Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Zigadenus elegans Pursh

A.- D. Stevens

Was hat die Jochdrüse mit der Entdeckung von Amerikas Westen zu tun? Viele werden sich nicht vorstellen können, dass sich hinter diesem Namen eine zunächst unscheinbare, aber bei näherem Hinsehen elegante kleine Knollenpflanze von maximal 60 Zentimetern Höhe verbirgt, die zur Familie der Liliengewächse gehört.

Die Pflanze kann etwa drei bis zehn Jahre alt werden und ist leicht mit Wachs überzogen, der sie gräulich erscheinen lässt. Neben einigen grasartigen, basal entspringenden Blättern trägt ein Stängel um die 25 kleine weißliche, leicht übelriechende Blüten, die bei Reife aus circa zwei Zentimeter großen Kapseln zahlreiche Samen entlassen. Die Blüten sind innen mit einem dunkelgrünen Ring aus Herzchen versehen. Diese an der Basis der sechs Blütenblätter sitzenden, herz- oder jochförmigen Gebilde stellen Drüsen dar, womit wir den botanischen Namen der Pflanze Zigadenus elegans Pursh, zu zwei Dritteln erklärt hätten. Er leitet sich aus dem griechischen zygos (Joch) und aden (Drüse) ab. Im Botanischen Garten wächst die Pflanze im pazifischen Nordamerika-Bereich, der sich gegenüber der Gartenverwaltung auf der anderen Seite des Hauptwegs befindet.

Friedrich Traugott Pursch, ein sächsischer Gärtner, Botaniker und Forschungsreisender mit interessantem Lebenslauf, der den „Königlichen Botanischen Garten“ in Dresden verließ, wurde 1799 in den „jungen“ USA zu Frederick Pursh. Er beschrieb in seinem Buch Flora Americae Septentrionalis (1814) erstmals die neue Art und erwähnte, dass Lewis sie in der Nähe des Cokahlaishkit in den Rocky Mountains gesammelt hatte. Heute ist dies der Blackfoot River westlich vom Lewis & Clark Pass im Lewis & Clark County in Montana.

Es war Meriwether Lewis gewesen, der die Originalpflanze auf seiner berühmten Expedition mit Clark (1806) gesammelt hatte. Sie liegt heute noch gut konserviert im Lewis und Clark Herbarium. Natürlicherweise ist Z. elegans im westlichen Nordamerika und Kanada in feuchten Wiesen bis zur Baumgrenze auf steinigen Böden mit höherem Kalkgehalt verbreitet und wird dort Death Camas genannt, da sie Ähnlichkeiten mit Camassia quamash aufweist. Diese Blue Camas ist essbar, während die Knollen von Z. elegans und zweier verwandter Arten hoch giftig sind. Der Genuss von Teilen der Pflanze kann zu Muskelkontrollverlust, Herzstillstand und Tod führen. Ursache dafür ist das Steroid-Alkaloid Zygadenin, das in der ganzen Pflanze zu finden ist. In Folge der Landnahme des amerikanischen Westens wurde sie von den Trappern, die sich nicht so gut wie die indigene Bevölkerung mit praktischer Botanik auskannten, verwechselt. Ein Tribut, welcher der botanischen Unkenntnis bei der Eroberung des Westens gezollt wurde.

Mehr dazu im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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