Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Die prächtige Eucharis

Uwe Nef / Brigitte Zimmer

Herzkelch, Amazonaslilie, Stern von Bethlehem, Salonnarzisse – Eucharis amazonica trägt viele Namen, die alle von der Bewunderung ihrer Verehrer künden. Unter den schönen Amaryllisgewächsen (Amaryllidaceae) gilt sie als eine der kostbarsten und prächtigsten. Ihre Heimat liegt in den dichten Regenwäldern der peruanischen Anden. Dort gedeiht sie an schattigen und halbschattigen Plätzen. Im Mittelbeet des Begonienhauses entfaltet sie zurzeit ihre prächtigen, reinweißen, angenehm duftenden Blüten.

Eucharis amazonica bildet bis zu sieben Zentimeter breite rundliche Zwiebeln. An schlanken, langen Stielen sitzen bis zu vier paddelförmige Blätter. Sie sind oberseits glänzend dunkelgrün, unterseits heller grün, bis zu 40 Zentimeter lang und etwa halb so breit. Die für einkeimblättrige Pflanzen typischen parallelen Blattnerven sind deutlich ausgeprägt. Die hängenden, endständigen Blüten erscheinen auf einem etwa 50 Zentimeter hohen Schaft in fünf- bis sechsblütigen Dolden. Die großen, bis zu zwölf Zentimeter breiten Blütenhüllen breiten sich sternförmig aus. Sie bestehen aus zwei Kreisen mit je drei verwachsenen Segmenten. Ähnlich wie unsere Narzissen besitzen sie eine becherartige Nebenkrone. Diese ist bei der Amazonaslilie grün-weiß überhaucht. An ihren Zipfeln sitzen die grauen Staubbeutel. Unter günstigen Umständen blüht die Pflanze – wie in diesem Jahr geschehen – zwei Mal: im Frühjahr und im Winter.

Die Gattung Eucharis (griech. eucharis für anmutig) besteht aus etwa 17 Arten. Sie ist im Gegensatz zu den meisten anderen Amaryllisgewächsen immergrün. Ihr Hauptverbreitungsgebiet reicht vom westlichen Teil des Amazonasbeckens bis zu den Ausläufern der östlichen Anden-Kordilleren. Alle Eucharis-Arten sind in ihrer Heimat durch die Rodung des Regenwaldes vom Aussterben bedroht. Als Zierpflanzen werden sie jedoch häufig kultiviert.

Die Eingeborenen des Amazonas-Beckens verwenden zu Brei gestampfte Eucharis-Zwiebeln als Umschläge zur Wundheilung und bei Tumoren. Peruanische Indianer sollen angeblich den Zwiebelsaft auch zur Behandlung von Akne benutzen. Die heilende Wirkung ist vermutlich auf Alkaloide zurückzuführen. Allein 13 verschiedene wurden in den Zwiebeln und Blättern der Amazonaslilie kürzlich nachgewiesen.

In unseren Breiten wird Eucharis amazonica wegen ihrer Schönheit in Gewächshäusern kultiviert. Bisher kam es noch nie zur Ausbildung von Früchten und Samen. Es wird angenommen, dass die Pflanzen vollkommen steril sind. Die Vermehrung erfolgt daher ausschließlich durch Brutzwiebeln.

Weiteres im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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