Immobilien : Eine ganz besondere Pflanze aus dem Botanischen Garten

Der Straußfarn

Brigitte Zimmer

In Berliner Gärten und Parkanlagen hat der stattliche Strauß- oder Trichterfarn (Matteuccia struthiopteris) nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt. Kaum bekannt ist aber, dass man die ganz jungen, noch weichen, eingerollten Spitzen seiner Blattwedel ähnlich wie Spargel als Gemüse verzehren kann.

Der Straußfarn gehört gemeinsam mit dem Rippenfarn (Blechnum spicant) zu den wenigen heimischen Farnen, die zweierlei Wedel ausbilden, welche sich in der Gestalt stark unterscheiden. Zeitig im Frühjahr, oft schon im April, entrollen die sterilen Wedel ihre zarten, hellgrünen Fiedern. Sie bilden nach außen gewölbte, ebenmäßige Trichter, die bis zu anderthalb Meter hoch werden können und an die Krone eines Federballs erinnern. Sie dienen ausschließlich der Photosynthese. Die lanzettlichen, tief geteilten Fiedern werden nach unten zu immer kleiner, so dass sich die Wedel im Umriss zum Grunde hin stark verjüngen.

Der Hauptspross (Rhizom) wächst nicht wie bei vielen anderen Farnen kriechend, sondern steht aufrecht und bildet bei älteren Pflanzen 15 bis 20 Zentimeter hohe Stämmchen. Diese speichern viel Reserve-Stärke und ermöglichen damit einen schnellen Austrieb im Frühjahr. Zwischen den Blättern entspringen an der Hauptsprossachse schwarze, drahtige, bis 60 Zentimeter lang kriechende, unterirdische Ausläufer. Sie formen ein dichtes Netzwerk. Ihre Enden krümmen sich nach oben und bilden neue Blatttrichter aus.

Bevor sich im frühen Herbst die sterilen Wedel braun verfärben und welken, entstehen im Juli und August im Zentrum der Trichter die andersartig gestalteten, steif aufrecht stehenden Sporenwedel. Sie sind zuerst olivgrün, werden aber bald braun. Ihre Blattabschnitte sind stark eingerollt und sehen Straußenfedern (griechichisch struthos = Strauß, pteris = Farn) ähnlich, die den Winter über aufrecht stehen bleiben. Die Sporen reifen von Juli bis September, werden aber erst im folgenden Frühjahr allmählich ausgestreut. Im Gegensatz zu den meisten Farnsporen sind sie grün und bleiben nicht lange keimfähig.

Die nach dem italienischen Physiologen und Elektrophysiker Carlo Matteucci (1811-1868) benannte Gattung Matteuccia kommt in der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel vor. Sie umfasst nur drei Arten: eine amerikanische, eine asiatische und unsere europäische Matteuccia struthiopteris. Letztere ist von Skandinavien über die Alpen, von Russland bis nach Ostasien verbreitet und steht bei uns unter Schutz. Man findet den attraktiven Farn stellenweise in mehreren Quadratmeter großen Flächen an Bächen, Flüssen und Waldrändern. Im Botanischen Garten hat er in der Nähe des Japanpavillons einige ihm zusagende Plätze erorbert. Wo er sich wohl fühlt, neigt der Straußfarn zum Wuchern und bildet dichte Kolonien. Große Gruppen lassen sich am besten im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb teilen. Er liebt feuchte Standorte und Halbschatten. An sonnigen Plätzen mit Wassermangel werden die Wedel an den Rändern frühzeitig braun.

Mehr dazu im Internet:

www.botanicher-garten-berlin.de

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