Immobilien : Ein vielseitiges Gehölz

Bei entsprechender Arten- oder Sortenwahl ist der Holunder Zierde und Fruchtspender zugleich

Tassilo Wengel

Kaum ein Gehölz ist so bekannt wie der Holunder (Sambucus). Diese alte Kulturpflanze durfte in früheren Bauerngärten nicht fehlen. Einige Arten und Sorten eignen sich für heutige Gärten – sei es als Ziergehölz oder als Fruchtspender.

Der deutsche Name leitet sich von Holluntar ab, dem „Baum der Holla“. Die Holla oder besser bekannt als Frau Holle galt als Hüterin des Hauses und schützte es vor Unbilden verschiedenster Art. Es ist daher kein Zufall, dass man in der Nähe von Stallungen oder bäuerlichen Wohnhäusern uralte Holunderbüsche findet. Keiner wagte es, diese zu fällen.

Der Aberglaube ist Vergangenheit, geblieben ist der Holunder als Kultur- und Heilpflanze. Besonders gern verwendet werden die Früchte vom Schwarzen Holunder. Verarbeitet werden sie seit langem zu Gelee, Suppen, Punsch, Saft, Wein und Likör. Getrocknete Blüten enthalten ätherische Öle und ergeben bei richtiger Dosierung einen gesundheitsfördernden Tee (zwei Teelöffel Blüten auf einen Viertel Liter Wasser). Frische Blüten können auch in Teig eingebacken werden.

Doch für alle Holunder-Arten gilt: Die verwendbaren Teile dürfen nicht roh gegessen werden, denn sie enthalten giftige Stoffe, die erst durch das Erhitzen zerstört werden.

Der Holunder gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliacaeae) und ist mit 25 Arten vor allem in Europa, Amerika und Asien verbreitet. Es handelt sich bei dieser Gattung vorwiegend um sommergrüne Sträucher oder kleine Bäume.

Die größte Bedeutung hat der einheimische Schwarze Holunder (Sambucus nigra), der als Strauch eine Höhe von fünf bis sieben Metern erreicht. Seine Triebe sind mit zahlreichen Korkwarzen bedeckt und bilden eine breit ausladende Krone. Oft schon Ende Februar oder Anfang März entfaltet er die bis dreißig Zentimeter langen Blätter, die aus fünf eiförmigen oder elliptischen dunkelgrünen Blättchen bestehen. Im Juni und Juli erscheinen die kleinen gelblichweißen, duftenden Blüten in Trugdolden von zehn bis fünfzehn Zentimetern Durchmesser, aus denen sich von August bis September die fast schwarzen, glänzenden Früchte bilden.

Neben der Art findet man vor allem unter den zahlreichen Sorten eine schöne Auswahl mit pyramidenförmigen bis überhängenden Wuchsformen, rundlichen bis geschlitzten roten oder gelb panaschierten Blättern sowie schwarzen, gelben oder grünlichweißen Früchten.

Wer Holunder vorwiegend zur Fruchtgewinnung anpflanzen möchte, kann zwischen mehreren Züchtungen wählen. Hier empfiehlt sich die verbreitete Sorte ,Haschberg‘. Sie wächst aufrecht und trägt reichlich Früchte mit hohem Farbstoffgehalt. Durch gutes Aroma zeichnen sich die Sorten ,Korsor‘ und ,Sampo‘ aus. Da sich die Reife der Früchte über einen längeren Zeitraum erstreckt, muss mehrmals geerntet werden, denn nur gut gefärbte Beeren sollten verwendet werden. Um reiche Erträge zu erhalten, ist ein regelmäßiger Schnitt nötig. Dabei entfernt man alle alten Triebe und lässt nur die einjährigen stehen. Sie bringen in der Regel die besten Erträge. Legt man vor allem auf den zierenden Effekt des Holunders Wert, kann man zwischen mehr als 20 Sorten wählen.

Die zweite heimische Art ist der Trauben-Holunder (Sambucus racemosa). Er wächst auf Waldlichtungen und auf Gesteinsschutthalden und bevorzugt nahrhafte, durchlässige Böden. Der schwach verzweigte Strauch wird eineinhalb bis vier Meter hoch und breit, hat mit Korkwarzen besetzte Zweige und zimtbraunes Mark. Im Austrieb sind die Blätter rötlich und haben meist fünf lanzettliche, bis acht Zentimeter lange scharf gesägte Blättchen. Die kleinen gelblichweißen Blüten erscheinen von April bis Mai und sind in acht Zentimeter langen, ovalen, kegelförmigen Rispen vereinigt.

Ab Juli reifen die scharlachroten Steinfrüchte, die giftige Steinkerne besitzen. Eine sehr attraktive Sorte ist ,Plumosa Aurea‘ mit teilweise bis zur Blattspreite eingeschnittenen gelben Blättern. Während diese Sorte besser im lichten Schatten gedeiht, kann man die ähnliche, ebenfalls sehr schöne Sorte ,Sutherland Gold‘ gut auf sonnigen Standorten verwenden.

Eine recht attraktive amerikanische Art ist der Blaue oder Blaubeerenholunder (Sambucus caerulea). Er wächst im westlichen Nordamerika als großer Strauch oder Baum und hat blaugrüne Blätter und bereifte junge Zweige. Von Juni bis Juli entfalten sich die gelblichweißen Blüten in zwanzig bis dreißig Zentimeter breiten Ständen zusammenstehend. Besonders prachtvoll sind die blauschwarzen, dick bereiften Früchte, die nach dem Erhitzen genießbar sind.

Ebenfalls aus Nordamerika stammt Sambucus canadensis, wo er auf frischen bis feuchten Böden wächst. Er bleibt mit etwa drei Metern Höhe wesentlich kleiner und bildet Wurzelausläufer, mit denen der relativ kurzlebige Strauch überdauert. Von Juli bis August erscheinen die gelblichweißen, duftenden Blüten in großen Dolden bis zu einem Durchmesser von 30 Zentimetern. Vor allem die Sorte ,Maxima‘ ist empfehlenswert. Sie wird bis vier Meter hoch, hat auffällig großes Laub und noch größere Blütenstände.

Unter den asiatischen Arten ist der Japanische Traubenholunder (Sambucus sieboldiana) einen Versuch im Garten wert. Er stammt aus kühl-feuchten Bergwäldern, wo er an sonnigen bis halbschattigen Plätzen wächst und sich zu einem etwa sechs Meter Gehölz entwickelt. Die gelblichweißen Blüten sind in einem pyramidenförmigen, rispigen Blütenstand von sieben bis zehn Zentimetern Länge vereinigt. Daraus entstehen purpurrote Früchte, auch Typen mit gelben oder orangefarbenen Früchten sind bekannt.

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