Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Trügerische Schönheit

Brigitte Zimmer

Sieht diese Blüte nicht einer Orchidee auffallend ähnlich? Wer würde hinter ihr schon eine „fleischfressende“ Pflanze (Insektivore) vermuten? Tatsächlich gehört der Nierenförmige Wasserschlauch (Utricularia reniformis) zu einer Gruppe äußerst ungewöhnlicher Blütenpflanzen. Die meisten Utricularien leben in Gewässern, einige auch an feuchten, zeitweise überschwemmten und danach austrocknenden Standorten. In den tropischen Regenwäldern findet man sie sogar als Aufsitzer (Epiphyten) auf Bäumen. Utricularia ist mit mehr als 210 Arten die artenreichste Gattung in der Familie der Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae). Sie ist weltweit verbreitet. In Deutschland kommen sieben Arten vor. die allesamt im Wasser leben und gelb blühen.

Kennzeichnend für alle Utricularien sind blasenförmige Saugfallen, die an feinen, reich verzweigten Ausläufern sitzen. Ihre Größe liegt zwischen 0,2 Millimeter und 1,2 Zentimetern, die feinen Einzelheiten sind nur mit einer Lupe zu erkennen. Die Fallen sind nämlich sehr komplex gebaut. Im Inneren herrscht Unterdruck. Am Eingang befindet sich eine „Falltür“. Wenn Wasser- oder Bodeninsekten spezielle Auslöserborsten berühren, öffnet sich die Tür nach innen und die Beute wird in Sekundenbruchteilen mit dem Wasserstrom eingesogen. Sogleich beginnen die Drüsen im Blaseninnern Verdauungsenzyme abzusondern, die den Fang in Mineralien und Einweißstoffe zerlegen: an nährstoffarmen Standorten eine wertvolle Zusatznahrung. Nach dem Verdauungsvorgang wird der Unterdruck erneut aufgebaut und die Saugfalle ist wieder einsatzbereit.

Bei Utricularia reniformis aus den Küstenregionen Südost-Brasiliens sind die Fallen besonders klein (0,7 bis 1,5 Millimeter) und mit Drüsen besetzt. Sie befinden sich in großer Zahl an den feinen Verzweigungen der Ausläufer, im Untergrund verborgen. Im Gegensatz zu den winzigen Fallen sind die Pflanzen selbst recht stattlich. Ihre bis zu 14 Zentimeter breiten, nierenförmigen (reniformis = nierenförmig) Blätter sitzen auf langen Stielen und werden von den Blütentrauben noch überragt. Die drei bis acht zart violett-blauen Blüten haben eine dreilappige Unterlippe, eine rundliche, ungeteilte Oberlippe und einen langen, nektargefüllten Sporn. Zwei auffallende, gelbe Saftmale auf dem hochgewölbten Gaumen der Unterlippe weisen den Bestäubern den Weg zum Innern der Blüte. Sie müssen zuerst die Unterlippe herunterdrücken, um an den begehrten Nektar im Sporn zu gelangen, und passieren dabei Narbe und Staubblätter. In seiner Heimat blüht der Nierenförmige Wasserschlauch von Oktober bis Mai.

Utricularia reniformis ist normalerweise ein Bodenbewohner und besiedelt feuchte Wiesen oder nasse Felsen. Er kann bis in Höhen von 2500 Metern vorkommen. In Kultur gibt es eine kleinere und eine größere Form. Im Sommer müssen die Pflanzen vor der Mittagssonne geschützt werden. Kühle Temperaturen im Winter - um 12 Grad Celsius – fördern die Blütenbildung.

Weiteres im Internet:

www.botantischer-garten-berlin.de

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