Immobilien : Das liegt in der Natur

Die Berliner Architektin Anne Lampen hat ein Holzhaus entwickelt, das alle Anforderungen eines Ökohauses erfüllt und trotzdem eine moderne, urbane Ausstrahlung hat – ein Besuch bei den ersten Häusern in Neuenhagen

Christian Hunziker

Neuenhagen liegt zwar nur wenige Kilometer östlich des Berliner Stadtrands, aber trotzdem weit weg vom Trubel. Kopfsteinpflaster rüttelt die Autofahrer durch, unscheinbare Häuschen reihen sich aneinander, ein Ortszentrum scheint es nicht zu geben – doch in einem Neubaugebiet im Norden der Gemeinde erblickt man plötzlich ein ausgefallenes, spannendes Wohnhaus, das auch Architekturpuristen gefallen dürfte. Hölzerne Fassade, kubische Formen und bodentiefe Verglasung machen das Besondere aus – und ein Flachdach. „Ökohäuser mit Satteldach gibt es wie Sand am Meer“, sagt die Berliner Architektin Anne Lampen, die das so genannte Naturhaus im Auftrag des bayerischen Unternehmens Südhausbau entworfen hat. „Ich wollte ein ganz modernes Ökohaus machen, das nichts mit Gesundheitssandalen und Müsli zu tun hat.“

Ihr Haus zeichnet sich denn auch durch eine großzügige, flexible Raumgestaltung aus. Die Küche geht in einen 37 Quadratmeter großen Wohn- und Essbereich über, und ein Luftraum mit Galerie macht die gesamte Höhe des Hauses von 5,70 Meter erlebbar. Durch die riesigen Fenster blickt man auf alte Bäume, und von jedem Raum aus gelangt man ins Freie. Weil das Haus einen L-förmigen Grundriss hat, ist die Terrasse vor Einblicken weitgehend geschützt. Im Obergeschoss gibt es gleich zwei großzügige Balkone. Ein Arbeitszimmer hat die Architektin vorgesehen und ein Schlafzimmer, dem sich direkt das Bad anschließt. Das alles wirkt so, als ob das Haus für kinderlose Doppelverdiener konzipiert sei – es geht aber auch anders: Der Luftraum lässt sich nämlich schließen, so dass ein zusätzliches Zimmer entsteht.

Neben Lampen entwarfen auch andere Architekten innovative Haustypen für das auf den Namen Park Spreti getaufte Baugebiet. Entstanden ist so „eine für den Bauträgerbereich vollständig neue Architektur“, wie Jörg Lippert, Prokurist der Südhausbau, in eigener Sache behauptet. Anne Lampen musste zwar den Kostenrahmen einhalten, hatte ansonsten aber völlig freie Hand – auch wenn es, als sie ihren Entwurf vorlegte, durchaus Diskussionen gab, ob sich für ein Haus mit Flachdach wirklich Käufer finden würden. Die Sorge war unbegründet: Mittlerweile sind im Park Spreti vier dieser Häuser in Bau.

Die Bauherren haben sich hier für ein ökologisches Eigenheim entschieden, das die Anforderungen an ein Niedrigenergiehaus erfüllt und eine passive Nutzung der Sonnenenergie vorsieht. Denn die großflächigen Fenster lassen im Winter die Sonne herein, während im Sommer außen liegende Jalousien die Sonne abhalten. Besonderes Gewicht legte Lampen auf die Wärmedämmung, die durch Zellulose erfolgt. Zellulose wird aus Altpapier hergestellt und schafft nach den Worten der Architektin „eine wunderbare Raumluft“. Umweltfreundlich zudem, dass ausschließlich lösemittelfreie Baustoffe, Farben und Öle zum Einsatz kommen. Erfahrungen mit dieser Bauweise gesammelt hat sie bereits bei einem Haus in Babelsberg, für das sie 2001 den Brandenburgischen Bauherrenpreis erhielt. Konstruiert ist das Haus als mit Gipsfaserplatten beplanktes Holzständerwerk. Holzhäuser erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit: Ihr Anteil unter den neu errichteten Eigenheimen stieg 2006 um 1,1 Prozentpunkte auf 13,8 Prozent.

Ein Schnäppchen ist das Naturhaus allerdings nicht. Mit einem Preis von 265 000 Euro (ohne Grundstück) ist es deutlich teurer als konventionelle Bauträgerprodukte oder gar Fertighäuser. Zurückzuführen ist dies der Architektin zufolge auf den hohen Anteil an Handarbeit. So stellt zum Beispiel die Herstellung der großen Schiebetüren die Handwerker vor besondere Herausforderungen. Allerdings bietet die Firma Südhausbau das Haus auch in Massivbauweise an; dann wird es etwa 20 000 Euro günstiger. Ohnehin hat Anne Lampen ihr Haus so konzipiert, dass ganz unterschiedliche Varianten möglich sind. Angeboten werden auch ein Bungalow, ein Doppelhaus und ein Modell mit Pultdach – letzteres für Baugebiete, wo Flachdächer nicht zugelassen sind. Schnell haben die Südhausbau-Leute nämlich gemerkt, dass manche Interessenten zwar von Anne Lampens Haus begeistert sind, aber nicht von Neuenhagen. Deshalb bietet das Unternehmen das Naturhaus auch Häuslebauern an, die sich woanders ein Grundstück gesichert haben. „Der Vorteil“, wirbt Hilke Branding-Rettig von Südhausbau, „liegt in der Kombination von Architektenhaus und erfahrenem Bauträger.“ Will heißen: Der Käufer bekommt die Sicherheit einer termingerechten Fertigstellung im Kostenrahmen und die individuelle Architektenberatung.

Manche Bauwillige aber haben sich auch mit Neuenhagen angefreundet. Einer der neuen Bewohner des Parks Spreti pendelt nach Spandau, ein anderer nach Marienfelde. Architektin Lampen glaubt mit einem Verweis auf die alten Bäume zu wissen, warum die Bewohner den stundenlangen Arbeitsweg auf sich nehmen: „So einen schönen Blick kriegt man in Berliner Neubaugebieten nicht.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar