EDV-Systeme zur Energieabrechnung : Vergleichen leicht gemacht

Spezielle EDV-Systeme vereinfachen das Ablesen des Energieverbrauchs. Bei Neubau und energetischer Sanierung hält sich der Aufwand für die Technik in Grenzen.

Günter Kohlbecker
Wie war das noch gestern? Wer die Entwicklung von Energieverbrauch und -kosten im Blick haben will, muss viel Aufwand betreiben. Neue Systeme versprechen Abhilfe.
Wie war das noch gestern? Wer die Entwicklung von Energieverbrauch und -kosten im Blick haben will, muss viel Aufwand betreiben....Foto: imago

Die Preise für Energie werden langfristig steigen – und Mieter und Eigentümer stellen sich immer häufiger die Frage, wie sie ihren Verbrauch kontrollieren und sinnvoll steuern können. Im Auto ist man es gewohnt, den Inhalt des Tanks ebenso angezeigt zu bekommen wie die Strecke, die man damit noch zurücklegen kann. Auch die Fahrweise – wirtschaftlich oder sportlich – wird von modernen Bordcomputern signalisiert. Ein großer Teil der „Betriebskosten“ ist damit ablesbar und zu beeinflussen. Beim Energieverbrauch in den eigenen vier Wänden ist das komplizierter. Nun sollen spezielle EDV-Systeme helfen, die Kosten für Strom und Heizung besser im Blick zu haben.

In der Wohnung weist normalerweise ein Stromzähler mit einem sich drehenden Rad auf den Verbrauch hin. Die Ziffern des Zählwerks listen die Kilowattstunden seit Inbetriebnahme auf. Den aktuellen Stand erhält man aber nur, wenn der letzte Zählerstand gewissenhaft notiert wurde und man nun die Differenz bildet. Will man die Kosten wissen, so ist diese mit dem Einheitspreis zu multiplizieren – immer vorausgesetzt, dieser hat sich in der Zwischenzeit nicht geändert.

Der Verbrauch des warmen Wassers wird mit einer Wasseruhr gemessen. Beim Öffnen des Hahns beginnt ein rotes Dreieck zu rotieren, die Drehbewegung spiegelt die ausströmende Menge wieder. Das Zählwerk gibt den gesamten Verbrauch ohne weitere Differenzierung an. Einen Vergleich zum Vorjahr bekommt man ebenfalls nur, wenn die Daten notiert wurden. Ein direkter Rückschluss zu den Kosten ist nicht möglich. Sie werden über einen Verteilungsschlüssel mit den Kosten der Heizung – die ohnehin den Hauptanteil ausmachen – abgerechnet.

Will man wissen, ob am Ende des Abrechnungszeitraums eine Nachzahlung droht oder eine Rückzahlung erfolgt, muss man sich auf die Richtigkeit der bezahlten Abschläge verlassen. Diese bauen im Wesentlichen auf zwei Parametern auf: dem Verbrauch des Vorjahres (hier muss der Einzelne abwägen, ob und wie sich sein Wohnverhalten geändert hat) und den Preisen für den Strom sowie den Brennstoff der Heizung, etwa Gas, Öl, Fernwärme oder Pellets.

Die Kosten auf einen Blick

All dies ist zeitraubend und mit vielen Unsicherheiten behaftet. Den Vorteil der elektronischen Datenverarbeitung zu nutzen, bietet sich daher an. Der Verbrauch des Brennstoffs für Heizung und Warmwasser wird von einer Firma für Messtechnik ständig per EDV erfasst und zum Ende des Jahres über die Hausverwaltung mit den Mietern abgerechnet. Marktgängige Systeme, die unter anderem von den Unternehmen Techem, Brunata und Minol angeboten werden, ermöglichen jederzeit ein Ablesen des Energieverbrauchs.

Ein naheliegender Gedanke ist es, dass die Hausverwaltung den aktuellen Marktpreis mit den verbrauchten Energieeinheiten verknüpft. Der den Mietern durch die Medien bekannte Preis erhält dabei noch einen Zuschlag. Erfasst werden damit die anteiligen Kosten für die Wärmeverluste, die beim Übertragen von der Heizzentrale in die Wohnungen entstehen, ebenso wie die Kosten der Wartung und des Stroms, den die Heizung zum Betrieb benötigt. So lässt sich der Energieverbrauch in Euro anzeigen.

Der Stromverbrauch wird vom Elektroversorgungsunternehmen (EVU) mittels Datenverarbeitung individuell je Wohneinheit erfasst. Ein Zählwerk zeigt die bereits verbrauchte Strommenge an, bei neueren Geräten auch den momentanen Verbrauch. Das EVU legt auch den Preis je Kilowattstunde fest und verändert ihn je nach Wirtschaftslage. Über die EDV ist es dann eine Kleinigkeit, den Verbrauch in Euro darzustellen.

Werden beide Zählwerke auf einem Display verbunden, sieht der Mieter mit einem Blick die bis dahin aufgelaufenen Kosten für Heizung und Strom. Der Verbrauch des vergangenen Jahres ist in der EDV der beiden Unternehmen gespeichert, so dass er problemlos mit dargestellt werden kann. Damit lässt sich zum einen eine einigermaßen sichere Aussage über die zu erwartenden Kosten von Heizung und Strom treffen. Zum anderen kann man anhand der Vorjahreszahlen prüfen, ob die langfristigen Schwankungen der Kosten durch steigende Preise oder geändertes Wohnverhalten hervorgerufen wurden. Das lässt sich entsprechend ändern.

Mieter und Verwalter können schnell reagieren

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass man kurzfristige Änderungen des Geräteeinsatzes unmittelbar kontrollieren kann. So lassen sich zum Beispiel die Aussagen der Werbung über den Stromverbrauch von Großgeräten wie Fernseher, Waschmaschine oder Kühlschrank schnell überprüfen.

Wichtig zu wissen: Die auf dem Display angezeigten Beträge von Heizung und Strom geben einen erheblichen Teil der Betriebskosten einer Wohnung wieder. Die restlichen Nebenkosten sind nicht den großen Schwankungen des Energiemarkts unterworfen und bleiben annähernd gleich. Ähnlich wie die Funktionen von bestimmten Geräten des Alltags über eine App gesteuert werden, so könnte man auch jederzeit die aufgelaufenen Kosten aus der Ferne kontrollieren und bei Auffälligkeiten zeitnah gegensteuern.

Beim Neubau und einer energetischen Sanierung, die auch die Wärmeversorgung umfasst, wird der Mehraufwand für all das kaum ins Gewicht fallen, denn eine Abrechnung der Heizkosten durch eine eigene Firma ist Standard. Der Architekt, der für die Planung verantwortlich ist, wird zusammen mit den Fachingenieuren die Leistung planen und die Schnittstelle der gekoppelten Heizung mit Stromablesung im Leistungsverzeichnis beschreiben.

Bei der Hausverwaltung steigt der Aufwand etwas an, da der Preis des Brennstoffs in der EDV bei Änderungen zu aktualisieren ist; beim Stromversorger erfolgt dies automatisch. Die Verwaltung hat dafür den Vorteil, dass bei einem Abgleich zwischen den gezahlten Raten der Mieter und den tatsächlich anfallenden Beträgen früh reagiert werden kann.

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