Immobilien : "Die Kriminalität entscheidet über die Lage"

REINHART BÜNGER

Jacques und Lizette Cussen arbeiten im Kapstädter Vorort Bellville als Immobilienmakler für die Agentur "Jaqueline Properties".Sie agiert im Gegensatz zu Branchengrößen wie "Seef", "Aida" "Durr" oder "Pam Golding" im mittel- und niedrigpreisigen Marktsegment.Reinhart Bünger fragte sie nach Tips und Trends am Kap.

TAGESSPIEGEL: In Südafrika gibt der potentielle Käufer ein schriftliches Angebot ab, das zu einem rechtsverbindlichen Vertrag wird, sobald der Verkäufer den vorgeschlagenen Preis akzeptiert und gegenzeichnet.Kennen Sie kein Rücktrittsrecht?

L.CUSSEN: Man kann zwar vom Kauf zurücktreten, dann bleibt aber der Vorschuß auf die Immobilie - etwa zehn Prozent ihres Preises - beim Makler.Allerdings plant unsere Regierung zum Jahresende eine Gesetzesänderung.Es soll zukünftig eine sogenannte "cooling-off"-Klausel geben in den bei Immobiliengeschäften verbindlichen Gesetzen.Wird das geplante Gesetz Wirklichkeit, ist der Rücktritt von allen Immobiliengeschäften, also nicht nur den vermittelten möglich.Dies würde einige wenige Tage nach Abschluß der Verträge möglich sein, und wir dürften das hinterlegte Geld auch nicht mehr einbehalten.

TAGESSPIEGEL: Gibt es eine Haftung der Makler gegenüber Käufern oder Verkäufern, wenn ein Geschäft wegen schlechten Managements nicht zustande kommt? Was ist, wenn sich etwa herausstellt, daß der von der Agentur angesetzte Preis am Markt nicht durchsetzbar ist? Wenn sich dadurch also der Verkauf verzögert oder das Objekt zu billig verkauft wurde?

J.CUSSEN: Auch hier wäre die "cooling-off"-Klausel hilfreich.Durch sie würde nämlich eine Frist geschaffen, in der unsere Leistungen von Käufer und Verkäufer überprüft werden könnten.Bisher werden Vergehen kaum geahndet.Die höchste Strafe, an die ich mich erinnern kann, lag bei umgerechnet 330 DM: Ein Makler hatte seinem Kunden verschwiegen, daß unweit seines neuen Grundstückes eine Hauptstraße gebaut werden sollte.Künftig soll die maximale Geldbuße für Versäumnisse, die uns anzulasten sind, bei etwa 9000 DM liegen.

TAGESSPIEGEL: An welche Institution muß man sich in solchen Fällen richten?

J.CUSSEN: An die Gerichte.Nach dem neuen Gesetz werden Streitfälle vor dem "Estate Agents Board" verhandelt.

TAGESSPIEGEL: Wo liegen derzeit Inflationsrate und Kapitalzinsen?

L.CUSSEN: Die durchschnittliche Inflationsrate dürfte sich im Jahresdurchschnitt 1998 auf sieben Prozent einpendeln.Wer Geld bei der Bank aufnimmt, zahlt seit dem Absturz unserer Währung etwa 23 Prozent Zinsen.Außerdem scheitern viele Transaktionen daran, daß unsere Kunden von den Banken nach Abschluß des Verkaufsgeschäftes plötzlich gar nicht als kreditwürdig eingeschätzt werden.Die durchschnittliche Belastung einer südafrikanischen Familie durch Kreditkosten liegt ohnedies bei siebzig Prozent ihres Einkommens.

TAGESSPIEGEL: Worauf müssen Käufer in Südafrika bei der Besichtigung von Objekten achten?

L.CUSSEN: Das dürfte in Deutschland ähnlich sein.Sie achten darauf, daß das Dach dicht ist, daß Wasser und Elektrizität funktionieren.In Südafrika sollten Sie natürlich auch überprüfen, ob das Haus frei von Insekten ist und ob es in dem Viertel viele Einbrüche gibt, gegeben hat oder geben wird.Hierzulande ist die Lage das Wichtigste - wie in Deutschland auch.Nur hat das bei uns einen anderen Hintergrund, Kriminalität kennzeichnet schlechte Lagen.Außerdem können unsere Wohnlagen ihr Gesicht schnell verändern und sich von einer guten in eine schlechte Lage transformieren.Deshalb muß man ein Augenmerk auf angrenzende Freiflächen haben.Oft kommt es vor, daß hier wilde Siedlungen entstehen und ein bevorzugtes Viertel entwerten.

TAGESSPIEGEL: Was ist der größte Fehler, den Interessenten Ihrer Beobachtung nach immer wieder begehen?

J.CUSSEN: Viele verlieben sich in ein Heim und kaufen es sofort.Das ist so, als wolle man bereits nach dem ersten Rendezvous heiraten.

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