Immobilien : Dekorative Saisonpflanze

Die prächtigen Gloxinien werden hauptsächlich als Hybriden angeboten – eine Weiterkultur lohnt meist nicht

Tassilo Wengel

Gloxinien mit ihren großen, aufrecht stehenden Blütenglocken sind ausgesprochen dekorative Zimmerpflanzen. Im Handel werden hauptsächlich Hybriden angeboten. Die Blütenfarbe der zahlreichen Sorten reicht von Weiß über Rot bis Blau und Violett in den unterschiedlichsten Schattierungen. Sie sind oft anmutig gerandet, gefleckt und auch gepunktet. In aller Regel sind Gloxinien Saisonpflanzen – werden also nach der Blüte weggeworfen. Denn eine Weiterkultur lohnt nicht, da die Pflanzen durch Gewebekultur schnell herangezogen werden und dadurch nur über kleine, kaum ausgereifte Knollen verfügen. Doch es war ein langer Kultivierungsprozess bis aus den kleinblütigen tropischen Wildarten die prachtvoll blühenden Topfpflanzen wurden.

Benannt wurde die Gattung Gloxinie um 1750 nach dem Straßburger Botaniker P. B. Gloxin und als Gloxinia speciosa 1815 nach Europa eingeführt. Zwei Jahre später blühte sie das erste Mal bei Conrad Loddiges, einem englischen Gärtner. Die damalige Abbildung im Botanical Magazin zeigt die Pflanze noch mit nickenden, fast stängellosen Blüten und einem sehr kurzen Stamm mit länglich-ovalen, am Rand gekerbten Blättern.

Von Interesse war die Gloxinia speciosa für C. G. Nees von Esenbeck, Direktor des Botanischen Gartens Bonn. Er stellte nämlich fest, dass diese Art im Gegensatz zur Gattung Gloxinia Knollen bildet. 1825 ordnete er sie einer neuen Gattung zu und nannte diese Sinningia – zu Ehren seines Garteninspektors W. Sinning. Seitdem wird die Art als Sinningia speciosa (falsche Gloxinie oder Gartengloxinie) geführt. Die Gattung Sinningia gehört zur Familie der Gesneriengewächse (Gesneriaceae) und ist mit etwa 40 Arten in Mittel- und Südamerika beheimatet.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in England vor allem Varietäten von Sinningia speciosa gekreuzt. Doch die entstandenen Züchtungen zeigten weiterhin die nickenden, glockenförmigen Blüten der Ausgangsart. Den Durchbruch brachte im Jahr 1845 das Auftauchen von Sinningia fyfiana (syn. Gloxinia fyfiana) in den Aussaaten einer englischen Gärtnerei. Vermutlich handelte es sich hierbei um eine Mutante, also eine Pflanze mit spontan auftretender erblicher Veränderung. Die Blüten standen aufrecht auf straffen Stängeln und zeigten einen regelmäßig ausgebreiteten Saum.

Ein umfassender Züchtungserfolg gelang dann im Jahr 1867 in Erfurt, mit der Gloxinia hybrida crassifolia. Die Pflanze hatte die großen, aufrecht bis waagerecht stehenden Blüten, und es gab sie in verschiedenen Farben. Doch erst durch das Einkreuzen von Sinningia regina um die Wende zum 20. Jahrhundert entstanden die so genannten Regina-Hybriden. Neben diesen Hybriden sind nur wenige Arten in Kultur, die meist nur bei Spezialfirmen erhältlich sind.

Eine solche Art ist Sinningia canescen, syn. Rechsteineria leucotrichas. Sie stammt aus dem brasilianischen Parana und wird etwa 30 Zentimeter hoch. Sehr dekorativ sind die zehn Zentimeter langen Blätter, die dicht mit silbrigen kleinen Haaren bedeckt sind. Einen schönen Kontrast dazu bilden die lachsrosa farbigen Blüten. Sie erscheinen im Frühling bis Frühsommer. In den USA ist diese Art eine weit verbreitete Topfpflanze.

Ebenfalls aus Brasilien kommt Sinningia cardinalis, syn. Rechsteineria cardinalis. Diese Pflanze bildet bis 25 Zentimeter hohe Triebe mit 15 Zentimeter langen, weich behaarten Blattpaaren. Von März bis August schieben sich aus den Achseln der Blätter die sieben Zentimeter langen, röhrenförmigen Blüten mit kurzer Unterlippe und helmförmiger Oberlippe hervor. Sie sind wegen ihrer leuchtend roten Farbe besonders attraktiv.

Gloxinien benötigen ganzjährig einen hellen, aber vor direkter Sonne geschützten Platz und Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Sie müssen gleichmäßig feucht gehalten werden, ohne dass sich Staunässe bildet. Das Wasser sollte zimmerwarm sein. Während der Blütezeit bekommen sie wöchentlich eine Gabe Volldünger. Optimal ist eine indirekte Luftfeuchtigkeit, wie man sie in geschlossenen Blumenfenstern erzeugen kann. Keinesfalls dürfen die Blätter besprüht werden.

Bezugsquelle von Arten: Exotica, Ernst Specks, Am Kloster 8, 41812 Erklenz-Golkrath. Versand von März bis September. Telefon: 024 31 / 739 56, Fax: 024 31 / 44 95.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben