Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Die Echte Kamille

Uwe Nef/Brigitte Zimmer

„Sie legt die Schmerzen, und erweicht die harten Glieder, und macht kleine Verdickungen der Haut wieder sanft, und vertreibt die Fieber (…). So überschwänglich lobt das „Leipziger Kräuterbuch“ um 1435 eine Pflanze, die schon die alten Griechen und Römer gegen allerlei lästige, manchmal sogar gefährliche Erkrankungen verwendeten und von einigen frühen skandinavischen Völkern kultisch verehrt wurde. Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist in unseren Breiten auch heute noch die erste Wahl, wenn es darum geht, Erkältungen, Magen- und Darmverstimmungen sowie Schwangerschaftsbeschwerden zu lindern, Hauterkrankungen, Wunden sowie vielerlei Entzündungen zu heilen.

Die Inhaltsstoffe der Echten Kamille und deren Wirkungen wurden wissenschaftlich sehr genau untersucht. Als Hauptwirkstoffe enthält sie ätherisches Öl, das den typischen Kamillenduft bewirkt, und Flavonoide. Ersterem wird die entzündungswidrige Wirkung zugeschrieben, letzteren die krampflösende. Deshalb steht sie im Botanischen Garten bei den Arzneipflanzen, wo sie ihre volle Blütenpracht zur Schau stellt.

Die Echte Kamille ist eine einjährige, krautige Pflanze und gehört zur Familie der Korbblütler (Compositae). Sie wird 20 bis 50 Zentimeter hoch. An den aufrecht stehenden, runden, oft verzweigten Stängeln befinden sich die zwei- bis dreifach gefiederten, wechselständig angeordneten Blätter mit schmal-linealen Zipfeln. Der Blütenboden ist kegelförmig und mit vielen kleinen, gold-gelben, zwittrigen Röhrenblüten besetzt. Sie werden von zehn bis 20 weiblichen, weißen Zungenblüten umrahmt. Die Echte Kamille blüht von Mai bis in den Oktober. Sie sieht der Hundskamille, die seit jüngster Zeit der Gattung Tripleurospermum zugeordnet wird, zum Verwechseln ähnlich. Bis heute findet man in der Literatur unterschiedlichste Benennungen, so dass die Wissenschaftler in diesem Fall ausnahmsweise auch den volkstümlichen Namen Echte Kamille verwenden. Es gibt jedoch zwei Unterscheidungsmerkmale, die jeder leicht erkennen kann: Der kegelförmige Blütenboden von Matricaria chamomilla ist hohl, der der Hundskamille gefüllt. Außerdem besitzt nur die Echte Kamille den typischen Duft.

Die Kamille ist eine Ruderalpflanze, die an Wegrändern und Schuttplätzen, auf Äckern und in Weinbergen wächst. Dennoch ist sie bei uns selten geworden, weil sie durch Herbizide und Kunstdünger aus der Kulturlandschaft verdrängt wird.

Mehr dazu im Internet:

www.bgbm.de

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