Immobilien : Der Tagesspiegel „Wir wollen den Umsatz verdoppeln“ Allfinanzkonzern Allianz plant Wachstum bei Baufinanzierungen

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PETER HAUEISEN,

Leiter Baufinanzierung bei der Allianz Leben, über die gesunkenen Zinsen für Kapitallebens

versicherungen

Foto: Promo

Die Versicherer haben ihre Überschussbeteiligungen gesenkt. Sogar der garantierte Zins für Kapitallebenspolicen soll auf 2,75 Prozent fallen. Bricht nun der Umsatz ein?

Nein, wir haben im ersten Halbjahr fast 40 Prozent mehr Verträge abgeschlossen als im Vorjahreszeitraum. Das Produkt ist auch bei Baufinanzierungen weiterhin sehr gefragt. Wer eine Immobilie erwirbt und sie selbst bewohnt hat durch eine Kapitallebensversicherung drei Vorteile. Er nutzt sie als Tilgungsersatz, er ist versichert gegen Berufsunfähigkeit, und seine Familie ist bei einem tödlichen Unglücksfall abgesichert. Außerdem kann der Vertrag zusätzlich als Altersvorsorge dienen. Drei einzelne Policen wären in der Summe teurer.

Doch wer eine Versicherung mit der Aussicht auf Entschuldung eines Baukredits abgeschlossen hatte, ist frustriert, weil ihm nun eine Deckungslücke zu füllen bleibt. Wie erklären Sie das Ihren Kunden?

Dem Nachteil gesunkener Überschussbeteiligungen steht der Vorteil so günstiger Baugeldzinsen wie nie zuvor gegenüber. Wenn die Zinsbindungsfrist ausläuft, zahlt der Immobilieneigentümer etwa drei Prozent weniger für das Anschlussdarlehen als vor fünf Jahren. Diese Ersparnis kann er für die zusätzliche Tilgung des Darlehens einsetzen. Hier kommen wir unseren Kunden entgegen, indem wir ihnen die Möglichkeit zusätzlicher Tilgungen in Höhe von zwei Prozent anbieten. Und wer ein Darlehen mit einer Zinsbindung von 24 Monaten oder weniger hat, dem bieten wir außerdem eine vorzeitige Umschuldung an. Er zahlt zwar eine Vorfälligkeitsentschädigung, geht jedoch nicht das Risiko ein, dass er in zwei Jahren wesentlich mehr fürs Baugeld zahlen muss als heute.

Wie wichtig ist der Markt für Baufinanzierungen für die Allianz-Leben in Zukunft?

Wir wollen bis zum Jahr 2006 gemeinsam mit der Dresdner Bank einen Marktanteil von fünf Prozent erreichen. Das wäre eine Verdoppelung des Umsatzes. Die Allianz hat bereits heute viele Kunden, die Immobilien besitzen, das Baugeld jedoch bei anderen Banken aufgenommen haben. Ihnen können wir bei Ablauf der Zinsbindungsfrist günstiges Baugeld bieten. Viele andere Banken ziehen sich aus diesem Markt zurück, weil sie aufgrund von Abschreibungen nicht mehr über das erforderliche Eigenkapital für Expansionen verfügen. In diese Lücke stoßen wir hinein.

Zeigen diese Beispiele nicht, dass Sie damit Gefahr laufen, höhere Verluste zu erleiden?

Wir steuern dagegen an, indem wir die Zinshöhe abhängig machen von der Höhe des Risikos. Wenn der Wert der Immobilie deutlich höher ist als das Darlehen, dann bieten wir günstigere Zinsen. Wir werden diese Differenzierung auf Grundlage unserer Erfahrungen bei Baufinanzierungen noch verfeinern und im Oktober weitere Preisdifferenzierungen einführen. Es zeichnet sich ab, dass wir Käufern selbst genutzter Eigenheime die günstigsten Zinsen anbieten werden und die schlechtesten Konditionen Eigentümern vermieteter Wohnungen. Denn die Erfahrung zeigt, dass ein Eigenheimbesitzer auch in einer wirtschaftlichen Notlage alles daran setzt, seine Immobilie nicht zu verlieren. Zusätzliche Kriterien bei der Kreditvergabe sind Einkommen, Vermögen und die Art des Beschäftigungsverhältnisses. Somit wird also nach wie vor jeder Kunde im Prinzip einen Kredit erhalten. Doch der Preis dafür hängt stärker als bisher vom individuellen Risiko ab. Gute Risiken werden also die schlechten nicht mehr subventionieren.

Die Fragen stellte Ralf Schönball.

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