Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Der Sommer-Affodill

Brigitte Zimmer

Bereits Ende April oder Anfang Mai öffnen sich im Mittelmeerhaus die ersten Blütensterne des Sommer-Affodill (Asphodelus aestivus Brot.). Anschließend, bis in den September hinein, erscheinen auch im Freiland die pyramidenartigen Blütenstände. Asphodelus aestivus kommt ausschließlich (endemisch) auf der Iberischen Halbinsel im Südwesten Portugals und Spaniens an feuchten Standorten vor.

Die Angaben über seine Verbreitung sind oft nicht korrekt, da sein Name auch auf den Ästigen Affodill (Asphodelus ramosus L.), der im gesamten Mittelmeergebiet und auf den Kanarischen Inseln sehr weit verbreitet ist, fälschlicherweise angewendet wird. Die Gattung Asphodelus wird entweder den Liliengewächsen (Liliaceae) zugerechnet oder in jüngster Zeit auch als eigene Familie angesehen.

Ökologisch betrachtet gehört Asphodelus aestivus zu den so genannten Geophyten: eine botanische Bezeichnung für Pflanzen, die ihre Kräfte für einen schnellen Austrieb nach Kälte- oder Dürreperioden aus unterirdischen Speicherorganen (Zwiebeln, Knollen, Rhizomen) beziehen. Am Übergang vom Wurzelstock (Rhizom) zu den oberirdischen Pflanzenteilen sitzen beim Sommer-Affodill zu diesem Zweck zahlreiche verdickte, fleischige Speicherwurzeln. Die bis zu 120 Zentimeter langen, etwa drei Zentimeter breiten Blätter sind grundständig und stehen aufrecht in einer dichten Rosette. Sie sind bläulich grün, fleischig, unterseits gekielt und an den Rändern schwach gezähnt. Wenn sich aus ihrem Zentrum der 150 bis zu 200 Zentimeter hohe Blütenschaft entwickelt, beginnen die Blätter bereits zu welken. Die mächtigen, kronleuchterartigen Blütenstände, die oberhalb eines kräftigen, blattlosen Schaftes fünf- bis dreizehnfach verzweigt sind, präsentieren pyramidenartig ihre dichten, gestielten Blütenrispen. Jedes der sechs weißen bis rosaweißen Blütenblätter der zahlreichen Einzelblüten wird von einem weinroten Mittelstreifen durchzogen. Der Grund der sechs in zwei Kreisen angeordneten Staubblätter bildet eine Vertiefung, eine „Nektartasche“. Damit der flüssige Nektar, das Lockmittel für die bestäubenden Insekten, nicht verdunstet, schützen zahlreiche Ausstülpungen (Papillen) die köstliche Nahrung. Als weitere Belohnung stellt der Sommer-Affodill einen Überschuss an Pollen als zusätzliches Futterangebot zur Verfügung. Zur Hauptblütezeit öffnen sich bis zu fünf Sternblüten pro Blütenstandsverzweigung täglich neu. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Pflanzen von Insekten geradezu umschwärmt werden.

Weiteres im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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