Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Die folgsame Gelenkblume

A.-D. Stevens

Die Gelenkblume, Physostegia virginiana, stammt aus Nordamerika und ist vom Mittleren Westen bis Kanada und Florida verbreitet. Die mehrjährige krautige Pflanze wird in ihrer Heimat „Folgsame Pflanze“ (obedient plant) genannt. Der Name geht auf eine ungewöhnliche Eigenschaft zurück, die sich auch im deutschen Namen wiederfindet und im Bau ihrer Blüten begründet ist.

Natürlicherweise kommt Physostegia virginiana an sonnigen Standorten auf Prärien, an Flussufern und in Savannen vor. Sie wächst gerne auf feuchten, humusreichen, durchlässigen und leicht sauren Böden. Im Botanischen Garten wird sie im System der Krautigen Pflanzen bei den Lippenblütlern (Labiatae), zu denen sie verwandtschaftlich gehört, kultiviert. Ihre Blüten ähneln mit ihrer zweiteiligen Ober- und der dreiteiligen Unterlippe denen anderer Arten der Familie zu der zum Beispiel Lavendel, Minze, Salbei, Thymian und Rosmarin gehören. Der aufrechte, dicht blühende Stängel der Gelenkblume entspringt unterirdischen „Speicherwurzeln“, mit denen sie sich leicht ausbreitet. Deshalb sollte sie im Garten alle zwei bis drei Jahre geteilt werden, um den Bestand zu kontrollieren.

Hat die Pflanze mit ihrer am Boden liegenden Rosette aus weidenähnlichen Blättern überwintert, entwickelt sie im Frühjahr schmale, scharf gezähnte, bis 15 Zentimeter lange Blätter, die sich am quadratischen Stängel gegenüberstehen. Bis zum Herbst kann sie 90 Zentimeter groß werden und erst im Juli/August bilden sich reich blühende Ähren mit röhrenförmigen, rosafarbenen oder weißen Blüten aus. Diese werden etwa 2,5 Zentimeter lang und stehen in vier senkrechten Reihen entlang der Ähre. Bewegt man nun eine dieser Blüten nach rechts oder links, so kehrt sie nicht in ihre ursprüngliche Position zurück, sondern bleibt folgsam so stehen.

Die ganze Reihe übereinanderstehender Blüten kann so um etwa 45 Grad nach rechts oder links verdreht werden. Unter jeder Blüte sitzt ein kleines keilförmiges Tragblatt, das den Blütenkelch stützt. Die Blüten sind mit einem kurzen beweglichen Stielchen am Stängel verwachsen. Kelch und Tragblatt sind steif behaart und die Blüte lehnt so entweder auf dem Tragblatt oder rechts oder links daneben. Die Haare verhindern ein zurückgleiten.

Die Art hat noch einen zweiten englischen Namen „False Dragonhead“ (Falsches Löwenmäulchen). Zwar scheinen sich die Blüten auf den ersten Blick ähnlich, aber das Löwenmäulchen gehört in eine andere Verwandtschaft zu den Rachenblütlern und nur Physostegia ist so folgsam und gelenkig.

Mehr dazu im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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