in die vorhandene gründerzeitliche Bebauung ein. Im Januar fand das Richtfest statt. Im Sommer kommen die ersten Mieter. Jede dritte Wohnung wird mit durchschnittlich 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Für Bausenator Andreas Geisel ist dieses Projekt ein weiterer Beleg dafür, „wie die Wohnungsbauförderung des Landes Berlin auch in begehrten Lagen für sozialverträgliche Mieten eingesetzt werden kann“.

Ein Ausrufezeichen setzt der Neubau der Degewo an der Fritz-Erler-Allee in der Gropiusstadt. Zum ersten Mal seit der Fertigstellung der Modellsiedlung vor mehr als 40 Jahren entstehen dort neue Mietwohnungen, 57 an der Zahl. Architekt ist Christoph Mäckler, der auch das Berliner Zoofenster mit dem Hotel Waldorf Astoria entworfen hat. Das Unternehmen verwendet für die Fassadendämmung Steine aus Porenbeton anstelle der bisher üblichen Kunststoffplatten.

Im Haus sind mehrere therapeutische Wohngemeinschaften für Schlaganfall-Patienten vorgesehen. Schon in ein paar Wochen sollen die neuen Bewohner einziehen. Die durchschnittlichen Nettokaltmieten liegen bei 9,50 Euro pro Quadratmeter.

Aktuell baut die Degewo 300 neue Wohnungen. Ein künftiger Schwerpunkt liegt für das Unternehmen in Marzahn. Die Ringelnatz-Siedlung soll ab Herbst 2016 hin zur Cecilienstraße um sieben vier- bis sechsgeschossige Gebäude mit 300 Wohneinheiten ergänzt werden. Weitere 126 Wohnungen sind in der Marchwitzastraße vorgesehen.

Howoge

Besonders aktiv unter den Städtischen ist die Howoge, die in Lichtenberg starke Neubau-Akzente setzt. Dort wird an gleich fünf größeren Projekten mit insgesamt rund 800 Wohnungen gearbeitet. Dazu kommen 77 Wohneinheiten in Pankow, 87 Wohneinheiten in Köpenick und seit Januar 2016 die Baustelle am lange umstrittenen Freudenbergareal an der Boxhagener Straße in Friedrichshain mit 125 Wohnungen und einer Kindertagesstätte mit 90 Plätzen.

Stadt und Land

Auch bei der Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft wird geklotzt. Rund 900 Wohnungen sind aktuell „unter Kran“. Allein am Bruno-Bürgel-Weg in Niederschöneweide, direkt an der Spree gelegen, werden 280 Wohnungen gebaut, davon stehen aber nur 28 zu Mieten zwischen 6,50 und 7,50 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung. Im freifinanzierten Bereich liegen sie um 10 Euro nettokalt. „Den Spreeblick genießen“ lautet die Devise.

Auch bei einem weiteren Großprojekt von Stadt und Land an den Gärten der Welt in Marzahn – 287 Wohnungen sind konzipiert – steht das Naturerlebnis vornean.

Gesobau

Im Norden Berlins, vor allem in Pankow, ist die Gesobau aktiv. Gerade sind in den „Pankower Gärten“ an der Blankenburger Straße mit insgesamt 100 Wohnungen die ersten Mieter eingezogen. Auch an der Thulestraße ist es bald soweit. Dort werden 107 Wohnungen angeboten, 35 davon zu Nettokaltmieten von 6,95 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter. Mit 180 Wohnungen sind jedoch die „Uferhöfe“ an der Panke in Gesundbrunnen das aktuell größte Neubauprojekt der Gesobau. Ein Drittel davon wird zu Mietpreisen von 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten. Die Vermietung beginnt im Frühjahr 2017.

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