Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

„Lebende“ Steine

Brigitte Zimmer

Ideal an ihre Umgebung angepasst, perfekt getarnt, fallen die kieselähnlichen „Lebenden Steine“ nur zur Blütezeit ins lüsterne Auge ihrer Fressfeinde. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie in den Trockengebieten des südlichen und südwestlichen Afrika zu Hause, und sind dort Nahrung für viele Wüstentiere. Man stellt sie zur Familie der Mittagsblumengewächse (Mesembryanthemaceae). Die „Lebenden Steine“ gehören zu verschiedenen Gattungen (unter anderem Conophytum, Fenestraria, Lithops, Argyroderma). Ihre Blätter sind gegenständig und ausgesprochen dickfleischig. Zurzeit blühen im Welwitschia-Annex des Großen Tropenhauses mehrere von ihnen, zum Beispiel Argyroderma delaetii.

Charakteristisch für Argyroderma-Arten ist die verdickte äußerste Schicht der Blattoberfläche. Sie ist von Wachsschollen bedeckt und mit zahlreichen winzigen Kristallen durchsetzt, die zur porzellanweißen Farbe der Pflanzen beitragen. Das spiegelt sich im Gattungsnamen wider (Argyroderma = Silberhaut). Unter Gewächshausbedingungen ist die Wachsschicht dünner und die Pflanzen sind eher grünlich. Man kennt etwa zehn verschiedene Silberhaut-Arten.

Argyroderma delaetii ist in Südafrika nördlich von Vanrhysdorp beheimatet. Sie wurde nach Franz De Laet, einem belgischen Importeur afrikanischer Sukkulenten, benannt. Die Pflanze wächst in den Boden eingesenkt und besitzt zur Blütezeit nur zwei halbeiförmige Blätter. Diese sind an der Basis verwachsen, oben auseinander klaffend und außen stark gewölbt. Sie sind ideale Wasserspeicher. Jedes Jahr übernimmt ein neu gebildetes Blattpaar die Photosynthese, während die älteren Blätter absterben.

Im Spalt zwischen den Blättern des neuesten Paares erscheint – bei uns zwischen August und November – die verhältnismäßig große, einzeln stehende Blüte mit ihren über 50 schmalen, langen Kronblättern (Petalen). Selbst innerhalb einer Population finden sich oft Blüten unterschiedlicher Farbe: Weiß, Gelb, Violett oder Rosa. Die Blüten öffnen sich im Laufe des Vormittags und schließen sich gegen Abend (ein Tagesrhythmus, dem die Mittagsblumen ihren Namen verdanken). Ihre Lebensspanne beträgt drei bis sieben Tage.

Silberhäute darf man nur sparsam gießen, sie müssen in den Wintermonaten völlig trocken gehalten werden. Sie benötigen quarzhaltige Erde. Bei der Anzucht aus Samen muss man berücksichtigen, dass sie zu den Lichtkeimern gehören: Die Samen dürfen keinesfalls mit Erde bedeckt werden.

Vom 5. bis 7. November findet im Neuen Glashaus im Botanischen Garten eine Vogelschau statt. Rund 500 gefiederte Gesellen sind dort zu sehen. Geöffnet ist jeweils von 9 bis 17 Uhr. Die Vogelschau ist eine Kooperation mit dem Club Ornis Berlin.

Mehr dazu im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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