Immobilien : Der Große mit den kleinen Helfern

A.-D. Stevens / Roland Koch

DER ROTE PUNKT

Jede Woche gibt der Botanische Garten eine Liste mit besonders sehenswerten Pflanzen heraus, die durch ihre Blüten oder auch Früchte beeindrucken. Sie sind auf dem Gelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Aus Platzgründen können wir nur jeweils ein Gewächs vorstellen. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter: www.bgbm.org .

In seiner tropischen Heimat hat der imposante Sirisbaum (Albizia lebbeck) vielerlei Aufgaben: Er ist als Allee- und Zierbaum beliebt. In Plantagen wird er als Feuerholz angebaut. Häufig wird er auch als „lebender“ Zaun genutzt, dessen Blätter zwei Mal im Jahr für die Futterproduktion geerntet werden. Die rund 100 Arten sind in den Tropen der Alten Welt weit verbreitet. Aber auch im Großen Tropenhaus des Botanischen Gartens ist ein Expemplar zu sehen und trägt diese Woche den Roten Punkt.

Die vielen Funktionen kann der Sirisbaum unter anderem erfüllen, weil er schnell wächst. Mitunter schießt er mit einer Geschwindigkeit, dass man fast meint, zusehen zu können, in die Höhe: Bis zu fünf Meter legt A.lebbeck unter optimalen Bedingungen in einem Jahr zu. Er entwickelt dabei eine mächtige Schirmkrone, wird insgesamt gut 20 Meter hoch und erreicht in der Regel einen Stammdurchmesser von mehr als einem halben Meter.

1749 brachte der italienische Naturforscher Albizzi, nach dem der Baum benannt ist, viele Samen und Früchte aus Konstantinopel nach Florenz – und machte ihn damit auch bei den Europäern bekannt. Ursprünglich stammt Albizia lebbeck vom indischen Subkontinent und aus anderen Gebieten Südostasiens, die eine merkliche Trockenzeit haben. Heute jedoch taucht er pantropisch auf.

Der Riese mit den vielen Eigenschaften macht sich aber auch kleine Helfer zunutze: Die Blätter des Sirisbaums stehen wechselständig und sind zweifach gefiedert mit jeweils zwei bis fünf Paar Fiedern, die wiederum drei bis zehn Paar Fiederblättchen tragen können. Zwischen diesen Fiederblättchen liegen kleine Drüsen, die süßen Nektar produzieren – und mit denen werden Ameisen angelockt. Die Ameisen sammeln hier Zucker und schützen den Baum im Gegenzug vor pflanzenschädigenden Besuchern wie beispielsweise Raupen.

Die Blüten sind mimosenähnlich und zu köpfchenförmigen Blütenständen zusammengefasst. Am auffallendsten sind jedoch die zahlreichen Staubblätter, die weit herausragen und auf die Verwandtschaft mit den Mimosen hinweisen. Sie werden von Insekten bestäubt.

Die trockenen Hülsenfrüchte sind circa sechs mal 35 Zentimeter groß und enthalten zwischen drei und zwölf Samen. Diese werden von Krähen und Hörnchen gefressen und – neben der Verbreitung durch Wind – wohl auch auf diese Weise ausgebreitet. Durch die riesigen Mengen an Samen, die der Baum produziert, kann er Waldflächen sehr schnell besiedeln.

Doch auch unter weniger guten Bedingungen kann Albizia lebbeck gedeihen. Denn durch die Unterstützung von Symbionten kann der Baum einerseits Stickstoff fixieren, einen Nährstoff, den er für das Wachstum benötigt. Andererseits stellt A. lebbeck nur geringe Ansprüche an die Bodenqualität und den Wasserbedarf. Diese Eigenschaften machen ihn zu einem so genannten Pionierbaum für die Wiederbesiedlung abgeholzter Flächen.

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