Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Ein lebendes Fossil

Uwe Nef / Brigitte Zimmer

Faszinierend und unheimlich zugleich ist der Bosque del Cedro, wenn die feuchten Passatwinde Wolkenfetzen durch diesen einzigartigen Wald im Nationalpark Garajonay der Atlantikinsel Gomera treiben. Dort hat sich eine urtümliche Flora erhalten, die in solcher Ausdehnung und Vielfalt nur noch auf dem Hochplateau dieser Kanareninsel anzutreffen ist. Eine der markantesten Pflanzen dieses artenreichen Märchenwaldes ist der kanarische Lorbeerbaum, Laurus azorica (Laurus canariensis). Im Mittelmeerhaus steht er jetzt in Blüte.

Laurus azorica ist ein Baum oder Strauch mit kräftigen Ästen und glatter, grauer Borke. Er kann in seiner Heimat auf den Atlantischen Inseln bis 20 Meter hoch werden. Seine Zweige sind weich behaart, rötlich braun und duften aromatisch, wenn sie gerieben werden. An ihnen sitzen die wechselständigen, fünf bis 15 Zentimeter langen, oberseits glänzend dunkelgrünen, unterseits helleren Blätter. Sie sind elliptisch und ganzrandig. In den Wintermonaten entfalten sich in den Blattachseln kleine Büschel grün-weißlicher Blüten, aus denen die gelben Staubblätter strahlenförmig aufgefächert herausragen.

Es gibt Bäume mit weiblichen und solche mit männlichen Blüten. Der Baum im Mittelmeerhaus ist männlich. Aus den weiblichen Blüten entwickeln sich nach der Bestäubung durch Bienen oder Fliegen die 12 Millimeter langen, schwarzen, einsamigen Beerenfrüchte, die von Vögeln verbreitet werden.

Der Kanarenlorbeer sieht dem im gesamten Mittelmeerraum weit verbreiteten Laurus nobilis sehr ähnlich. Von Letzterem stammen die bekannten Gewürzblätter in unseren Küchen.

Die Familie der Lauraceae umfasst etwa 1100 Arten. Sie sind in den tropischen und subtropischen Gebieten der Alten und Neuen Welt zu Hause. Wegen ihres Gehalts an aromatischen Ölen haben viele Lorbeergewächse Bedeutung als Gewürz- oder Heilpflanzen.

In grauer Vorzeit, im Tertiär, waren die Lauraceen im damals tropischen Mitteleuropa und Nordamerika mit zahlreichen Arten vertreten. Die Eiszeiten überlebte in Südeuropa nur Laurus nobilis; sein Verwandter Laurus azorica rettete sich auf die Inseln des ewigen Frühlings.

Weiteres im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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