Immobilien : Die Angst geht um

DETLEF POHL

Der Senat hat einen Plan: Er will ab 1999 Grundstücke des Landes im Wert von rund 24 Mrd.DM in einen Liegenschaftsfonds einbringen, um damit den Schuldenberg des Senats um 15 Mrd.DM abzutragen.Ist der Fonds erst einmal eingerichtet, soll jedes Jahr ein Teil der über 10000 Flurstücke einen Käufer finden, so daß jährlich knapp zwei Mrd.DM in die Kasse fließen.Nach 15 Jahren wären die Schulden dann abgetragen.Ob das gut gehen kann, ohne daß die neuen Flächen die Grundstückswerte ins Bodenlose stürzen lasen?

Dieser Frage gingen Politiker und Lobbyisten in einer Veranstaltung der Berliner Fachseminare nach.Festgestellt wurde, daß Berlin nach wie vor größter Immobilieneigentümer ist - und über entsprechende "Marktmacht" verfügt.In den letzten Jahren verkaufte das Land bereits Grundstücke im Gegenwert von drei Mrd.DM.Einen nachhaltigen Einfluß auf den Markt hatte dies nicht: Die Verkäufe machten etwa 10 Prozent des Immobilienumsatzes insgesamt aus.Doch mit der Einrichtung des Fonds kämen Grundstücke mit einer Fläche von etwa 35 Mill.Quadratmeter auf den Markt.

Dieser Umfang des geplanten Fondsvermögens reicht nicht aus, um den Bodenmarkt nachaltig zu stören.Davon ist Peter Kurth überzeugt.Aber der Staatssekretär für Finanzen will nicht verraten, "um welche Flurstücke es sich im einzelnen handelt".Das stehe noch nicht fest, aber bis Ende November werde eine entsprechende Senatsvorlage erarbeitet.Wolfgang Branoner, designierter Wirtschaftssenator, betonte nachdrücklich, daß der Fonds auf alle Fälle die genannte Summe erwirtschaften müsse.Um dieses Ziel zu erreichen, müßten unter Umständen mehr als 35 Millionen Quadratmeter in den Fonds eingebracht werden.Mit Marktstörungen durch den jährlichen Verkauf rechnet auch Branoner nicht: Da der Fonds nur Grundstücke verkaufen soll, die schon als Bauland ausgewiesen seien.

Derzeit sehen die Planungen einen Liegenschaftsfonds in der Rechtsform einer landeseigenen GmbH & Co.KG vor.Eine Kapitalbeteiligung Dritter ist nicht vorgesehen.Fünf Bewerber seien derzeit für die Grundstücksverwertung im Rennen.Branoner möchte keinen Bauträger damit beauftragen, sondern ein Unternehmen, das sich weitgehend der Dienstleistungen Dritter bedient.Dem Senator in spe zufolge müsse die Gesellschaft bis zu zwei Mrd.DM jährlich erlösen: Denn neben der jährlichen Tilgung von einer Mrd.DM wollen das Land und die Bezirke einen Teil der Verkaufserlöse einstreichen - und die Mitarbeiter der Gesellschaft bezahlt werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar