Die Anlage als Anlage : Wohnen für Senioren

Die Deutschen werden immer älter. Das erhöht die Nachfrage nach flexiblen Lebensräumen.

Stefanie Hiekmann (dpa)

Senioren-Immobilien sind nicht nur Geldanlage und Altersvorsorge. Mit neuen Angeboten lassen sich Eigenheimerwerb und Pflegeplatz verknüpfen. Eine sinnvolle Kapitalanlage sei Wohnraum für ältere Menschen, so lautet dazu das Fazit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). Der Bedarf an Pflege werde in den kommenden Jahren drastisch steigen.

Bei der Wahl unterscheidet man zwischen so genannten Pflege-Appartements und Betreutem Wohnen. Bei den Appartements haben Käufer mit der anschließenden Vermietung meist wenig zu tun. In der Regel knüpfen sie mit den Betreibern einer Wohnanlage langfristige Verträge, nicht selten von zwanzig Jahren Laufzeit. Die Betreiber ihrerseits arbeiten mit einem Pflegeanbieter zusammen. Inhaber einer Wohnung in einer Anlage für Betreutes Wohnen müssen dagegen oft selbst für die Vermietung sorgen.

„Wer in Betreutes Wohnen investiert, muss vorher gründlich prüfen, was für ein Betreiber dahintersteckt und wie sein Konzept aussieht“, rät daher Barbara Keck von der BAGSO. Die erworbene Wohnung ist zunächst eine ganz normale Eigentumswohnung – der Käufer wird also einer von mehreren Eigentümern in einem Seniorenzentrum. Das Betreuungsangebot kann je nach Bedarf und gesundheitlichem Zustand der Mieter auf Wunsch in Anspruch genommen werden. Der Vorteil dabei ist: Die Mieter leben zunächst in gewohnter Selbstständigkeit. Erst wenn es nötig wird, kann Hilfe hinzugezogen werden.

Solche Seniorenwohnanlagen mit betreutem Wohnangebot werden in den vergangenen Jahren immer häufiger gebaut – mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Mal tragen die Anlagen den Zusatz Betreutes Wohnen, manchmal ServiceWohnen. Keck warnt bei dieser Wohnform vor zu schnellen Entscheidungen: Es gebe keine Qualitätsstandards wie zum Beispiel Barrierefreiheit. Sie empfiehlt daher, besonders stark auf das Betreuungskonzept zu achten und dieses genau auf seine Erfolgsaussicht zu prüfen.

„Ein Indiz kann dabei sein, dass viele der aktuellen Bewohner das Betreuungsangebot nutzen“, sagt Keck. Wichtig sei auch zu schauen, bis zu welcher Pflegestufe das Betreuungsangebot reicht. „Sofern nur Pflegestufe zwei inbegriffen ist, müssen die Bewohner, die Pflegestufe drei benötigen, noch ein weiteres Mal in ein Pflegeheim umziehen.“ Gerade für ältere Menschen, die Ruhe suchen, ist das eine wenig attraktive Perspektive – und dann könnte auch die Vermietung schwierig werden.

Und mit der steht und fällt vieles. Auch die Rechte der Eigennutzung, etwa in Form einer Vorrangregelung für den Eigner. Einen Anspruch speziell auf die eigene Wohnung hat der dann oft zwar nicht – wohl aber eine auf den Einzug in eine andere Wohnung des Hauses. Das bevorzugte Nutzungsrecht können Eigentümer oft auch auf Familienangehörige ersten Grades übertragen.

In der Frage, welche der beiden Immobilienformen das größere Potenzial hat, sind sich die Experten einig: „Durch den erhöhten Pflegebedarf und die wachsende Zahl von Demenzerkrankungen liegt die Zukunft in Pflege-Appartements“, sagt Edwina Holtermann vom auf Seniorenwohnen spezialisierten Bauträger Pro Urban. Und: Beim Betreuten Wohnen werden die Wohnanlagen oft nur zu fünf Prozent von den Betreibergesellschaften angemietet – die Käufer müssen sich zu 95 Prozent selbst um die Vermietung kümmern. Pflege-Appartements erzielen daher meist höhere Renditen. Denn wo kein Mietvertrag gesichert ist, kann die Wohnung auch mal leer stehen und keine Einnahmen bringen.

Checkliste zu Finanzierung und Kauf des Senioren-Interessenverbands BAGSO: www.bagso.de.

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