Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Turkestanische Steppenkerze

Brigitte Zimmer

Kaum jemand kann wohl an den über mannshohen Blütenständen der Turkestanischen Steppenkerzen im Freilandgebiet Ostasiatische Steppe vorbeigehen, ohne ihnen einen bewundernden Blick zu schenken. Auf langen, unverzweigten, blaugrün bereiften Schäften wiegen sich die prachtvollen Blütenkerzen, die an gotische Spitztürmchen erinnern, sanft im Wind. Die größten von ihnen sind über einen Meter hoch und bestehen aus Hunderten sternförmiger, hell rosafarbener Blüten. Diese verströmen einen süßen Duft, der Bienen, Hummeln und Fliegen in großer Zahl anlockt. Schon während der Blüte beginnen die rosettenartig angeordneten, schmal-lanzettlichen Blätter am Grunde der Blütenschäfte zu welken. Zur Zeit der Reife, im August, öffnen sich die runden, dreifächerigen Fruchtkapseln und geben die drei- oder beinahe viereckigen, runzligen, geflügelten Samen frei. Diese bleiben jahrelang keimfähig.

Nach der Samenreife zieht die Turkestanische Steppenkerze alle oberirdischen Teile vollständig ein. Wie alle Vertreter ihrer Gattung überdauert sie die extremen Trockenzeiten in ihrer Heimat mit wasser- und nährstoffspeichernden, spindelförmigen unterirdischen Organen. Diese dickfleischigen Speicherwurzeln sind sternartig angeordnet. Aus ihnen wird Leim hergestellt. Auch sollen sie genießbar sein und gekocht ähnlich wie Spargel schmecken.

Die Gattung Eremurus (Steppenkerze oder Lilienschweif) enthält etwa 45 Arten, die alle in Zentral- und Westasien zu Hause sind. Sie gehören zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Der Gattungsname, der aus dem Griechischen abgeleitet ist, weist auf den Standort (eremos = Wüste, Einöde) und die Form der Blütenstände (oura = Schwanz, Schweif) hin. Entdeckt wurde die Turkestanische Steppenkerze von dem russischen Forschungsreisenden Peter Semenov im Jahre 1858 auf dem Ala-Tau in den wilden, majestätischen Bergmassiven des Tian Shan in Zentralasien. Zehn Jahre später wurde sie von Eduard von Regel, dem damaligen wissenschaftlichen Leiter des kaiserlichen Botanischen Gartens von Sankt Petersburg, botanisch beschrieben.

Wildarten und Kultursorten der Steppenkerze setzen im Garten mit ihren rosafarbenen, weißen, gelben oder grünlich-braunen Blütenkerzen äußerst dekorative Akzente. Ähnlich wie an ihren natürlichen Standorten brauchen sie auch bei uns volle Sonne und sollten im Sommer trocken gehalten werden. Ihre Speicherwurzeln sind gegen Staunässe äußerst empfindlich. Man kann die Pflanzen durch Teilung oder durch Samen vermehren. Da die Samen, ehe sie Auskeimen, Frost benötigen, müssen sie gleich nach der Reife ausgesät werden. Danach kann es bis zu fünf Jahre dauern, bis sich der erste Blütenstand emporhebt.

Mehr dazu im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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