Immobilien : Die Menschen wollen mehr Platz Studie sagt Zunahme der Wohnfläche voraus

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Die Wohnfläche im Westen der Republik von heute durchschnittlich 46 Quadratmetern je Einwohner soll bis ins Jahr 2030 um 20 Prozent steigen – dann wären es 56 Quadratmeter. Sogar eine doppelt so hohe Steigerung sagen die Forscher von empirica für die neuen Ländern voraus, so dass jedem Einwohner im Osten in 25 Jahren fast ähnlich so viel Fläche zur Verfügung steht, wie im Westen. empirica hat die Untersuchung im Auftrag der Landesbausparkassen erstellt.

Als Ursache für diese voraussichtliche Entwicklung nennen die Forscher den Trend zu älteren Haushalten: Nach dem Auszug der Kinder würden viele Eltern ihre großen Wohnungen nicht gegen kleinere Immobilien tauschen – obwohl sie nur einen Teil der Fläche tatsächlich benötigen. Auch die vielen leer stehenden Wohnungen in Berlin, in den neuen Ländern und in strukturschwachen Gebieten der alten Länder gefährden diese Perspektive für den Immobilienmarkt nicht.

Ob diese Prognose allerdings tatsächlich eintritt, hänge „in zunehmendem Maße von steigenden Einkommen der Bevölkerung ab“, schreiben die Forscher. Angesichts der schwierigen Lage am Arbeitsmarkt und dem geringen Wachstum der Wirtschaft erscheint diese Voraussage allerdings ungewiss. Zumal auch die Sanierung der Sozialsysteme zu einer steigenden finanziellen Belastung der Haushalte führen dürfte.

Doch auch ohne steigendes Einkommen sehen die Forscher bis ins Jahr 2010 hinein bereits einen Neubedarf von insgesamt 330000 Wohnungen jährlich. Das sind fast 100000 Einheiten mehr, als derzeit errichtet werden. Die Ursache dafür ist die Verknappung des Angebots durch Abriss oder Umnutzung bestehender Immobilien. In diese Bedarfszahl haben die Forscher nach eigenen Angaben noch nicht die zusätzliche Nachfrage in stark wachsenden Teilen des Landes eingerechnet. In München zum Beispiel, wo die Wirtschaft überdurchschnittlich stark anzieht, besteht schon heute ein Mangel an Wohnraum.

Damit die Voraussage eintritt, ist eine Zuwanderung von 100000 Menschen pro Jahr erforderlich. Prognos zufolge liegt diese Zahl schon an der unteren Grenze der zu erwartenden Entwicklung. So habe das Statistische Bundesamt bei einer anderen Prognose zur Bevölkerungsentwicklung eine doppelt so hohe Zahl von Zuwanderern angesetzt.

Um die Plausibilität ihrer Annahme zu unterstreichen, haben die Forscher auch einen Blick auf andere Länder geworfen. Demnach liegt Deutschland mit einer Wohnfläche von heute 46 Quadratmetern pro Kopf deutlich hinter Dänemark und Luxemburg, deren Bewohner bereits heute über vier Quadratmeter mehr pro Kopf verfügen. Noch großzügiger lebten die Menschen in den USA: Jeder US-Bürger habe bereits vor vier Jahren über 62 Quadratmeter Wohnfläche verfügt.

Bemerkenswert ist, dass auch die Berliner ähnlich wie die Menschen in den anderen neuen Ländern immer größere Wohnungen mieten: Statistisch wuchs in der Hauptstadt die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf um acht Quadratmeter innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Das entspreche einem Anstieg um 28 Prozent. Eine Erklärung haben die Forscher dafür auch. Von der größeren Fläche profitierten vor allem Mieter. Dabei handle es sich in der Regel um Singles und Kinderlose, die Wohnungen von Familien übernehmen, während diese verstärkt ein Haus bauen oder Wohneigentum erwerben – im Umland Berlins zum Beispiel, wie nach dem Fall der Mauer. ball

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