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Die Arten der Gattung Lobivia blühen nur nach einer strengen Winterruhe

Tassilo Wengel

Zu den beliebtesten und am häufigsten kultivierten Kakteen, gehören die Lobivien (Lobivia) da sie bereits im Jugendstadium bei richtiger Pflege jedes Jahr blühen. Sie sind eng mit den Seeigelkakteen (Echinopsis) verwandt, die wegen ihrer langen weißen oder rosa Trichterblüten geschätzt werden. Allerdings blühen die auch als „Bauernkakteen“ bekannten Pflanzen erst im Alter besonders reich.

Die Heimat der rund 100 Arten umfassenden Gattung Lobivia liegt in Bolivien, wo die meisten von ihnen vor allem in den Hochlagen der Anden mit viel Sonne und teilweise niedrigen Temperaturen wachsen. Auf die Herkunft bezieht sich auch der Gattungsname, der ein Anagramm des Namens Bolivia ist.

Lobivien sind mittelgroße und kleine Pflanzen mit gegliederten, oft stark gehöckerten Rippen. Die Blüten sind mehr oder weniger trichterförmig, öffnen sich am Tag in herrlichen gelben oder roten Farben mit Übergängen zu vielen anderen Farbtönen. Weiße Blüten kommen nur selten vor. Die Hauptblütezeit ist von Juni bis August. Der sichtbare Teil der Pflanze zeigt eine kräftige, teilweise auch borstenartige Bewehrung, die aus Dornen besteht und die oft fälschlicherweise als Stacheln bezeichnet werden. Doch beide Begriffe haben nur eines gemeinsam: Sie sind Auswüchse der oberen Rindenschichten. Dornen, wie beispielsweise bei Kakteen oder Stachelbeeren, sind im Gegensatz zu Stacheln (Rosen) fest mit dem Trieb verwachsen. Dornen lassen sich außerdem nur sehr schwer entfernen.

Zu den besonders empfehlenswerten Arten gehört Lobivia chrysantha, die auch als „goldblütige Lobivie“ bezeichnet wird. Man erkennt sie an der breitkugeligen Form und den fehlenden Mitteldornen. Der Körper besteht aus 13 Rippen, ist matt graugrün und hat feine Punkte. Die Areolen (Ursprungspunkt der Dornenbüschel) tragen fünf bis sieben schwarze, am Grund rötliche, später vergrauende Randdornen. In der Nähe der Scheitel erscheinen die etwa fünf Zentimeter langen goldgelben Blüten.

Beliebt wegen der relativ großen und bunten Blüten ist Lobivia densispina. Gut erkennbar ist sie an ihrer dichten Anhäufung von Dornen. Durch das dichte Kleid aus dünnen, meist silbergrauen sowie einigen braunen Dornen erkennt man den glänzend dunkelgrünen Körper mit seinen 17 Rippen allerdings kaum. Im Sommer erscheinen regelmäßig die großen, 8,5 Zentimeter langen seidig glänzenden Blüten mehrmals nacheinander. Sie sind gelb, haben einen grünen Schlund und gelbe Staubfäden.

Zuverlässig als junge Pflanze bereits reich blühend ist Lobivia hertrichiana, eine kleinwüchsige Art. Sie hat elf bis 16 Rippen, die oberhalb der weißfilzigen Areolen gekerbt sind. Pro Areole bildet die Art sieben gelbe Randdornen und einen längeren Mitteldorn. Die Blüten sind feuerrot, öffnen sich breit und erscheinen in kurzer Folge hintereinander.

Eine mehrköpfige Pflanze ist die Lobivia famatimensis. Sie hat 18 bis 24 Rippen, die durch Querfalten in flache Höcker getrennt sind. Die Dornen sind sehr kurz, weißlich und am Grund bräunlich. Als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Arten gilt die rötlich überlaufende Färbung des an sich stumpf-grünen Pflanzenkörpers. Die großen trichterförmigen, glockigen Blüten sind dottergelb mit grünem Schlund und haben rote Hüllblätter. Von dieser Art gibt es mehrere Varietäten, die eine breite Farbenpalette bieten. Sehr selten ist Lobivia famatimensis var. albiflora mit elfenbeinfarbenen Blüten, die von einem grünen Schlund geziert werden.

Eine der schönsten Kakteenblüten bringt Lobivia jajoiana hervor: Sie leuchten in Rot oder Gelb, haben einen schwarzen Schlund und erreichen einen Durchmesser bis zu sechs Zentimetern. Die in drei Kreisen angeordneten Staubfäden erhöhen noch die Attraktivität. Auch diese Art wächst kugelig und erreicht einen Durchmesser von sechs bis acht Zentimetern. Der Pflanzenkörper ist oft fast dunkelviolett und besteht aus 12 bis 15 scharfen Rippen. Diese sind durch schräge Querfurchen über den graufilzigen Areolen unterbrochen, auf denen neun bis elf kurze schwarzbraune Randdornen sowie ein bis drei längere Mitteldornen sitzen.

Die erste Art der Gattung überhaupt war Lobivia pentlandii, die 1844 beschrieben und unter dem Namen Echinocactus pentlandii geführt wurde. Sie ist inzwischen in vielen Varietäten verbreitet. Es handelt sich um eine kugelige, später etwas zylindrisch wachsende Pflanze mit zwölf bis 15 Rippen. Sie sind durch Querfurchen in Höcker geteilt. Die Blüten sind fliederfarben, auch karminrot oder orange.

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