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Der dekorative Granatapfelbaum gedeiht als Kübelpflanze auch in kühleren Regionen

Tassilo Wengel

Eine uralte Kulturpflanze ist der Granatapfelbaum. Seine ursprüngliche Herkunft lässt sich nicht einwandfrei klären. Vermutlich stammt er aus Vorderasien, wird aber seit Jahrtausenden im Mittelmeerraum als Zier- und Nutzpflanze kultiviert und gehört zu den typischen Pflanzen dieser Region. Stets hatte die Frucht wegen ihres Samenreichtums in allen Anbaugebieten, vom Orient bis nach China, auch eine kultische oder mythische Bedeutung. Bereits um 2500 vor Christus wurde sie auf ägyptischen Grabgemälden verewigt, heute ist sie auf dem Wappen von Granada zu finden.

Der botanische Name punicus granatum leitet sich vom ehemaligen Punien (heute Tunesien) ab. Der Artname bezieht sich auf die zahlreichen Samen der Frucht (granatus = mit Körnern). Die Gattung Punica bildet allein die Familie der Granatapfelgewächse (Punicaceae) und ist nur mit zwei Arten vertreten: Punica granatum und Punica protopunica, die für die Kultivierung keine Bedeutung hat.

In Deutschland zählt der Granatapfel mit zu den attraktiven, nicht winterharten Kübelpflanzen. Er wächst vorwiegend strauchförmig, selten baumartig. Die Art kann bis sechs Meter Höhe erreichen. An den dünnen, stielrunden Zweigen sind die glänzenden sommergrünen, ganzrandigen Blätter gegenständig bis wechselständig angeordnet. Besonders attraktiv sind die trichterförmigen granatroten Blüten, die einzeln, zu zweit oder zu dritt an den Spitzen junger Seitentriebe erscheinen. Seiner Herkunft entsprechend liebt das Gehölz ganztägig volle Sonne, kann aber notfalls auch im Halbschatten kultiviert werden. Allerdings leidet dann die Blühwilligkeit.

Die als Granatapfel bekannte Frucht, die im Herbst allerdings nur bei vorheriger ausreichender Wärme erscheint, ist kugelig und hat eine dicke, lederartige Schale. Im Inneren enthält sie zahlreiche, von einer Hülle umgebene Samen und wohl schmeckendes, süß-säuerliches, vitaminreiches Fruchtfleisch. Man kann es frisch auslöffeln, zu Saft verarbeiten oder daraus ein Dessert herstellen.

Als Kübelpflanze sind Zierformen empfehlenswert, die fast die gesamte Vegetationszeit über blühen. Die Früchte sind allerdings klein oder entfallen ganz bei Sorten mit gefüllten Blüten. Angeboten werden Züchtungen mit Blüten in unterschiedlichen Rottönen, einige sind cremefarbig oder auch weiß. Sie sind einfach oder gefüllt. Je nach Sorte werden die Pflanzen zwischen 1,50 und drei Meter hoch. Sie können auch als Hängepflanze, Pyramide, Trauer- oder Hochstämmchen gezogen werden.

Eine Miniausgabe ist die Zwergform ,Nana‘ (orangerot, gefüllt), eine reich blühende Pflanze mit kleinen Blättern, Blüten und Früchten. Diese Zwergform, die sich für kleine Balkone und Terrassen eignet, wächst sehr buschig und blüht bereits als Kleinpflanze reich. Sie wächst langsam und wird im Laufe der Jahre nur ein bis eineinhalb Meter hoch.

Die Überwinterung des Granatapfelbaums dürfte kein Problem sein. Da die Pflanze in dieser Phase das Laub abwirft, kann sie bei Temperaturen um fünf Grad Celsius sowohl in einem hellen als auch in einem dunklen luftigen Raum überwintern. Um Pilzinfektionen zu vermeiden, sollte man die Blätter nach dem Laubfall gleich entsorgen. Im blattlosen Zustand wird sie selten gegossen. Allerdings darf der Wurzelballen nicht vollkommen austrocknen.

Im März oder April erhält die Pflanze wieder mehr Wärme, Licht und Wasser. Etwa alle zwei bis drei Jahre empfiehlt sich kurz nach Triebbeginn das Verpflanzen. Dazu verwendet man mit etwas Sand angereicherte lehmige Humuserde. Empfehlenswerte Mischungen sind Palmen- oder Kübelpflanzenerde, wenn sie nicht weniger als 20 Prozent Ton oder Lehm enthalten. Sobald keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind, stellt man den Granatapfel ins Freie. Anfangs empfiehlt sich zum Abhärten ein lichtschattiger Standort unter Bäumen oder Sträuchern. Später erhält die Pflanze einen sehr sonnigen Platz auf der Terrasse oder dem Balkon.

Etwas Fingerspitzengefühl braucht man beim Gießen. Denn der Granatapfel reagiert auf zu viel Wasser genauso empfindlich wie auf Trockenheit, und zwar mit dem Abwerfen der Blätter. Bei optimalen Bedingungen zeigt er seine wunderschönen Blüten von Mai bis September. Schränkt man bereits im Herbst das Gießen ein, kann die Pflanze ohne Blätter eingeräumt werden.

Die Vermehrung des Granatapfels kann im Mai durch leicht verholzte Stecklinge erfolgen. Man nimmt dazu noch vor dem Neuaustrieb etwa zehn Zentimeter lange blattlose Zweigabschnitte und steckt sie in feuchte Anzuchterde. Bei Temperaturen um 20 Grad Celsius bilden sich nach wenigen Wochen Wurzeln. Nach dem Erscheinen der ersten Blätter werden die Stecklinge in kleine Töpfe umgepflanzt.

Nicht ganz so einfach, aber dennoch erfolgreich ist die Vermehrung durch Samen. Das geschieht am besten im März oder April. Man kauft einen möglichst reifen Granatapfel, den man daran erkennt, dass er rötliche Stellen besitzt. Die Frucht wird halbiert. Die Samen stecken in den hell bis dunkelroten Körnern, die von einer Hülle umgeben sind. Sie muss man vorsichtig entfernen, um an die winzigen Samen zu kommen. Zur Anzucht eignen sich kleine Töpfe oder Saatschalen. Pro Topf sollte nur ein Samenkorn in etwa 0,5 Zentimeter Tiefe in ein lockeres, nährstoffarmes Substrat gesetzt werden. Anschließend wird durchdringend mit lauwarmem Wasser gegossen. Dann kommt das Pflanzgefäß an einen warmen Platz. Die Erde wird während der Keimung feucht aber nicht nass gehalten. Am geeignesten dafür ist ein Sprühgerät. Sobald der Samen gekeimt hat, benötigt die Jungpflanze viel Licht. Am wohlsten fühlen sich die Sämlinge im Freien an einem geschützten, warmen Ort im Halbschatten und später in der prallen Sonne. Umgetopft wird erst, wenn sich Laubblätter entwickelt haben und das Pflanzgefäß gut durchwurzelt ist. Mit dem Düngen sollte man nach etwa zwei Monaten beginnen, denn die Sämlinge versorgen sich selbst aus dem Samenkorn. Erst vom zweiten Jahr an erhält die Jungpflanze wöchentlich etwas Dünger.

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