Immobilien : Die in den Sümpfen wächst

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DER ROTE PUNKT

Jede Woche gibt der Botanische Garten eine Liste mit besonders sehenswerten Pflanzen heraus, die durch ihre Blüten oder auch Früchte beeindrucken. Sie sind auf dem Gelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Aus Platzgründen können wir nur jeweils ein Gewächs vorstellen. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.bgbm.org .

Freiland. Geheimnisvoll mutet der wissenschaftliche Name der dieswöchigen RotePunkt-Pflanze an: Es ist der „in den Sümpfen lebende Pferdeschwanz“ (Equisetum telmateia). Sein deutscher Name ist da schon sehr viel bodenständiger: Riesen-Schachtelhalm heißt die Pflanze, die derzeit im Botanischen Garten besonders sehenswert ist. Früher wurden die sehr kieselsäurehaltigen Schachtelhalme auch „Zinnkraut“ genannt. Denn sie wurden als Scheuermittel zum Reinigen des Geschirrs genutzt. Dass es diese Pflanze auf so viele Namen bringt ist nicht verwunderlich, denn die blütenlosen Schachtelhalmgewächse gehören mit großer Wahrscheinlichkeit zu den ältesten Gefäßsporenpflanzen der Welt.

Heute existiert jedoch nur noch die Gattung „Equisetum“. Sie ist als Reduktionsform dieser einstmals so reich und überaus vielfältig entwickelten Pflanzengruppe zu betrachten, der auch große baumartige Gestalten, wie die Calamiten des Karbon und Perm angehörten. Von dieser einen rezenten Gattung sind 32 Arten bekannt.

Schachtelhalmgewächse sind in Europa, Vorderasien, Nordafrika und Nordamerika verbreitet. Im tropischen Amerika kommen hochwüchsige immergrüne Arten vor wie etwa das mehrere Meter hohe Equisetum giganteum. Der Riesen-Schachtelhalm nimmt sich dagegen bescheiden aus. Er wird kann zwischen 50 und 150 Zentimeter hoch werden.

Er wächst bevorzugt in Bruch- und Auenwäldern sowie in nährstoffarmen Mooren, Moorwäldern und Gewässern. Im Botanischen Garten ist er in der Nähe des Moores im Bruchwald zu finden.

Schachtelhalme sind keine echten Blütenpflanzen. Sie bilden keine Samen, sondern Sporen aus. Diese reifen in Sporenbehältern (Sporangien) heran, die sich an der Unterseite schildförmiger Träger befinden und in endständigen Sporangiophorständen stehen. In ihrem Aussehen ähneln sie Ähren. Verbreitet werden die Sporen durch den Wind. Die „Blütezeit“ liegt im April und Mai.

Die Stängel des Schachtelhalms sind elfenbeinweiß. Die beiden oberirdischen Sprosse sind verschieden gestaltet: Die früh im Jahr erscheinenden gänzlich chlorophyllfreien, astlosen, fertilen Sprosse sterben nach der Sporenreife ab. Die grünen sterilen Sprosse mit einem Durchmesser von zehn bis zwanzig Millimetern werden später braun. Sie haben unverzweigte grüne Äste, jeweils 20 bis 40 in einem Quirl.

Nur der Acker-Schachtelhalm (Equisetum Arvense) wird auch als Arznei-Droge in Teezubereitungen verwendet. Der Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre) dagegen enthält einen Giftstoff und ein Enzym, das das Vitamin B1 zerstört, so dass es nicht in Teemischungen enthalten sein darf. Vergiftungen beim Menschen sind zwar nicht bekannt, doch die Teezubereitung sollte lieber Fachleuten überlassen werden. Denn durch die Zerstörung des B1-Vitamins wird vermutlich bei Tieren, insbesondere bei Pferden, die so genannte Taumelkrankheit ausgelöst. rok

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