Immobilien : Der zweite Blick

Bei der Sanierung eines Altbaus kann moderne Technik versteckte Risiken aufspüren

Joachim Göres

Ein altes Haus kaufen und es modernisieren oder ein neues bauen? Diese Frage ist entschieden: 2002 wurden laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung „nur“ 54,7 Milliarden Euro für den Bau neuer Wohnhäuser ausgegeben, 83,5 Milliarden Euro dagegen in die Sanierung von Altbauten investiert. Das liegt sicherlich daran, dass immer mehr Häuser vererbt werden, zudem wächst in großen Städten aber das Interesse an zentral gelegenen Gründerzeitbauten mit ihrer oft hervorragenden Bausubstanz.

Dabei bleiben Kauf und Sanierung eines Altbaus mit Risiken verbunden. Schwamm, Hausbock, Schimmel, defekte Leitungen – solche Mängel sind oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen und können erhebliche Summen verschlingen. Claus Arendt, Architekt für Altbausanierung und Fachbuchautor aus München, weiß, wie böse Überraschungen vermieden werden können: Mit endoskopischen Verfahren können nicht einsehbare Stellen im Boden und in der Decke auf Schwamm untersucht werden; mit Infrarotverfahren kann der geeignete Ort für den Durchbruch einer Zwischenwand ermittelt werden; beim Dachausbau sollten Holzträger wegen der Stabilität nicht tief eingeschlagen werden, sondern man sollte per Strom die Spannung messen, um den Zustand des Gebälks zu überprüfen; mit Hilfe der Endoskopie kann man klären, ob alte Wasserleitungen noch benutzbar sind.

Solche Vorprüfungen durch erfahrene Architekten kosten Geld, doch da kann man an anderer Stelle laut Arendt sinnvoll sparen: „Oft erzielt man durch kleine Tischlerarbeiten an den Fenstern einen ähnlichen Effekt wie durch eine teure Dämmung. Leitungen können vor den Wänden so verlegt werden, dass sie optisch nicht stören. Das ist billiger als die Verlegung unter Putz.“

Für Modernisierungen und Instandsetzungen bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aber auch zinsverbilligte Kredite an. Für das Wohnraum-Modernisierungsprogramm wurden seit dem Start im April 2003 bereits rund 50 000 Zusagen erteilt und knapp 1,7 Milliarden Euro ausgereicht.

Entscheidend für Arendt aber ist, dass selbst der reichste Bauherr einen Altbau nicht beliebig verändern kann – man müsse seine Wünsche mit einer bestehenden Struktur in Einklang bringen. Dafür eigneten sich besonders die vor 1914 gebauten Häuser, da sie oft großzügig angelegt worden seien und für einen Umbau viele Möglichkeiten böten. Schwieriger könne es bei den in den 1930er Jahren und dann nach dem Krieg gebauten Häusern werden – kleinere Räume, dünnere Wände, schlechteres Baumaterial beschränken deren Nutzung.

Weitere Infos: Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung, www.altbauerneuerung.de oder Telefon (030) 484 90 78 55. Unter www.marktplatz-altbau.de gibt es Infos über die Albauerneuerung. Fachleute der Altbauerneuerung sind im Internet zu finden unter: www.hand-in-hand-werker.de. Infos zu zinsgünstigen Darlehen: www.kfw.de

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