Immobilien : Ein bisschen Kitsch darf sein

Weihnachtliches Porzellan, ob verspielt, rustikal oder schlicht, gehört von alters her zum Fest

Marion Hartig

Man fühlt sich in die Märchenwelt von Charles Dickens versetzt: ein kleines, winterliches Dorf. Vor der Kirche steht ein leuchtender Tannenbaum. In lange Mäntel gehüllte Kinder bauen einen Schneemann. Der Postbote verteilt Weihnachtspäckchen, ein Liebespaar spaziert des Weges. Hinter den Fenstern der Häuser flackert Kerzenlicht. Idylle pur in der Welt aus Porzellan, die zu Weihnachten auf kitschig-schöne Weise den Raum schmückt.

„Kitsch gehört zu Weihnachten dazu“, sagt Katrin van de Loo vom Europäischen Verband Lifestyle. Das Fest der Liebe steht für Sinnenfreude, Pracht und Grandezza. Das spiegelt sich auch in der üppigen, farbenfrohen und glänzenden Gestaltung des Festes, der Dekoration von Tafel und Baum wider. Das Weihnachtsporzellan übernimmt in diesem Ensemble eine entsprechende Rolle.

Ob Kugeln, Glocken, Service, Figuren oder Kerzenleuchter: Das „weiße Gold“ präsentiert sich in dieser Zeit traditionell mit weihnachtlichen Motiven, Sternen, Engeln, Stechpalmen oder Tannen. Es ist oft sehr verschnörkelt, zuweilen auch nostalgisch – wie einst zu Großmutters Zeiten. Doch seit eh und je veredelt es, mit Gold verziert, und immer stilvoll das Fest.

Doch daneben findet man heute, angelehnt an die allgemeinen Trends der Wohnkultur, auch eine moderne Variante des Weihnachtsporzellans. Auch sie wirkt edel, aber doch sehr viel schlichter als die in der Vitrine aufbewahrten teilweise kostbaren Erbstücke. Die Muster sind weniger üppig, vereinzelt verzieren Sterne, Engel oder Tannen das feine Material. Auch für die Form gilt Reduktion auf das Wesentliche. Teller, Tassen und Glocken tragen einfachen Schick. Doch damit nicht genug des Wandels.

„Das im Trend liegende Weihnachtsporzellan ist wie die Wintermode von den 1980er Jahren geprägt“, sagt Lifestyle-Expertin van de Loo. Schwarz, Weiß und Gold sind die Farben der Saison. Glitzernde Details veredeln das Porzellan, die Tasse, das Windlicht oder die Kugel. Nur zu viel davon darf es nicht sein. „Dezenter Prunk ist angesagt“, sagt van de Loo. Zudem bahnt sich das Poppige seinen Weg auf die Weihnachtstische. Leuchter und Service-Dekors in Rosa, Hellgrün oder auch Gestreift konkurrieren mit dem Althergebrachten.

Traditionelle Manufakturen wie die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin, „Meissener Porzellan“ oder Rosenthal haben einen zeitlosen Mittelweg gefunden. Sie verbinden Traditionelles und Zeitgenössisches auf unverschnörkelt stilvolle Weise. Schlicht geformte, feine Services, Kugeln, Glocken, Figuren und Teller sind dezent mit typischen Weihnachtsmotiven im farblichen Dreiklang von Rot, Grün und Gold, der für Liebe, Hoffnung und Leben steht, dekoriert.

Die immergrüne Stechpalme mit den roten, kugelförmigen Früchten rankt zum Beispiel über „Meissener Porzellan“, über kunstvoll geformte Vasen, Leuchter und Schalen. Die Meißener Weihnachtskugeln und -glocken sind mit Zwiebelmuster, Weinkranz oder Rosen bemalt. Verspielt kitschig dagegen kommt das filigrane Engelsorchester daher, das aus goldgelockten Flügelwesen mit Instrumenten wie Saxofon, Klarinette und Gitarre besteht.

Die Königliche Porzellanmanufaktur wiederum präsentiert zarte Kelchglocken, dezent verziert mit der Blüte des Weihnachtssterns oder Stechpalmenblättern in Gold. Ganz ohne weihnachtliche Dekoration kommt eine schlichtweiße Schale mit breitem Rand aus, die auf effektvolle Weise betont, was in ihr präsentiert wird. Der traditionelle Weihnachtsteller der Berliner Manufaktur ist mit königsblauer Kugel und Waldkiefer verziert.

Edel wirken auch die Weihnachtstassen und -teller von Rosenthal, die der inzwischen verstorbene Däne Björn Wiinblad gestaltete. Der Designer hat auf dem Porzellan Weihnachtslieder wie „Es ist ein Ros’ entsprungen“ und „Süßer die Glocken“ illustriert. Auch hier stößt man auf märchenhaft schönen Kitsch. Dick vermummte Figuren mit rundlichen Gesichtern treiben durch die farbenreiche Weihnachtslandschaft auf dunkelblauem Grund. Gold verzierte Henkel und Ränder geben den schlicht elegant geformten Tassen eine feine Note.

Rustikal erscheint dagegen die Weihnachtskollektion von Villeroy & Boch und Hutschenreuther, zu der auch das Porzellandorf mit der Kirche, dem Postboten und dem Liebespaar zählt. Das Design ist geprägt von nostalgischen Farben, Motiven und Formen. Da gibt es weiße Weihnachtskugeln mit spielenden Kindern, Schlitten und Geschenkebergen darauf oder weiße Porzellansterne mit eingefassten, bunten Engelbildern von Hutschenreuther. Villeroy & Boch hat rundbauchige Tassen oder herzförmige Weihnachtsteller im Sortiment, auf denen pausbackige Kinder Schlitten fahren und Tannenbäume leuchten. Die Lebkuchenfiguren nachempfundenen „Gingermen“ aus Porzellan stellen Pilze, Eulen, Schneemänner und Schlittschuh fahrende Kinder dar.

Modern allerdings ist etwas anderes. Bei ASA-Selection zum Beispiel findet man weißes Geschirr mit schwarzen, runden Sternen darauf. Die passenden Leuchter in Schwarz oder Weiß erinnern an fingerdicke, verzweigte Äste. Auf einem rot glänzenden Service verteilen sich rote Bratäpfel und goldene Sterne. Verspielt schlicht scheint dagegen das weiße Service mit den hellgrünen, länglichen Figuren, Königen, Engeln und Elchen. Im Trend liegen auch die eckigen Porzellanschalen oder Weihnachtskugeln mit Fotodruck, die Nüsse, Engel und Äpfel abbilden.

Auch Leonardo hat die mit Fotodruck verzierten Schalen im Sortiment. Nur sind sie hier noch knalliger, in kunterbunt, leuchtendem Blau oder Schwarzgold, zu haben. Die Leonardo-Weihnachtsmänner aus Porzellan wirken dagegen sehr einfach. Sie haben nur noch den roten Mantel und den Bart mit den traditionellen, dickbäuchigen Weihnachtsmännern gemeinsam. Der moderne Geschenkeüberbringer ist meist schlank und groß.

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