Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Spätblühende Traubenkirsche

Brigitte Zimmer

Aus Nordamerika kam die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) 1623 zuerst nach Frankreich und etwa 60 Jahre später als Ziergehölz in die deutschen Gärten und Parks. Die Art gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae). Sie kann strauchförmig oder, wie am Amerikateich in der Nähe des Pavillons, baumförmig auftreten und wird in ihrer Heimat bis zu 30 Meter hoch. Sie hat eine länglich-schmale Krone und eine dunkelbraune Rinde mit schwach bittermadelartigem Geruch. Die elliptischen, kräftig grünen, gestielten Blätter sind oberseits kahl und glänzen lackartig, ihre Unterseite ist heller und längs der Mittelrippe rostbraun behaart. Die Ränder sind fein gezähnt.

Von Mai bis Juni schmückt sich Prunus serotina mit schlanken, bis zu 15 Zentimeter langen, weißen, bis zu 30-blütigen Trauben. Zu Beginn der Blütezeit stehen sie oft aufrecht, später lassen sie sich hängen. Am Rande des glockigen Blütenbechers sitzen fünf breite, verkehrt eiförmige Kronblätter und 20 bis 30 Staubblätter. Der für unsere Nasen eher unangenehme Duft, den die Blüten verströmen, lockt vor allem Schwebfliegen an, die sie oft zahlreich umschwirren.

Nach erfolgreicher Befruchtung erscheinen von August bis September die erbsengroßen, nahezu kugeligen, dunkel purpurroten bis schwarzen, glänzenden Steinfrüchte. An ihrem Grund sieht man immer noch die Kelchblätter: ein typisches Merkmal für die Art. Das Fruchtfleisch ist genießbar, hat aber einen unangenehm bitteren Nachgeschmack. Den Samen sollte man keinesfalls zerkauen, denn er enthält, wie auch die Rinde, giftige Blausäureverbindungen. Diese kleinen Kirschen sind begehrte Vogelnahrung, aber auch Damwild, Wildschweine und Füchse sind keine Kostverächter. Sie alle sorgen für eine weite Verbreitung der Samen, die im Boden bis zu fünf Jahre lang keimfähig bleiben.

Die Spätblühende Traubenkirsche kommt wild in Nordamerika vor, von Kanada südwärts bis nach Guatemala. Sie gedeiht am besten auf tiefen, feuchten, nährstoffreichen Böden. Nach Kahlschlägen, Waldbränden oder Wirbelstürmen gehört sie zu den Pionieren, die die Waldregeneration einleiten. Geschätzt wird ihr wertvolles „Kirschholz“. Es besitzt eine hohe Festigkeit, eine schöne rotbraune Farbe und eine attraktive Maserung.

Prunus serotina wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland zur Aufforstung, Dünenbefestigung, als Wind- und Brandschutz und zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit in größerem Umfang angepflanzt. Heute ist sie in Deutschland fest eingebürgert und weit verbreitet. Sie steht bevorzugt in lichteren Forstbeständen, an Waldrändern und in Hecken. Auf Sandböden wächst sie ausgesprochen gut. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sie sich gerade auch in den Forsten rings um Berlin mit bemerkenswerter Aggressivität ausgebreitet und verdrängt zunehmend unsere heimische Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus). Deshalb wird sie von den Förstern gezielt bekämpft. Ihr Eindringen in Feuchtgebiete, Magerrasen und Heiden ist aus Gründen des Naturschutzes problematisch.

Weiteres im Internet:

www.botanischer-garten-berlin-de

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