Immobilien : Die Bahn kommt

Das größte Bauprojekt in Teltow ist der neue S-Bahnhof. Dadurch wird die seit 1990 rasch gewachsene Kleinstadt im Südwesten Berlins noch besser erreichbar für Pendler

Bernd Hettlage

IMMOBILIEN SPEZIAL: TELTOW

Die Stadtgrenze von Berlin nach Teltow passiert man unmerklich. Über den Ostpreußendamm, eine von Baumkronen überschattete Allee, geht es durch Lichterfelde Richtung Südosten. Auf einmal befindet man sich in Brandenburg, ohne dass sich die Allee und die Bebauung entlang der Straße verändert haben. Von der früheren Grenze bemerkt der Autofahrer nichts mehr.

Die Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zu Steglitz und Zehlendorf macht den Reiz von Teltow aus. Von dort sind es bis zum Potsdamer Platz gerade mal 16 Kilometer. Etliche neue Wohnparks entstanden deshalb seit der Wende hier. Die Bevölkerungszahl stieg seit 1990 um 3000 auf heute 18700 Einwohner. Inzwischen weisen die Ämter keine neuen Baugebiete mehr aus – wie fast überall im Berliner Umland. Nur wo schon Bebauungspläne bestehen und Investoren aktiv sind, entstehen noch neue Häuser.

Das größte Bauvorhaben realisiert kein privater Investor, sondern die öffentliche Hand: Die Stadt erhält einen Anschluss an das Berliner S-Bahnnetz. Zwar erreicht man Teltow auch heute schon mit öffentlichen Verkehrsmitteln, doch statt den Buslinien bevorzugen die meisten Pendler und Einwohner doch das Auto. Deshalb ist der Ostpreußendamm in Teltow dicht befahren, die übrigen Durchgangsstraßen des Ortes ebenfalls. Zum Beispiel die Potsdamer Straße, wo die meisten Geschäfte der Kleinstadt geöffnet haben. Fußgängerampeln sind jedoch rar und das Wechseln von einer Seite zur anderen ist im dichten Verkehr mitunter schwierig.

An der Potsdamer Straße liegt auch die alte Dorfeiche. Dahinter befindet sich eine eingezäunte grüne Fläche, auf der bisher der Wochenmarkt stattfindet. Die Stadtväter würden ihn gerne verlegen. Die Händler sollen wieder auf dem historischen Marktplatz in der Altstadt ihre Waren feilbieten. Der Marktplatz wurde modernisiert, und sogar ein neuer Brunnen entstand. Vor zwei Jahren wurden die Arbeiten abgeschlossen. Doch zurzeit, sagt Rico Kasten, Sachgebietsleiter im Liegenschaftsamt Teltow, mache es keinen Sinn, dort einen Markttag einzurichten: „Da findet keiner hin.“ Der Platz, so Kasten, sei einfach nicht belebt.

Der Markt ist frisch bepflastert, Bäume wurden gepflanzt, den neue Brunnen überschattet eine mächtige Eiche. Doch nur die Hälfte der Gebäude ringsherum ist bisher saniert. Wahrscheinlich ist der Platz deshalb menschenleer. Nur am Rand warten zwei alte Frauen an einer Bushaltestelle. Es gibt kein Café und auch kein Restaurant, wo Passanten verweilen könnten. Geschäfte sind ebenfalls rar: Es existiert nur eine Bäckerei gegenüber der Haltestelle. Und 50 Meter weiter der Laden „Nordic Thunder". Davor steht ein junger Mann mit kahl rasiertem Schädel. Er raucht und wirft misstrauische Blicke in die Umgebung.

Immobilienbörse für die Altstadt

Gegen die eher trostlose Stimmung im Stadtkern haben die Politiker bereits Maßnahmen ergriffen. Sie erklärten die Altstadt zum Sanierungsgebiet. Der Ort hat schließlich eine lange Geschichte: Er entstand vor mehr als 750 Jahren. Im Jahr 1232 taucht der Name erstmals in einer Urkunde auf. Schon 1265 erhält die Ansiedlung das Stadtrecht. Nach einem großen Brand im Jahr 1801 musste die Altstadt allerdings fast komplett neu aufgebaut werden. Heute ist das ältestes Gebäude ein 1711 errichtetes Fachwerkhaus. Dort ist heute das Heimatmuseum untergebracht. Der Grundstein für die Andreaskriche neben dem Markt wurde im 12.Jahrhundert gelegt. Auch sie brannte Anfang des 19.Jahrhunderts aus und wurde nach Entwürfen von Friedrich Karl Schinkel wieder aufgebaut und 1812 eingeweiht.

Der von der Stadt ausgewählte Sanierungsträger ist die Firma complan aus Potsdam. Deren Projektleiter Eckhard Hasler möchte die Altstadt als Wohnstandort etablieren. Er baut derzeit eine Immobilienbörse für innerstädtische Objekte auf. Ins Angebot kommen sowohl kommunale Häuser als auch private Gebäude. Wer einen Altbau erwirbt, so wirbt Hasler, könne bei der Sanierung auf prall gefüllte Fördertöpfe zurückgreifen.

Um mehr Besucher auf den Marktplatz zu locken, will die Stadtverwaltung umsiedeln: Bis 2005 werden 80 Mitarbeiter dort einen denkmalgeschützten Gebäudekomplex beziehen. Dort will man auch die Bibliothek, eine Seniorenbetreuung und einen Veranstaltungssaal unterbringen. Dazu soll Platz für einen gastronomischen Betrieb geschaffen werden. Der Wochenmarkt soll spätestens im nächsten Jahr hierher wechseln. Bis 2008, so Hasler, will man die Sanierung der Altstadt abgeschlossen haben.

Ganz so lange soll es mit den Arbeiten im Musikerviertel nicht dauern. Am Rande dieser Teltower Villensiedlung aus den 20er Jahren, deren Straßen nach bekannten Komponisten benannt sind, hat die Deutsche Post Immobilien ein 27 Hektar großes Areal erschlossen und in 330 Grundstücke aufgeteilt. Geplant sind hier Einfamilienhäuser. Für rund 100 habe man bereits Abnehmer gefunden, sagt Manfred von Sanden, der bei der Post-Tochter für das Musikerviertel verantwortlich ist. Die Preise, so von Sanden, orientierten sich am Bodenrichtwert. Der liege hier zwischen 180 und 240 Euro pro Quadratmeter. Die Grundstücke sind mit 400 bis 1600 Quadratmetern relativ groß. Architektonisch scheint hier fast alles erlaubt. Bei den schon fertigen Gebäuden sieht man Sattel- wie Walmdächer, oft mit Gauben. Die Fassaden sind mit Holz oder Klinker verkleidet, die Farbpalette beim Putz reicht von orange bis himmelblau.

Bunte Fassaden oder Farbakzente durch nachträglich angebrachte bunte Balkons sieht man auch bei den Plattenbauten, die das Bild der Stadt an vielen Stellen prägen. Deren Eigentümer, die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Teltow (WGT) und die Teltower Wohnungsbaugenossenschaft (TWG), haben schon 1993 ein umfassendes Sanierungsprogramm begonnen, das inzwischen weitgehend abgeschlossen ist.

Das größte Neubauprojekt in Teltow und eines der größten im gesamten Berliner Umland sollte das Mühlendorf werden. Hier heißen die Straßen Kanada-Allee oder Calgary-Straße. Der ursprüngliche Investor für die Siedlung kam nämlich aus Kanada: Robert J. Campeau wollte mehrere hundert Millionen Euro investieren. Auf einem früher landwirtschaftlich genutztem Gelände an der Ruhlsdorfer Straße sollten 1200 Wohnungen für 3500 Einwohner entstehen. Doch Campeau zog sich zurück. Seit drei Jahren ist die Mühlendorf Grundbesitz&Investitionsgesellschaft mbH&Co. KG für das Projekt zuständig. Im vergangenen Jahr sahen die Pläne den Bau von 850 Wohneinheiten vor. Zur aktuellen Situation im Mühlendorf möchte sich Geschäftsführer Wolfgang Rosentreter zurzeit nicht äußern: „Es gibt nichts Neues zu sagen.“

Um weitere neue Zuzügler anzulocken, hoffen Stadt und Investoren nun auf den S-Bahn-Anschluss. Der soll dieses Jahr in Bau und Ende 2004 in Betrieb gehen. Für die Trasse hat man eine breite Schneise durch Teltow abgeholzt und ausgebaggert. Gearbeitet wird dort zurzeit nicht, auf der grünen Brache sammelt sich stattdessen das Wasser in großen Pfützen.

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