Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Das Alpen-Helmkraut

Brigitte Zimmer

Im Alpenrevier des Botanischen Gartens blüht zurzeit eine Pflanze, die Steingartenbesitzern nicht unbekannt sein dürfte: das Alpen-Helmkraut. Entdeckt wurde Scutellaria alpina – so der botanische Name – zu Beginn des 16. Jahrhunderts am Südhang des Großen Sankt Bernhard von dem deutschen Naturforscher Joachim Burser (1583-1639), der später als Medizinprofessor in Dänemark lehrte.

Die Gattung Scutellaria ist mit rund 300 Arten weltweit verbreitet. Sie gehört zu den Lippenblütlern. Alle Helmkräuter zeichnen sich durch eine auffällige Besonderheit aus. Auf dem Rücken ihrer glockenförmigen, zweilippigen Blütenkelche sitzt eine flache, schüsselförmige Ausstülpung, das so genannte Schildchen (scutellum), das als Auffangbecken für Regentropfen dient. Bis zur Reife ist der Kelch durch die fest zusammengepressten Lippen verschlossen. Er enthält die vier einsamigen Teilfrüchte (Klausen), die zuletzt lose in seinem Grunde liegen. Wenn dann ein Regentropfen auf das Schildchen prallt, reißt der obere Kelchteil ab und die Klausen werden herausgeschleudert. Pflanzen, die ihre Früchte mit Hilfe von Regen ausstreuen, bezeichnet man als Regenballisten. Diese Spezialisierung hat sich im Pflanzenreich mehrfach unabhängig herausgebildet, so etwa bei Kreuzblütlern wie den Schleifenblumen, bei der Braunelle und beim Winterling.

Das Alpen-Helmkraut ist eine mehrjährige, am Grunde verholzende Pflanze, die zehn bis 40 Zentimeter hoch wird. Ihre bogig aufsteigenden Stängel sind kurz behaart und im unteren Bereich verzweigt. Die ovalen, gegenständigen, am Grunde gestutzten oder herzförmigen Blätter sind zerstreut behaart und am Rand stumpf gezähnt. Im Gegensatz zu den anderen europäischen Scutellaria-Arten sind ihre dichten, ährenähnlichen Blütenstände vierzeilig und nicht zu einer Seite gewendet. Die ansehnlichen, etwa drei Zentimeter langen, nach oben hin helmförmigen und blauviolett gefärbten Blüten sitzen an flaumig behaarten Stielchen in den Achseln von meist rötlich bespitzten Tragblättern. Der Kelch mit seinem winzigen Schildchen ist zottig behaart. Die halbkugelig abgeflachten Teilfrüchte, die durch ihren dicht anliegenden Belag aus Sternhaaren graufilzig erscheinen, bleiben bis zu zwei Jahre lang keimfähig. Bestäuber sind fast ausschließlich langrüsselige Hummelarten, die beim Saugen des Nektars aus dem Röhrenschlund den Pollen übertragen. Ihre kurzrüssligen Verwandten, die den Nektar auf regulärem Weg nicht erreichen können, beißen oft die Kronröhren von außen an, um ihn zu stehlen.

Scutellaria alpina ist in den mittel- und südeuropäischen Gebirgen in Höhen zwischen 1500 und 2300 Metern auf kalkhaltigen, steinigen Böden verbreitet. Man nimmt an, dass sie ursprünglich aus Westasien nach Südeuropa eingewandert ist. Sie ist eine schöne, winterharte Staude und kann auch als Bodendecker verwendet werden. Entsprechend den natürlichen Standorten sollte der Boden kalkhaltig und wasserdurchlässig sein. Eine Kalkdüngung im Frühjahr fördert das Wachstum. Sie verträgt sowohl voll sonnige wie lichte halbschattige Standorte. Im Herbst oder Frühjahr kann man sie durch Teilung vermehren.

Mehr dazu im Internet:

www.botanischer-garten-berlin.de

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