Immobilien : Die Farben des Regenwalds

Schon mit wenig Pflege entwickeln Blattkakteen prächtige Blüten – und mit kleinen Tricks auch sehr viele

Tassilo Wengel

Seit mehr als hundert Jahren sind Blattkakteen geschätzte Zimmerpflanzen, die selbst geringen Pflegeaufwand mit einem erstaunlichen Blütenfeuerwerk belohnen. Bekannt sind sie auch als Phyllokakteen und gelegentlich werden sie als Epiphyllum-Hybriden angeboten. Es handelt sich dabei um Pflanzen, die durch Kreuzungen von rot blühenden Arten der Gattungen Heliocereus und Nopalxochia mit dem weiß blühenden Epiphyllum crenatum sowie der großblütigen Königin der Nacht (Selenicereus grandiflorus) entstanden sind. Auch der elegant herabhängende Schlangenkaktus (Aporocactus flagelliformis) mit seinen großen roten Blüten wurde in die Züchtung einbezogen.

Das Ergebnis sind unzählige Sorten, die in Belgien, Deutschland, England und den USA entstanden sind. Die Farbenpalette reicht von weiß über gelb, rosa, violettrot bis dunkelrot in allen möglichen Nuancen. Neben neuen Sorten mit gestreiften und duftenden Blüten sowie einem Blütendurchmesser bis zu 30 Zentimetern sind auch alt bewährte Züchtungen wie die weiß-gelb blühende „Pfefersdorfii“, die rote „Ackermannii“ oder die rosafarbene „Deutsche Kaiserin“ in den Sortimenten zu finden.

Die usprünglichen Arten der Phyllokakteen leben entweder als Aufsitzer (Epiphyten) in Humusnestern auf Bäumen tropischer Wälder oder klettern vom Boden aus am Stamm empor. Neben gedämpftem Licht erhalten sie vor allem in den immergrünen Regenwäldern reichlich Niederschläge, weshalb die Phyllokakteen allgemein mehr Feuchtigkeit benötigen als Arten, die ihre Heimat in den Trockengebieten haben.

Als Standort in unseren Breiten wählt man ganzjährig einen hellen Platz am Fenster und schützt die Pflanzen mit Ausnahme der Wintermonate vor direkter Mittagssonne. Während der Sommermonate stehen die Blattkakteen am besten im Freien, weil sie dann besonders üppig blühen. Geeignet ist ein im lichten Schatten liegender Platz im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon. Den Winter über sollten die Temperaturen zwischen zehn und 15 Grad Celsius liegen, bei einigen Sorten darf es auch kühler sein. Der Mangel an einem geeigneten Raum für diese Zeit dürfte auch der Grund sein, warum man die Blattkakteen immer seltener in Wohnungen sieht.

Da der Wasserbedarf der Blattkakteen höher ist als bei anderen Kakteen, sorgt man dafür, dass das Substrat feucht, aber nicht nass ist. Nur während der warmen Sommermonate kann reichlich gegossen werden, allerdings darf keine Staunässe auftreten. In den Wintermonaten gießt man wenig. Die Pflanzen sollten Wasser nur dann erhalten, wenn das Substrat trocken geworden ist. Wer sie bei Temperaturen um fünf Grad Celsius überwintert, sollte sie besser völlig trocken halten, damit keine Wurzelschäden auftreten. Schrumpfen die Triebe während der winterlichen Phase leicht, ist das für die Pflanze nicht schädlich.

Ein Esslöffel Superphosphat

Im März erhalten die Phyllokakteen mit steigender Sonne und zunehmender Wärme wieder mehr Wasser und können auch gedüngt werden. Am besten eignet sich ein handelsüblicher Volldünger, von dem bis Ende August wöchentlich eine Gabe verabreicht wird. Um im darauf folgenden Jahr besonders viele Blüten zu erzielen, empfiehlt es sich, Ende August einen Esslöffel Superphosphat in zehn Liter Wasser zu lösen und damit die Pflanze zu gießen. Ist der Topf nach ein bis zwei Jahren zu klein geworden, wird umgepflanzt. Dazu verwendet man Kakteenerde mit einem hohem Torfanteil oder Einheitserde, der etwa ein Drittel Sand beigemischt wird.

Bei dieser Gelegenheit lassen sich die Pflanzen leicht vermehren. Für große Exemplare eignet sich das Teilen. Eine andere Möglichkeit ist die Vermehrung durch Stecklinge. Man schneidet die ausgereiften Triebe vom letzten Jahr mit einem scharfen Messer in Stücke von zehn bis zwanzig Zentimeter Länge und lässt sie einige Stunden liegen, damit die Schnittflächen abtrocknen. Dann steckt man sie in ein Gemisch aus Torfmull und Sand zu gleichen Teilen, gießt an und hält sie bei etwa zwanzig Grad Celsius gleichmäßig feucht. Verjüngen lassen sich Blattkakteen leicht, indem man alte Sprosse herausschneidet. Die Pflanzen bringen dann mehr reich blühende Triebe.

Obwohl der Schlangenkaktus bei der Züchtung von Blattkakteen eine wichtige Rolle spielt, hat er sich auch selbst als dankbare Zimmerpflanze bewährt. In Europa ist dieser Kaktus schon über 300 Jahre bekannt. Sein Ursprungsland ist Mexiko. Dort wächst er auf Felsen und Bäumen. Die Triebe hängen bis zu einem Meter herab oder kriechen auf dem Boden entlang.

Entsprechend dieser Wuchsform verwendet man ihn vor allem als Ampelpflanze. Vom Frühling bis Frühsommer erscheinen an den zweijährigen Trieben die violettroten Blüten, die etwa vier Tage halten. Viel Sonne und ein leichter Schutz vor der prallen Mittagssonne im Sommer sowie reichliche Wassergaben vom Frühjahr bis Herbst sind wichtige Voraussetzungen für einen reichen Blütenansatz. Außerdem verabreicht man in dieser Zeit alle zwei bis drei Wochen einen Kakteendünger. Im Winter steht der Schlangenkaktus am besten bei Temperaturen um zehn Grad Celsius und erhält nur gelegentlich etwas Wasser.

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