Immobilien : Der Streitschlichter mit den gebundenen Händen Seit gut drei Jahren gibt es einen Ombudsmann

für Streitigkeiten rund um das Thema Immobilien.

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Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen die größte Investition ihres Lebens. Wie viel dabei auf dem Spiel stehen kann, haben die Fälle rund um den Verkauf von Schrottimmobilien gezeigt, die zuletzt gerade in Berlin für Schlagzeilen sorgten. Was die meisten Immobilienkäufer nicht wissen: Wenn es beim Kauf einer Wohnung oder eines Hauses zu Auseinandersetzungen kommt, muss der erste Weg nicht unbedingt vor Gericht führen.

Seit Oktober 2008 gibt es einen Ombudsmann, der bei Streitigkeiten im Zusammenhang mit Immobilien versucht, eine außergerichtliche Lösung zu finden.

Peter Breiholdt, ein Hamburger Rechtsanwalt mit jahrzehntelanger Erfahrung im Immobilienrecht, hat dieses Amt inne. Allerdings nur noch einen Arbeitstag: Seine Amtszeit endet jetzt im April. Offiziell lautet Breitholdts Bezeichnung „Ombudsmann Immobilien im IVD“ – und damit ist auch schon ein Grund angesprochen, warum es die Institution bisher nur zu einem sehr bescheidenen Bekanntheitsgrad gebracht hat. „Tätig werden“, erläutert Breiholdt, „darf ich nur, wenn das betroffene Unternehmen Mitglied im IVD ist. In anderen Fällen empfehle ich den Verbrauchern, sich an die Verbraucherzentrale oder bei ernsthaften Streitfällen an einen Anwalt zu wenden.“

IVD ist die Abkürzung für „Immobilienverband Deutschland Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen e. V.“; in ihm sind bundesweit rund 6000 Immobilienunternehmen organisiert. Wer dem Verband beitreten will, muss über eine immobilienspezifische Ausbildung verfügen und eine ausreichende Fachkunde nachweisen. Makler, die unwissenden Kunden überteuerte Wohnungen aufschwatzen und sie kurz vor Mitternacht zum Notar chauffieren, sind in aller Regel nicht Mitglied des Berufsverbands – was wohl erklärt, warum Breiholdt nach eigenen Angaben in den dreieinhalb Jahren seiner Tätigkeit mit keinem einzigen Fall von Schrottimmobilien konfrontiert wurde.

Rund neunzig Beschwerden gingen im vergangenen Jahr beim Ombudsmann ein – gewiss viel Arbeit für den Schlichter, aber eigentlich verschwindend wenige Fälle angesichts der Bedeutung der Immobilienwirtschaft. Zum Vergleich: Der Ombudsmann für Versicherungen behandelte 2010 mehr als 18 000 Beschwerden. An den Kosten kann das geringe Interesse nicht liegen – der Gang zum Ombudsmann im IVD ist für den Verbraucher gratis.

Sehr wohl eine Rolle spielen dürfte hingegen, dass der Ombudsmann selbst in Fällen, für die er zuständig ist, nur begrenzten Einfluss ausüben kann. Wenn ein Verbraucher eine Beschwerde gegen ein Unternehmen vorträgt, ist dieses zwar laut Verfahrensordnung des IVD verpflichtet, dazu Stellung zu nehmen – mehr aber auch nicht. Zwar ist die Möglichkeit vorgesehen, dass sich ein IVD-Mitglied dem Spruch des Ombudsmanns unterwirft und zusagt, in diesem Fall nicht vor Gericht zu gehen; dazu hat sich aber noch kein einziges Unternehmen verpflichtet.

Hinzu kommt, so Breiholdt: „Ich darf keine Beweise erheben, sondern muss mich an der Korrespondenz orientieren und dann Ratschläge geben.“ Tätig werden darf der Ombudsmann außerdem im Prinzip erst ab einem Streitwert von 3000 Euro. Dieser Betrag wird in der Regel durch die beim Kauf einer Wohnung oder eines Hauses anfallende Provision erreicht. Provisionsstreitigkeiten sind denn auch ein immer wiederkehrender Streitgegenstand. Besonders häufig geht es dabei um das Problem der doppelten Provisionszahlung. So berichtet Breiholdt von einem Beschwerdeführer, dem in größerem zeitlichem Abstand zwei Makler dieselbe Eigentumswohnung an der Ostseeküste anboten. Als er sie dann tatsächlich kaufte, verlangten beide Makler ihre Provision – obwohl der Käufer zuvor die Auskunft erhalten hatte, das sei nicht zu befürchten. Hier müsste nach Ansicht Breiholdts dringend Abhilfe geschaffen werden. Denkbar wäre für ihn, dass sich zwei Makler, die für denselben Kunden tätig waren, die Provision teilen.

Trotz aller Einschränkungen zieht Breiholdt, der sein Amt zum 1. Mai an Rechtsanwalt Hans-Eberhard Langemaack übergibt, eine positive Bilanz seiner Tätigkeit: „Ich bin überzeugt, dass ich vielfach helfen konnte.“ Eine konkrete Erfolgsquote kann er jedoch nicht nennen, da er nach eigenen Angaben oft gar nicht erfährt, wie ein Streit ausgeht. Manchmal aber erhält er eine Rückmeldung – so in dem Fall, in dem ein Makler Eigentümern, die ihn mit dem Verkauf ihres Eigenheims beauftragten, eine Belohnung von 500 Euro versprach. Ein Verkäufer, der vergeblich seine Prämie eingefordert hatte, wandte sich an den Ombudsmann, der in einem aufwendigen Briefwechsel den geizigen Makler dann doch dazu brachte, die Belohnung zu überweisen.

Ganz zufrieden mit der jetzigen Situation ist jedoch auch Breiholdt nicht: „Zur weiteren Verbesserung des Verbraucherschutzes möchte ich, dass der Ombudsmann Immobilien im IVD mehr Entscheidungsmacht bekommt. Ziel sollte sein, einen Ombudsmann für die gesamte Immobilienbranche zu etablieren.“

Eine Idee, wie das geschehen könnte, hat Peter Breiholdt auch schon: Er schlägt vor, einen Verein zu gründen, der als ausschließlichen Zweck die Förderung der außergerichtlichen Streitschlichtung im Immobilienbereich verfolgt. Finanziert werden soll dieser Verein über Mitgliedsbeiträge von Immobilienunternehmen. Diese müssten sich dann verpflichten, die Entscheidung des Ombudsmanns zu akzeptieren. Im Gegenzug dürften sie mit der Mitgliedschaft im Verein werben und damit ihre Seriosität unterstreichen – womit sie sich von skrupellosen Maklern abheben könnten, die ahnungslose Wohnungskäufer in den Ruin treiben.

Beschwerden sind schriftlich zu richten an den Ombudsmann Immobilien im IVD,

Littenstraße 10, 10719 Berlin. Die Stelle ist zu erreichen über die E-Mail-Adresse info@ombudsmann-immobilien.net, Weitere Informationen gibt es im Internet hier:

www.ombudsmann-immobilien.net

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