Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Blutrotes Fingerkraut

Brigitte Zimmer

Von ungewöhnlicher Leuchtkraft sind die Blütenblätter des Blutroten Fingerkrauts (Potentilla atrosanguinea). Zu sehen sind die fünf blutroten Herzen vom Dach der Welt im Freilandbereich Himalaja.

Von Juli bis September erscheinen die attraktiven, bis zu fünf Zentimeter großen schalenförmigen Blüten an den mehrblütigen Blütenständen. Ihre herzförmigen Kronblätter sehen wie aus dunkelrotem Samt geschneidert aus. An der schmalen Ansatzstelle bilden die zusammenlaufenden Adern ein dunkles Farbmal. Der hoch gewölbte Blütenboden im Zentrum ist am Grund von einem leuchtend gelben, Nektar produzierenden Drüsenring umgeben, der einen auffälligen Farbkontrast zur Blütenkrone bildet. Die 20 an seinem Rande stehenden, dunkelroten Staubfäden mit ihren schwarzroten Staubbeuteln sowie die zahlreichen roten Griffel tragen zum Farbenspiel bei. Farbmuster sind Orientierungshilfen für die Blütenbesucher und leiten sie hin zum begehrten Nektar. Genau so wichtig wie die Farben im für uns sichtbaren Bereich sind für Insekten die ultravioletten Farbtöne, denn ihre Augen sind dafür gebaut, sie wahrzunehmen. Solche ultravioletten Muster, die durch UV-Fotografie nachgewiesen werden, zeigen auch die Blüten von Potentilla atrosanguinea.

Die Gattung Potentilla, die zu den Rosengewächsen gehört, ist nahe verwandt mit den Erdbeeren (Fragaria). Sie umfasst circa 500 Arten, die hauptsächlich in den gemäßigten Zonen der Nördlichen Halbkugel vorkommen. Die Heimat des Blutroten Fingerkrautes liegt im Himalaja, von Afghanistan bis nach Sikkim. Am natürlichen Standort findet man es in Höhen zwischen 3700 und 4000 Metern in Wäldern, Dickichten und an sandigen Flussufern.

Die Art besitzt auch eine gelb blühende Form, P. atrosanguinea var. argyrophylla, welche über das ganze Gebiet verbreitet ist, während die rot blühende P. atrosanguinea var. atrosanguinea ausschließlich in Nepal vorkommt.

Das Blutrote Fingerkraut ist mehrjährig, winterhart und bevorzugt nicht zu nährstoffreiche, gut dränierte Böden. Da die Pflanzen relativ groß werden und zur Gruppenbildung neigen, sind sie für kleinere Alpengärten ungeeignet. Dank der Züchtungserfolge englischer und holländischer Gärtner sind verschiedene Kultursorten, auch mit halb oder ganz gefüllten Blüten, im Handel, die durch Kreuzungen der beiden Wildformen unter sich und mit einer dritten Himalaja-Art entstanden sind.

Mehr dazu im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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