Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Die Netzblatt-Pfingstrose

Brigitte Zimmer

Eine Primadonna aus Südosteuropa hat genau zur rechten Zeit die Bühne betreten und steht im Rampenlicht, um bewundert zu werden. Es ist die im Freiland in der „Ostasiatischen Steppe“ erblühte Netzblatt-Pfingstrose (Paeonia tenuifolia). Sie nimmt unter den Pfingstrosen, wie es sich für Darstellerinnen weiblicher Hauptpartien in der Oper gehört, eine Sonderstellung ein. Keine andere Päonie besitzt derart fein zerteilte (tenuifolia = feinblättrig) Blätter. Ihre langen, schlanken Blattsegmente sind weniger als zwei Millimeter breit, oberseits dunkel-, unterseits bläulich-grün. Sie erinnern an einen anderen Vertreter der osteuropäischen Steppen, das bekannte Frühlings-Adonisröschen.

Bei Paeonia tenuifolia kommt die Schönheit der purpurroten, schalenförmigen Blüten durch die zarten Laubblätter besonders gut zur Geltung. Sie sitzen einzeln, wie auf einem Thron, umrahmt von den filigranen Stängelblättern. Die bei der Wildart ungefüllten, sich weit öffnenden Blüten haben einen Durchmesser von bis zu acht Zentimetern. In ihrer Mitte stehen zahlreiche leuchtend gelbe Staubgefäße. Sie produzieren, ähnlich wie bei Mohn oder Zistrosen, besonders große Mengen eiweiß- und ölhaltiger Pollen.

Mit diesem wertvollen Nahrungs-Sonderangebot verlocken sie die Insekten zum fleißigen Besuch. Nach erfolgreicher Befruchtung entwickeln sich die für alle Pfingstrosen bezeichnenden, meist seidig behaarten Balgfrüchte, zwei bis fünf an der Zahl. Wenn sie reifen und aufplatzen, sind sie bemerkenswert attraktiv. Sie präsentieren dann zahlreiche große, saftig-fleischige, glänzend blauschwarze keimfähige Samen, aber auch leuchtend rote, die jedoch taub sind. Eine willkommene Leckerei für Vögel.

Die Gattung Paeonia, die etwa 30 staudige und strauchige Arten umfasst, ist die einzige in der Familie der Pfingstrosengewächse. Sie kommt in den gemäßigten Zonen der nördlichen Halbkugel vor mit Verbreitungsschwerpunkten in Südeuropa, China und im nordwestlichen Amerika. Einige staudenförmige Arten, zum Beispiel die im Mittelmeergebiet heimische Echte oder Bauern-Pfingstrose (P. officinalis), waren bereits im Mittelalter in Kloster- und Bauerngärten anzutreffen. Früher wurden sie auch zu Heilzwecken eingesetzt, heute dagegen werden sie als schwach giftig angesehen. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts hielten die chinesischen Strauchpfingstrosen und ihre in Jahrhunderten entstandenen Zuchtformen in Europa Einzug. Ihre wild wachsenden Vertreter sind heute in ihrer ostasiatischen Heimat streng geschützt.

Die Netzblatt-Pfingstrose gehört zu den unverholzten, staudenförmigen Arten, deren oberirdische Teile im Herbst absterben und im nächsten Frühjahr aus den Wurzelstöcken erneut austreiben. Alle Päonien sind langlebige Gartenpflanzen, die von Jahr zu Jahr schöner werden und bei guter Pflege ein Alter von 50, manchmal sogar bis 100 Jahren erreichen können. Sie lieben einen sonnigen Standort und brauchen ausreichend Platz, um sich zu entfalten. Es empfiehlt sich, sie im Herbst gleich an den endgültigen Standort zu setzen, da sie ein Verpflanzen meist übel nehmen. Während der Blütezeit sollte der Boden nicht austrocknen, allerdings gehen die Pflanzen bei Staunässe ein.

Weiteres im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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