Immobilien : Doppelte Maklergebühr für einen Hauskauf

JÖRG WEBER

Wer sein Traumhaus oder seine Traumwohnung kaufen möchte, muß sich nicht nur mit den bisherigen Eigentümern einigen. Da steht meistens noch jemand dazwischen, der nicht immer beliebt ist: der Makler. Er bringt Verkäufer und Käufer zusammen. Das Honorar beträgt etwa sechs Prozent des Kaufpreises, plus Mehrwertsteuer. Meist zahlt der Käufer die Provision, manchmal teilt er sie sich mit dem Verkäufer. Verhandlungssache.

Die Provision beträgt bei einem Preis von 800 000 DM für ein Einfamilienhaus 48 000 DM, plus 16 Prozent Mehrwertsteuer (7680 DM): 55 680 DM. Da lohnt es sich zu feilschen. Denn die Prozentsätze sind nur Richtwerte und nicht gesetzlich festgelegt. Einigt man sich, dann sollte man den geringeren Prozentsatz unbedingt vom Makler schriftlich bestätigen lassen - sonst gelten dessen Allgemeine Geschäftsbedingungen: zumeist sechs Prozent.

Die Dienste des Maklers sind teuer, die Gegenleistung unterschiedlich. Muß der Makler Lagebeschreibung, Baupläne, Zustandsbericht, Fotos und Grundbuchauszüge bereithalten? Viele bieten diesen Service. Eine Pflicht besteht nicht. Manfred Heiß, Geschäftsführer des nordrhein-westfälischen Landesverbands vom "Ring Deutscher Makler" in Köln, erklärt dazu: "Das steht ja nicht irgendwo als Gesetz geschrieben." Noch mißlicher für die Kunden: Die Angaben in den Exposés können falsch sein. Der Makler darf weitergeben, was der Verkäufer ihm mitteilt. Irrte dieser, haftet der Makler nicht. So wollen es die Gerichte.

Deshalb rät auch Gabriele Heinrich, Bauexpertin bei der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) in Bonn: "Kaufinteressenten sollten sich nicht nur auf Maklerangaben verlassen, sondern Wohnflächen selbst nachmessen!" Auch sei der Rat erfahrener Bauingenieure oder Architekten nützlich, "bei der Prüfung des Instandsetzungsbedarfs", so Heinrich. Auch Suchaufträge an Makler haben Tücken. "Wer im Vorfeld einen Makler beauftragt, ein Haus zu suchen, muß eventuell zweimal Courtage zahlen", warnt Heinrich: Einmal an den, der mit der Suche beauftragt war, und auch an den, der das ausgewählte Haus vermakelt.

Wer ein interessantes Objekt in der Zeitung gefunden hat und den Makler anruft, sollte vorsichtig sein: Die Pflicht zur Zahlung einer Provision entsteht nicht erst, wenn man einen Maklervertrag unterschreibt. Sondern allein dadurch, daß der Makler die Adresse des Hauses faxt. Kannte der Interessent die Traumvilla schon vorher, etwa durch das Exposé eines anderen Vermittlers, sollte er das dem Makler sofort per Einschreiben mit Rückschein mitteilen. Ansonsten sind wieder zwei Makler zu entlohnen!

Die Rechtsprechung ist eher maklerfreundlich. Das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs hat das bestätigt. Ein Wohnungseigentümer wollte eine Eigentumswohnung für 420 000 DM verkaufen. Der Kunde besichtigte auf die Anzeige einer Maklerin hin die Wohnung. Dann nahm er Abstand, weil kein Dachgeschoßausbau möglich war. Vier Monate später inserierte der Wohnungseigentümer selbst: für 395 000 DM. Der Kunde kaufte. Die Maklerin verlangte ihr Geld, und der BGH gab ihr Recht: Sie habe eine "wesentliche Maklerleistung" erbracht, die einen Provisionsanspruch begründe, so das Urteil (III ZR 191/98).

Manchmal wollen die Makler auch eine "Reservierungsgebühr" kassieren. Sie schlagen dem Käufer den Abschluß eines Vorvertrages vor. Der sieht vor, daß der Kunde 10 000 DM bezahlt, damit das Objekt für ihn reserviert ist. Kauft er das Haus, werden die 10 000 DM auf das Maklerhonorar angerechnet. Kauft er nicht, bleibt das Geld beim Makler: 10 000 DM sind weg. Derartige Reservierungsverträge sind in der Regel nicht empfehlenswert. Die ansonsten recht maklerfreundliche Rechtsprechung hat hier einmal zugunsten der Hauskäufer entschieden: Solch ein Vertrag ist nur dann gültig, wenn er notariell beurkundet wird. Zahlen muß man dem Makler also nur, wenn ein Notar Brief und Siegel unter eine solche Vereinbarung gesetzt hat. Und das dürfte eher selten der Fall sein.

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