Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Blühender „Höllenhund“

Uwe Nef / Brigitte Zimmer

Was mag Carl von Linné (1707- 1778), den berühmten Botaniker, bewogen haben, eine Pflanzengattung mit anmutigen, duftenden Blüten nach einem der schrecklichsten Ungeheuer der griechischen Mythologie zu benennen? Der Höllenhund Kerberos (Cerberus), das dreiköpfige Monster der Unterwelt, stand nämlich Pate für die Gattung Cerbera (Schellenbäume) aus der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae).

Diese immergrünen Bäume und Sträucher sind vom tropischen Amerika, Ostafrika, Madagaskar, Asien, Polynesien bis nach Australien beheimatet. Alle sechs Cerbera-Arten sind hoch giftig. Um einige von ihnen ranken sich schauerliche Geschichten, von denen sich Linné vermutlich bei der Namensgebung inspirieren ließ.

So sollen die Früchte des Brasilianischen Schellenbaums (Cerbera ahovai) den Ureinwohnern dazu gedient haben, verhasste Personen aus der Welt zu schaffen. Fische können angeblich durch das Gift so schnell betäubt werden, dass sie sich mit der Hand fangen lassen. Auch soll auf Madagaskar ein Ritus praktiziert worden sein, bei dem mutmaßliche Verbrecher den milchigen Schellenbaumsaft trinken mussten. Wer dieses makabre Roulette überlebte, galt als unschuldig.

Die am weitesten verbreitete Art ist Cerbera manghas. Sie ist außer in Südamerika nahezu überall in den Tropen zu Hause und stammt vermutlich aus Madagaskar. Der in seiner Heimat bis zu 25 Meter hohe Baum gedeiht hauptsächlich am Rande von Mangrovensümpfen. Seine weite Verbreitung verdankt Cerbera manghas den besonderen Eigenschaften der fünf bis zehn Zentimeter langen, ein- bis zweisamigen Steinfrüchten, die kleinen Mangos ähneln. Sie sind schwimmfähig und resistent gegen Salz. Mit den Meeresströmungen treiben sie zu fremden Gestaden. Dieser Schellenbaum hat gestielte, schmal-elliptische ledrige Blätter. Seine asymmetrischen, wächsernen, weißen Blüten, die sich einzeln nacheinander öffnen, präsentieren sich von Juli bis September in großen Dolden. Sie sind sternförmig ausgebreitet, in der Mitte rosa und duften angenehm. Das Innere ihrer vier Zentimeter langen, blassgrünen Kronröhren ist behaart. Im Garten ist ein blühender „Höllenhund“ aus den Mangrovensümpfen zurzeit auf der Balustrade am Übergang vom Sumpfpflanzen- zum Farnhaus zu bewundern.

Mehr dazu im Internet

www.bgbm.de

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