Immobilien : Die Kulissen des Schreckens

Fans aus aller Welt kennen die Immobilie: Das Geburtshaus der Filmfigur Harry Potter steht zum Verkauf.

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Das Objekt aus dem 14. Jahrhundert ist extrem teuer – selbst für Menschen, die große Summen herbeizaubern können. Foto: Promo
Das Objekt aus dem 14. Jahrhundert ist extrem teuer – selbst für Menschen, die große Summen herbeizaubern können. Foto: Promo

Lavenham, Suffolk – dieses Haus hat seinen Zauber: De Vere House ist ein wahrer Schatz mit seinem Anfang im 14. Jahrhundert, feines Ziegelmauer-Fachwerk, alles bestens erhalten. Ein Haus mit Geschichte, aus dem Besitz des 13. Earl of Oxford. Jeder Makler könnte stundenlang die Vorzüge und die historische Bedeutung dieser Immobilie in Lavenham/Suffolk preisen. Von der schrecklichen Zeit der englischen Rosenkriege bis in unsere Tage. Harry-Potter-Fans hingegen spüren einen eigenen Zauber und wissen schon auf den ersten Blick Bescheid – es ist Harrys Haus. Harry Potters Geburtshaus, und jetzt steht es zum Verkauf.

Die Immobilie kommt ins Spiel, als Harry und seine Gefährtin Hermine auf der Suche nach Gryffindors echtem Schwert nach Godric’s Hollow reisen, in Harrys Geburtsort. Im Film „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1“ drehte Regisseur David Yates in Lavenham mit dem De Vere House als Kulisse die traurige Szene, in der Harry Potter auf sein zerstörtes Elternhaus stößt. Das Haus, in dem seine Eltern ermordet wurden und er selbst nur knapp mit dem Leben davonkam. Überhaupt geht dieser Tag für Harry Potter nicht gut aus, nur mit Mühe entgeht er der List einer Schlange. Und am Ende ist durch eine Ungeschicklichkeit Hermines auch noch Harrys Zauberstab perdu.

Im Lavenham von heute ist aber alles bestens. De Vere House ist liebevoll saniert, die Besitzer Anthony und Jane Ranzetta haben sehr viel Geld investiert, wie es sich für ein historisches Anwesen mit „Grade 1“ geziemt. Das ist die höchste Schutzklasse, die es im britischen Denkmalschutz gibt – und die Auflage für die Eigentümer heißt: Erhalten, was irgendwie möglich ist.

Die Ranzettas haben es möglich gemacht. Der alte Earl of Oxford hätte seine Freude dran, wie De Vere House heute dasteht, mit Sitting Room, Dining Room, einer Bibliothek und einem Atelier, einer kleinen Küche fürs Breakfast und der großen Küche für die Dinner. Auf der Etage darüber und unter dem Dach gibt es sechs Schlafzimmer, einige mit eigenem Bad. Der Garten ist mehr als groß und selbstredend „old English“ angelegt, mit einem Teepavillon. Seitlich zum De Vere House gibt es ausreichend Stellplätze für einen hoffentlich angemessenen Fuhrpark. Nach 23 Jahren, verriet Jane Ranzetta der „East Anglian Daily Times of Suffolk“, fühlte sie, die Zeit sei gekommen, das Haus zu verkaufen.

Das Objekt hat seinen Preis, auch für Menschen, die große Summen herbeizaubern können. Nur in britischer Währung bleibt die Kaufsumme noch verschämt sechsstellig mit 950 000 Pfund. Kontinentale Potter-Fans müssen sich auf eine Forderung von 1,2 Millionen Euro einstellen, ohne die üblichen Nebenkosten. Zwei Makler, Real Estate by Fine & Country sowie Duttons Estate Agents bemühen sich um Interessenten von überall, wo man Harry Potter gelesen hat. Das dürfte fast die ganze Welt sein.

Und das hat seine Folgen. Zwar ist De Vere House in Lavenham als Filmkulisse nicht ganz so berühmt wie Alnwick Castle (hier lernt man das Fliegen auf dem Besen) oder das Christ Church College of Oxford (die Große Halle), aber an Harry Potters Geburtshaus ist eine – für Muggel natürlich unsichtbare – Tafel angebracht, auf der Eingeweihte gute Wünsche für Harry Potter eintragen können. Deshalb halten in der nicht gerade sehr breiten Water Street vor dem De Vere House die Touristenbusse. „Und deshalb“, sagte die Besitzerin Jane Ranzetta dem örtlichen Fernsehsender, „wird man fotografiert, wenn man nur den Abfalleimer herausträgt. Gleich 70 Mal.“ Ihr Trost für die künftigen Besitzer: „Man gewöhnt sich daran.“

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