Digitale Hauskoordinaten : Die große Nummer

Es gibt Hausnummern, von denen nur wenige wissen. Ein Streifzug durch die Welt der digitalen Landvermesser.

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Grundstücke müssen nummeriert sein – auch unbebaute. Über die Wohnqualität eines Quartiers sagen diese Kennzeichen indessen wenig aus. Foto: ddp
Grundstücke müssen nummeriert sein – auch unbebaute. Über die Wohnqualität eines Quartiers sagen diese Kennzeichen indessen wenig...Foto: ddp

Man hat ganz pingelig zu sein, wenn es um die Paradeseite eines Wohnhauses geht: In Berlin müssen die „Grundstücksnummern“, wie es nun einmal amtlich heißt, von der Straße oder dem Gehweg aus leicht zu erkennen sein, sich deutlich vom Untergrund abheben. Die Ziffern und Zusatzbuchstaben müssen mindestens zehn Zentimeter groß und aus wetterfestem Material sein. Und seit dem Jahr 2000 müssen Hausnummern auch in den Ost-Bezirken über eine eigene Lichtquelle verfügen – das Herausreden mit der fabelhaften Straßenbeleuchtung zieht nicht, die Laternen können schließlich ausfallen.

Die Berliner Behörden stützen sich auf die Nummerierungsverordnung der Stadt (NrVO). Und das Baugesetzbuch gibt ihnen einiges an Ordnungsstrafen an die Hand, falls sich Widerstand gegen das Verlangen nach öffentlicher Ordnung zeigen sollte. Wenn man aber alles so ernst nähme, da könnten die Kontrolleure das ganze Jahr hindurch „Tickets“ schreiben. Der Berliner behandelt, wie es sich bei einem Bummel durch die Viertel zeigt, seine Hausnummer eben eher individuell.

Verantwortlich für die ordentliche Kennzeichnung sind nicht nur Immobilienbesitzer, sondern in erster Linie die Grundstücksnutzer, also auch Mieter und Erbbauberechtigte. Auch unbebaute Grundstücke müssen nummeriert sein.

Die Begründung leuchtet ein: Feuerwehr, Polizei, Rettungs- und Entstörungsdienste sollen sich im Notfall schnell zurechtfinden. Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben – obwohl schon längst auch hier das digitale Zeitalter begonnen hat: Für jedes Objekt gibt es inzwischen digitale Hauskoordinaten, die von Computern verarbeitet werden können – aber kaum jemand kennt seinen „digitalen Fußabdruck“ auf der Berliner Landkarte. Also, schau’n wir mal.

Der Vortritt gehört dieses Mal Brandenburg, weil Berlins Nachbarn ihr digitales Geoportal ein ganzes Ende hübscher hinbekommen haben. „Die Berliner Karten sind eher etwas für professionelle Nutzer“, erklärt Karolina Piwoni vom GeoService-Center in Potsdam. Brandenburgs Kartenwerke seien halt „laienfreundlicher“ angelegt. Sei’s drum, ein echter Berliner mit seinem Blick fürs große Ganze schafft auch die Profi-Hürde.

Das Geoportal Brandenburg ist seit dem 24. Oktober 2010 online – und noch nicht von vielen Zeitgenossen entdeckt worden. Die sollen sich aber ranmachen. Die Geodatensammlung sei eine Art „Karton“, in dem die verschiedenen Behörden und Landesbetriebe ihre Unterlagen und Daten zur Verfügung stellen, und erschließt natürlich auch das Berliner Gebiet. Die Geodaten können miteinander kombiniert werden – das macht den Reiz aus. Die Benutzer können z. B. Katasterdaten aufrufen oder auch die Pegelstände der Gewässer mit den Karten verbinden. Bei den Straßenbezeichnungen „sitzen auch die Hausnummern an der richtigen Stelle“, freut sich Karolina Piwoni. „Nicht wie bei den anderen.“ Mehr wolle sie nicht dazu sagen. Das können wir übernehmen: Die Hausnummern bei Google Maps hängen oft genug falsch in der Gegend herum. Die Berliner und Brandenburger Geodaten stützen sich auf die offiziellen Hauskoordinaten, das macht den Unterschied.

Ein Highlight sind die Luftaufnahmen – Orthofotos mit einer Auflösung im 20-cm-Raster, demnächst noch schärfer. Gerade in den Außenbezirken und auf dem flachen Land, das von Google Maps stiefmütterlich behandelt wird, sind diese Aufnahmen top. Google war gestern.

Im Berliner „Karton“ der Geodienste sind derzeit fast 500 statistische Karten, die Aussagen zu allen Lebenslagen hergeben – weit mehr, als ein Normalbürger erwartet. Aber für Immobilienkäufer ist es eine feine Sache, die Entscheidung für ein Objekt mit allem Drum und Dran abwägen zu können. Die Daten erlauben Rückschlüsse auf die soziale Lage eines Quartiers, die schulische Situation, Bodenlasten und Klima-Feinheiten. Aber auch praktische Informationen sind zu haben – ob das Wunschobjekt in eine Natur- oder Denkmalschutzzone fällt oder gar unter Parkraumbewirtschaftung steht, also in einer „Knöllchen-Zone“ liegt. Für den Sohnemann wäre wichtig, ob er nach einem möglichen Hauskauf dort genug Spielkameraden finden würde – also die Karte „Anteil der Kinder unter sechs Jahren“ aufrufen.

Um das doch komplexe Geodaten-Angebot nutzen zu können, müssen Interessenten schon einiges von ihrer Wochenend-Freizeit investieren. Computer- Füchse mit solidem Datenhunger werden schnell zurechtkommen. Die Angebote im Internet gleichen grundsätzlich den bekannten Datendiensten – das Kombinieren verschiedener Karten muss man sich erarbeiten. Das Angebot ist, jedenfalls in den nächsten Jahren, für private Zwecke kostenlos. Die Karten können ausgedruckt und auch in private Webseiten eingebunden werden.

Der direkte Weg zu den Berliner Geodaten im Internet heißt: www.stadtentwicklung.berlin.de/geoinformation. Über „Karten, Pläne, Daten – online“ geht es weiter – die Auswahl des Javascript-Modus ist empfehlenswert: Dann steht die digitale Kartenwelt Berlins offen. Für manche Angebote muss man sich kostenfrei registrieren lassen, aus Datenschutzgründen.

Der Einstieg nach Brandenburg geht über www.geoportal.brandenburg.de. Zum Ziel führt die Auswahl „Kartenviewer“. Der Link „Liste der Datenanbieter“ legt die Auswahl der verschiedenen Kartenwerke offen. Auf den Kartenbeschreibungen ist oben rechts die Auswahl „In Karte aufnehmen“ wichtig. Der „Brandenburg-Viewer“, eine vereinfachte Version, sie lässt sich hier aufrufen:

www.geobasis-bb.de/bb-viewer.htm

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