Immobilien : Eine Alpenblume fürs Flachland

Auslesen und Hybriden vom Enzian gedeihen auch im heimischen Garten

Tassilo Wengel

Für viele Menschen ist der Enzian (Gentiana) die Alpenblume schlechthin. Welch eine Augenweide, wenn die leuchtend blauen Blüten der Frühlingsenziane Bergwiesen und Matten, aber auch Felsspalten und Gesteinsschuttflächen schmücken. Im Garten werden Enziane immer Raritäten bleiben, auch wenn manche Arten oder Sorten relativ pflegeleicht sind.

Zur Gattung Gentiana gehören etwa 400 Arten, die vor allem in den Gebirgen der nördlichen gemäßigten Zone sowie in den südamerikanischen Anden verbreitet sind. Dabei handelt es sich meist um Stauden, seltener sind ein- und zweijährige Arten. Ihr Wuchs ist teils Rasen bildend, teils aufrecht und die Blätter erscheinen meist grundständig. Die Färbung der Blüten reicht von einem leuchtenden Blau bis Violett. Daneben gibt es auch Arten mit weißen, gelben, roten oder grünlichen Blüten. Die Zeit ihrer Entfaltung reicht vom Frühjahr bis zum Herbst, wobei Frühlings- und Sommerblüher dominieren.

Aus der Fülle sollen einige relativ pflegeleichte Arten aus der Gruppe der Frühlings-Enziane vorgestellt werden. Da alle wild wachsenden Enzianarten unter Naturschutz stehen, ist man auf die Angebote von Staudengärtnereien und Gartencentern angewiesen. Sie bieten Enziane aus kultivierten Beständen an, die fachgerecht herangezogen wurden.

Als Inbegriff dieser Bergblume gilt der Stengellose Enzian (Gentiana acaulis), der wegen seiner großen Glockenblüten auch als Glockenenzian bezeichnet wird. Seine Verbreitung reicht von den Pyrenäen über die Alpen bis zu den Karpaten und den Gebirgen auf dem Balkan. Er besiedelt trockene Matten sowie Schutt- und Geröllflächen in Höhenlagen von 1700 bis 3000 Metern und ist bezüglich der Bodenreaktion nicht sehr wählerisch. Obwohl er kalkarme Böden bevorzugt, trifft man ihn auch auf Mergel, Sandstein oder Schiefer an. Diese Art bildet eine Rosette aus elliptischen Laubblättern und bis sechs Zentimeter langen Blütenglocken. Während die dominierende Farbe dunkelazurblau ist, kommen am natürlichen Standort auch vereinzelt violette, weiße oder grünlichweiße Typen vor. Ein wichtiges Merkmal aller Typen sind olivgrüne Flecken im Schlund.

Für den Garten werden vor allem blühfreudige und wüchsige Auslesen und Hybriden unter dem Namen Gentiana acaulis hort. angeboten, deren botanische Herkunft oft nicht mehr bestimmbar ist. Für den Hobbygärtner spielt diese Tatsache keine Rolle.

Sehr schöne Abkömmlinge sind die Sorten ,Coelestina‘ mit großen himmelblauen Blüten von April bis Mai. ,Maxima‘ zeigt die dunkel azurblauen Blüten mit rötlichem Schimmer im Juni und bei der Sorte ,Saturn‘ erscheinen die großen lichtblauen Blüten von Mai bis Juni. Zum optimalen Gedeihen bevorzugen alle Auslesen und Hybriden lehmig-humosen Boden. Obwohl sie recht tolerant bezüglich der Bodenreaktion sind, bevorzugen sie einen leicht sauren pH-Wert. Deshalb ist es günstig, dem Boden etwas Urgesteinsplitt beizumischen.

Unter den reinen Arten ist vor allem der Schmalblättrige Enzian (Gentiana angustifolia) wegen seiner problemlosen Kultur besonders zu empfehlen. Er kommt von den Pyrenäen bis zu den Südwestalpen vor und blüht dort je nach Höhenlage von Mai bis August. Die schmalen, langen Laubblätter bilden eine Rosette, aus der sich ein sieben Zentimeter langer Blütenstängel mit zwei Blattpaaren entwickelt. Am Ende entfaltet sich jeweils eine große glockenförmige, dunkelblaue Blüte. Obwohl die Art in der Natur auf kalkhaltigem Substrat wächst, ist sie im Garten nicht sehr anspruchsvoll. Sie gedeiht auch noch auf leicht saurem Boden und verträgt außerdem sehr viel Trockenheit. Ist der Gartenboden sandig, sollte etwas Lehm beigemischt werden.

Eine weitere empfehlenswerte Art ist der Dinarische Enzian (Gentiana dinarica) aus den Kalkgebirgen von Kroatien, Albanien und den Abruzzen. Er bildet Rosetten aus grünen, breit-elliptischen, steifen Blättern, aus denen sich im Juni die großen Glockenblüten entfalten. Sie erreichen eine Höhe von sieben Zentimetern und sind von prächtig blauer Farbe. Gärtnereien bieten vor allem die recht wuchsfreudige Auslese ,Fronleiten‘ an, deren Blütezeit von Mai bis Juni ist. Sowohl die Art als auch ihre Auslese blühen sehr zuverlässig und reich, wenn der Standort sonnig und der Boden kalkhaltig ist. Als Substrat eignet sich eine humose Mischung, der etwas Kalksplitt beigefügt wurde.

VERWENDUNG

Der ideale Platz für alle Enzian-Auslesen und -Hybriden ist der Steingarten. Er sollte zwar eine sonnige Lage haben, aber nicht der heißen Mittagssonne ausgesetzt sein. Enzian eignet sich auch für Pflanzgefäße, wo er in Gemeinschaft mit anderen alpinen Pflanzen wirkungsvoll ist.

VERMEHRUNG

Die im Artikel genannten Frühlings-Enziane sollten nur dann durch Teilung (im Juni) vermehrt werden, wenn sich große Polster gebildet haben. Günstig ist es, die Teilstücke erst in Töpfe mit sandigem Substrat einzusetzen und später auszupflanzen.

BEGLEITPFLANZE

Die Kugelblume (Clobularia cordifolia), ein Zwergstrauch, der hübsche Polster mit blauen Blüten von Mai bis Juni bildet. Vor Wintersonne muss er geschützt werden.

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