Immobilien : Eine Einigung entzweit

Der ganz große Verbund aller deutschen Makler gelang nicht: Einige Vertreter bleiben eigenständig

Ralf Schönball

Die Einigung ist erreicht – doch sie entzweit die Makler in Berlin. Nach einjährigem Ringen um Organisation und Funktionen im neuen Immobilienverband Deutschland wird nun auch der frühere Bundesverband vom Ring Deutscher Makler (RDM) auf den IVD verschmolzen. Trotzdem bleiben jedoch einige Landesverbände sowie einige Bezirksverbänden des RDMs in ihrer Eigenständigkeit erhalten. In Berlin handelt es sich dabei um etwa 300 Mitglieder des RDMs rund um deren langjährigen Chef Wolfgang Gruhn. Außerdem werden Makler in Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Saarland dem IVD nicht beitreten.

Mit Bedauern einerseits, Erleichterung über das bevorstehende Ende der teilweise gerichtlich geführten Auseinandersetzung andererseits haben die Berliner Chefs der beiden Organisationen die nun gefundene Regelung kommentiert. Dirk Wohltorf sagte dem Tagesspiegel: „Wir sind froh, dass es eine Einigung gegeben hat.“ Ähnlich äußerte sich auch der Chef vom Berliner RDM Wolfgang Gruhn: „Wir haben uns im beiderseitigen Einvernehmen geeinigt.“

Die nun gefundene Regelung sieht vor, dass der RDM-Landesverband Berlin mit seinen rund 300 Mitgliedern seine Eigenständig behält. Andererseits muss er allerdings auf jede Form von Tätigkeiten auf Bundesebene verzichten. Dies soll verhindern, dass erneut eine zweite ständische Organisation entsteht – wie sie zuvor bestand. Damit wird der IVD seinem Anspruch insoweit gerecht, für die große Mehrheit der Branchenvertreter auf Bundesebene mit einheitlicher Stimme zu sprechen. Der IVD wird bundesweit rund 6000 Mitglieder vertreten.

Durch dieser Regelung sind auch die Brücken zwischen den beiden Verbänden nicht abgebrochen. Im Gegenteil, die eigenständigen Landes- und Bezirksverbände werden mit jeweils einem Vertreter ihre Stimme im Bundesverband des IVDs einbringen können. Dies soll die Abstimmung zwischen dem Bundesverband und den selbständig bleibenden regionalen Verbänden gewährleisten. Auch Kooperationen könnten sich dabei ergeben.

Durch die Einigung ist aber ebenfalls klar geregelt, dass der größte Teil der Ausbildungseinrichtungen sowie der Internet-Auftritte des RDMs künftig voll in den neu entstehenden IVD übergehen werden. Dabei handelt es sich um die Intenet-Plattform „Immo-Net“ sowie um die zwei Fortbildungseinrichtungen des RDMs: der Deutschen Immobilien-Akademie sowie der Europäischen Immobilien-Akademie. Beide Einrichtungen haben Niederlassungen in Berlin.

Darüber hinaus werden nach Angaben des IVDs auch Rahmenverträge mit Versicherern, die den Mitgliedern des Verbandes Vorzugskonditionen bieten, auf die neue bundesweite Interessenvertretung übergehen. Da die Vorzugskonditionen für Mitglieder im Bereich der Fortbildung, der Internet-Werbung sowie der Verträge mit Dienstleistern wegfallen sollen, sagt der Berliner IVD-Chef Wohltorf: „Das einzige, was dem Berliner RDM bleibt, ist das Mitgliedszeichen.“

Doch genau dieses ist nach Auffassung des langjährigen Berliner RDM-Chefs Wolfgang Gruhn von großer Bedeutung: „Durch eine Verschmelzung wäre unser mehr als 80-jähriges Gütezeichen hinfällig gewesen.“ Gegen diese Möglichkeit hätten sich die Berliner RDM-Mitglieder ausgesprochen. Das Gütezeichen sei von großer Bedeutung für die Behauptung der Makler am Markt. Mit diesem Zeichen sei man in den Kammern, im Gutachterausschuss und in anderen Verbänden im Vorteil.

Ähnlich sieht das der Justiziar des Berliner RDMs. Allerdings gibt sich Henning von Muellern versöhnlich: „Der Zug der Vereinigung ist nicht endgültig abgefahren“, sagt er. Die Mitglieder würden entscheiden, ob man „eines Tages voll fusionieren“ werde. So lange dies nicht der Fall sei, werde man kooperieren. Darüber hinaus seien Doppelmitgliedschaften in dem Regionalverband des RDMs und dem Bundesverband IVD möglich. Von Muellern bezweifelt, dass mit der Verschmelzung des RDM-Bundesverbandes auf den IVD alle bisherigen Vergünstigungen für die Berliner RDM-Mitglieder wegfallen werden.

Besonders bei den Fortbildungsveranstaltungen werde der IVD auch künftig „begrüßen, wenn unsere Mitglieder die Seminare besuchen.“ Darüber hinaus plant der Berliner RDM den Aufbau einer Arbeitsgemeinschaft mit den anderen selbständig gebliebenen Landes- und Bezirksverbänden. Geplant sei unter anderem eine neue Zeitschrift.

Doch dies ist aus Sicht des IVDs eine der größten Enttäuschungen. Denn durch die nun gefundene Regelung werde es auch in Zukunft weiterhin für den wichtigen Berliner Markt zwei verschiedene Marktberichte geben. Auch die Vertretung der Interessen regionaler Branchenvertreter der Politik gegenüber bleibe problematisch: „Wie soll man der Bausenatorin erklären, dass die Branche in Berlin zwei Verbände braucht und sie zu zwei Neujahrsempfängen gebeten wird“, sagt Wohltorf.

Die Bündelung der Kräfte auf Bundesebene zählte zu den überzeugendsten Argumenten für die lange vorbereitete und aufwändige Verschmelzung der zuvor getrennten „Verband Deutscher Makler“ (VDM) und „Ring Deutscher Makler“ (RDM). Diese geht nun mit diesem Handicap an den Start.

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