Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Der Echte Erdbeerspinat

Brigitte Zimmer

Macht nicht schon der Name, Echter Erdbeerspinat (Chenopodium foliosum), neugierig auf das Kraut, das im Duft- und Tastgarten zu sehen ist? Es ist eine heute kaum mehr bekannte alte Kulturpflanze, die zu den Gänsefußgewächsen gehört. Wegen seiner knäueligen, erdbeerähnlichen roten Fruchtstände lässt sich der Erdbeerspinat von allen anderen einheimischen Gänsefuß-Arten leicht unterscheiden. Die Gattung erhielt ihren volkstümlichen und wissenschaftlichen Namen, weil der Umriss der Blätter mancher Arten einem Gänsefuß gleicht (griech.: chen = Gans; pus, podos = Fuß).

Der Echte Erdbeerspinat ist bei uns einjährig, kann aber auch überdauern und bis zu einem Meter hoch werden. Die Blätter sind dreieckig bis spießförmig, mehr oder weniger stark gezähnt, die grundständigen lang gestielt. Unter der Lupe erkennt man, dass ihr mehliger Überzug aus Blasenhaaren besteht. In ihnen wird Flüssigkeit gespeichert, die bei Wassermangel ins Pflanzeninnere abgegeben wird. Charakteristisch sind die bis zur Spitze beblätterten Stängel. Von Mai bis August erscheinen in den Blattachseln die Blüten. Sie sitzen in dichten, kugeligen Knäueln beieinander. Zu Beginn sind die Blütenhüllen grünlich. Bei der Fruchtreife werden sie fleischig, saftig und scharlach- bis blutrot. Die Sammelfrüchte werden bis zu anderthalb Zentimeter groß und sehen in der Tat kleinen Erdbeeren ähnlich. Jede Teilfrucht enthält nur einen Samen.

Der Echte Erdbeerspinat ist eine Gebirgspflanze. Er kommt bei uns in den Alpen vor. Verbreitet ist er außerdem in den Bergen Nordwestafrikas, der Iberischen Halbinsel, im Kaukasus und weiter bis nach Zentralasien. Die Pflanzen lieben stickstoffreiche, warme und etwas feuchte Böden. Man findet sie beispielsweise in der Nähe von Misthaufen, aber auch an Lagerplätzen von Kühen und Schafen.

In früheren Zeiten wurde der Echte Erdbeerspinat oft als Blattgemüse angebaut. Sowohl die Blätter als auch die leicht süßlichen Früchte sind essbar. Jedoch sollen sie eher fade und nicht besonders schmackhaft sein. Das saftig rote, den Blütenhüllen entsprechende Fruchtfleisch wurde auch als Schminke verwendet. Mit den dekorativen Früchten lassen sich Speisen hübsch verzieren. Aus den Samen kann man Mehl gewinnen. Früher wurde außerdem eine weitere ähnliche Art, der vermutlich aus Nordamerika stammende Ährige Erdbeerspinat (Chenopodium capitatum), in gleicher Weise verwendet.

Heute findet man beide Arten außer in Botanischen Gärten nur noch selten als Gartenpflanze. Dabei lässt sich Erdbeerspinat leicht von März bis August aus Samen heranziehen. Etwa sieben Wochen nach der Aussaat können die jungen Blättchen und Stängel geerntet werden. Er ist aber auch im Topf oder in einer Ampel eine echte Zierde für die Terrasse oder den Balkon.

Mehr dazu im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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