Immobilien : Dekorative Begleiter

Spät blühende Pflanzen lassen sich sehr gut mit Lungenkräutern kombinieren

Tassilo Wengel

Vorfrühlingsblüher sind eine Zierde für jeden Garten, denn sie sind strahlende Lichtblicke in der noch dunkleren Jahreszeit. Zu dieser beliebten Pflanzengruppe zählt auch das Lungenkraut (Pulmonaria). Es gehört zu den ersten Stauden, die zusammen mit Christrosen, Winterlingen und Schneeglöckchen den Blütenreigen eröffnen. Da die Lungenkräuter auch nach ihrer Blüte durch das schöne, oft interessant gefleckte Laub einen Schmuckwert besitzen, können sie sehr gut als Begleiter für andere, später blühende Pflanzen eingesetzt werden. Grund genug, den Stauden einen entsprechenden Platz einzuräumen.

Alle Lungenkräuter sind Pflanzen für schattige und halbschattige Standorte. Sie sind hinsichtlich der Bodenbeschaffenheit recht anspruchslos, gedeihen allerdings auf humusreichen Böden mit ausreichender Feuchtigkeit am besten. Man verwendet sie mit Ausnahme des Schmalblättrigen Lungenkrauts als Bodendecker. So lässt sich beispielsweise der Bereich von Gehölzrändern mit ihnen pflegeleicht und wirkungsvoll gestalten. Vor allem in Gemeinschaft mit Vertretern der Gattung Helleborus wie Lenzrosen oder Stinkender Nieswurz harmonieren sie gut, auch mit Schlüsselblumen oder Leberblümchen kann man hübsche Bilder schaffen. Ebenso lassen sich Lungenkräuter mit anderen Bodendeckern wie beispielweise Goldnessel, Gefleckte Taubnessel, Elfenblumen oder Schaumblüte kombinieren.

Lungenkräuter (Pulmonaria) gehören zur Familie der Boretschgewächse (Boraginaceae). Sie sind mit etwa 14 Arten in Europa verbreitet. Die Heimat der einzelnen Arten reicht von Südschweden, Deutschland über die Iberische Halbinsel, den Alpenraum bis zum Kaukasus und Russland. Am weitesten verbreitet ist das Echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), das auch bei uns heimisch ist. Es wurde bereits im Mittelalter als Heilpflanze verwendet und von Paracelsus (1493–1541) als Arznei für die Heilung von Lungenkrankheiten empfohlen. Davon wurden der deutsche sowie der botanische Name (pulmo = Lunge) abgeleitet. Heute wird die Pflanze in der Schulmedizin nicht mehr verwendet, obwohl ihre Inhaltsstoffe positiv auf entzündete Schleimhäute in Magen, Darm und Rachenraum wirken. In der Volksmedizin dagegen wird Lungenkraut-Tee zur Linderung von Husten, Heiserkeit und Durchfall sowie bei Blasenleiden noch angewendet. Bei Dauergebrauch treten allerdings Nebenwirkungen auf.

Als Gartenpflanze wurde Pulmonaria officinalis erstmals 1594 im Hortus Lusatiae von Johannes Franke als „Blau Schlüsselblumen“ erwähnt. Die Art wächst in heimischen Laubmischwäldern als Bodendecker, wird etwa 25 Zentimeter hoch und hat rauhaarige, im Grunde herzförmige Blätter mit silbrigen Flecken. Die Blüten erscheinen von März bis April, sind beim Öffnen rosa und verfärben sich allmählich blauviolett. Von dieser Art gibt es auch weiße oder rosafarbene Varianten, aus denen Sorten wie ,Sissinghurst White‘ (weiß), ,Roy Davidsen‘ (rosa) und ,Cambridge Blue‘ (hellblau) entstanden. Schöner ist das Schmalblättrige Lungenkraut (Pulmonaria angustifolia) aus dem östlichen Mitteleuropa und dem Kaukasus. Die Art wird 25 bis 30 Zentimeter hoch und fällt durch lange, zugespitzte Blätter auf, die rauhaarig, aber ungefleckt sind. Sie sterben allerdings nach der Blüte ab, weshalb sich die Art, wie oben erwähnt, nicht als Bodendecker eignet.

Viele ausgezeichnete Gartenformen brachte Pulmonaria saccharata hervor, die in Südostfrankreich und Italien zu Hause ist. Neben der Blütenfarbe spielen vor allem ausgeprägte Blattflecken eine besondere Rolle. Die Blätter dieser Art sind zwei bis drei Mal länger als breit und haben zahlreiche, oft miteinander verschmelzende, silbrige Blattflecken. Besonders großflächig sind sie bei der Sorte ,Mrs. Moon‘ ausgeprägt, die zusätzlich mit leuchtend roten Blüten aufwartet. Ebenfalls große silberne Flecken hat die Sorte ,Sam Gamgee‘, deren Blüten erst rot, dann blauviolett sind. Wenig Kontrast bietet ,Snow Queen‘ mit weißen Blüten über silbrigen Blättern. Sie ist aber in Gemeinschaft mit anderen Sorten sehr wirkungsvoll.

Aus den Karpaten und den Gebirgen des Balkans stammt das Rote Lungenkraut (Pulmonaria rubra), eine weich behaarte Pflanze. Sie wird etwa 30 Zentimeter hoch und hat hellgrüne, oval bis elliptisch-lanzettliche Blätter ohne Flecken. Die Blüten erscheinen im März und sind ziegelrot. Die Art wächst nicht so kompakt, wie die bereits genannten Lungenkräuter, ist aber trotzdem empfehlenswert. Vor allem sind einige Sorten sehr beliebt, von denen ,Redstart‘ durch besonderen Reichtum an hellroten Blüten auffällt. Korallenrote Blüten über hell geflecktem Laub hat ,Bowles Red‘, dagegen trägt ,David Ward‘ hellrosafarbene Blüten über blassgrünen Blättern mit cremefarbenem Rand.

Alle Lungenkräuter können leicht vermehrt werden. Man teilt die Pflanzen im Frühjahr oder im Herbst und pflanzt sie im Abstand von 20 bis 30 Zentimetern gleich wieder ein. Sie lassen sich auch leicht durch Samen heranziehen, wobei die Sämlinge der Sorten nicht sortentypisch sind. Ein Problem ist hierbei auch die Erhaltung der Mutterpflanze, da die Samen nach der Reife inmitten der Pflanze keimen und heranwachsen. Manchmal stirbt dann die eigentliche Sorte ab und es entwickelt sich ein Nachkomme, der mit der ursprünglichen Sorte nicht mehr identisch ist. Wer also auf die Erhaltung der Sortenreinheit bedacht ist, sollte die verblühten Blumen abschneiden.

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