Immobilien : Der Laptop aber versagt den Dienst

ULRIKE VORWALD

Ein Tag mit Infratest Burke Berlin, der die Daten für den neuen Mietspiegel erhebtVON ULRIKE VORWALDWie hoch sind die Mieten in Berlin? Zahlen manche Berliner zu viel für zu wenig Wohnfläche und zu schlechte Wohnbedingungen? Diesen und anderen Fragen geht Infratest Burke Berlin nach.Die Berliner Niederlassung des Forschungsunternehmens wurde im Juli 1990 gegründet und erhebt im Auftrag des Senats die Daten, die Grundlage für den Berliner Mietspiegel. Infratest Burke Berlin ist eine Tochtergesellschaft der Infratest Burke Gruppe, die zu den größten Forschungsgesellschaften weltweit zählt.Die Burke-Gruppe befaßt sich mit Wahl- und Politikforschung sowie mit Stadt- und Regionalforschung und wurde in Deutschland 1947 von dem Ehepaar Ernst, Sozialwissenschaftler aus München, gegründet.Inzwischen ist die Infratest Burke Gruppe ein innovativer Dienstleister mit europäischem Stammsitz, aber weltweitem Aktionsradius: mit mehr als 30 Gesellschaften in 14 Ländern.Für ihre außereuropäische Forschung und Beratung gründete die Infratest Burke Gruppe Institute in den USA und in Japan.Im Juli 1990 folgte eine Tochtergesellschaft in Berlin; sie bezog in der Moosdorfstraße am Treptower Park Quartier.In den Räumen einer ehemaligen Samengroßhandlung richtete sie moderne Büros ein, inklusive Telefonstudio und 62 Computerarbeitsplätzen. Hier fand Anfang November auch das "Briefing" der neuen Mitarbeiter statt, die die Daten für den Mietspiegel erheben sollen.Die neuen Mitarbeiter sind überwiegend Studenten.Sie nutzen den "Job", um neben ihrer Ausbildung etwas zu verdienen.Sie informierte Projektleiter Reinhard Aehnelt über "sein" Unternehmen und über den Nutzen des Mietspiegels, um schließlich eine kurze Einweisung in das Computerprogramm zu geben, das bei der Mieterbefragung zum Einsatz kommt.Der Mietspiegel wird jedes zweite Jahr neu erstellt, um den Berlinern einen Überblick über die Mietverhältnisse in der Stadt zu geben.Er verhindert außerdem überzogene Mietpreisforderungen durch Vermieter.Die Erhebung der Daten findet zwischen Oktober und November 1997 im Westteil Berlins statt. Dann sind 120 freiberufliche Mitarbeiter im Einsatz, die 5000 Mieter und 5000 Vermieter befragen etwa zur Höhe ihrer Miete, der Wohnungsgröße und dem Verkehrsbelästigung.Die Adressen und Telefonnummern, die den Interviewern vorliegen, sind Stichproben, die Infratest ermittelt.Dann werden zunächst "Screening Interviews" durchgeführt, wobei ein erster Kontakt per Telefon zu den Mietern hergestellt wird.In der zweiten Phase findet das Gespräch mit Mietern und Vermietern vor Ort statt.Die Befragungsergebnisse werden auf Diskette in der Moosdorfstraße abgeliefert. Auch Norbert Wagner führt Interviews durch, ist aber ständiger Mitarbeiter von Infratest.An diesem lauen Novembertag muß er Mieter in Charlottenburg befragen.Auf seiner Liste steht ein älteres Ehepaar, das eine Vierzimmerwohnung in einem Wohnhaus mietet, das um die Jahrhundertwende errichtet wurde.Das Ehepaar begrüßt ihn freundlich und legt flugs geordnete Unterlagen auf den Tisch.Die Vorarbeit hat sich gelohnt: Weil Norbert Wagner sie telefonisch auf die Befragung vorbereitet hat, tritt das Ehepaar ihrem Gesprächspartner ohne Mißtrauen gegenüber. Auch die Fragen werden sorgfältig beantwortet, obgleich auch Auskünfte etwa nach dem Preis der Wohnungen, nach Mieterhöhungen sowie Betriebs- und Heizungskosten abgefragt werden.Weil das Paar so gut vorbereitet ist, dauert die Befragung gerade einmal 15 Minuten."Das ist aber nicht der Normalfall", sagt Wagner.Obgleich bei allen Mietern durch das telefonische "Screening Interview" der Besuch angekündigt werde, dauere bei vielen die Befragung oft eine Stunde und mehr.Obgleich Norbert Wagner als ständiger Mitarbeiter bestens in der Materie steckt, verzichtet er auf den Einsatz des in diesem Jahr erstmals bereitgestellten Laptops - und greift lieber auf Papier und Stift zurück.Die Tücken der Technik sind schuld: Wagner führt täglich etwa 9 Interviews durch, der tragbare Computer aber trittnach 5 bis 6 Interviews in den Streik."Die Kapazität ist für einen längeren Arbeitstag zu gering", sagt Wagner.So muß er abends seine Untersuchungsergebnisse in den heimischen PC eingeben, um - wie die Teilzeitkräfte der Infratest auch - am folgenden Tag seine Disketten in der Moosdorfstraße abzuliefern.Die in den Interviews erhobenen Daten werden dann von einem Programm ausgewertet. Norbert Wagner hat von Anfang Oktober bis Ende November über 200 Interviews durchgeführt.Inzwischen sind alle Gespräche abgeschlossen und nun werden die erhobenen Daten bei den Sozialforschern der Moosdorfstraße statistisch ausgewertet - im Frühjahr 1998 werden sie zur Information allen Berlinern vorliegen: Eine kleine Broschüre, die es in sich hat - der neue Mietspiegel 1998.

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