Immobilien : Eine neue Heizung zum Nulltarif

Förderungen und Zuschüsse machen es möglich: Für einen neuen Brennwertkessel nebst Solaranlage zahlt ein Bauherr nicht einen Cent. Wie neue Energietechnik billig ins Haus kommt

Ralf Schönball

Rolf Kreibich hatte es nicht leicht seine Freunde davon zu überzeugen, dass er die neue Energietechnik für sein Eigenheim zum Nulltarif bekam. Dabei ist der frühere Präsident der Freien Universität Berlin nicht nur ein geübter Redner, sondern auch Geschäftsführer des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. Erst nachdem Kreibich in Fachbeiträgen die Kosten des Brennwertkessels mit Solarkollektoren Zahl für Zahl aufgelistet und den staatlichen Förderungen für deren Erwerb gegenübergestellt hatte, „zogen viele Nachbarn nach“, sagt Kreibich. Kein Wunder: Die Investition wurde per Kredit bezahlt, und diesen kann der Wissenschaftler von den eingesparten Heizkosten abbezahlen.

Kreibichs Beispiel wird wohl weiter Schule machen. Denn sehr viele Eigentümer gebrauchter Immobilien müssen aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen ihre alten Öl- und Gaskessel erneuern. Da stellt sich nicht nur die Frage: Welche neue Technik ist die beste? In vielen Fällen dürfte zur Aufbereitung von warmem Wasser, zur Heizung der Wohnung oder zur Erzeugung von Strom kostenlose Energie der Sonne oder aus dem Erdreich in Frage kommen. Bei einem geschickten Einsatz von Förderungen können sich diese Investitionen lohnen.

Um die Heizungsanlage zum Nulltarif zu bekommen, trieb Professor Kreibich die große Kombinatorik der Fördermittel zur Perfektion: Von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (Kfw) erhielt der Eigentümer eines Hauses in Schlachtensee einen Kredit in Höhe von rund 13400 Euro. Da fehlten nur noch 600 Euro, um die Rechnung der Handwerker zu bezahlen: für Lieferung und Einbau der Gasbrennwerttherme sowie für die Montage der sieben Quadratmeter großen Fläche aus Solarkollektoren auf dem Dach des Hauses.

Da Kreibich zuvor mit Öl geheizt hatte, musste er aber noch 1450 Euro für den Gasanschluss aufbringen. Außerdem 551 Euro für die Entsorgung des alten Öltanks. Fällig wurden ferner 130 Euro für Kontrollarbeiten des Schornsteinfegers. Diese Kosten bezuschusste Kreibichs neuer Energielieferant – die Gasag – mit knapp 1150 Euro. Weitere Mittel gab es vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Unter dem Strich standen Kosten von 16000 Euro Krediten und Zuschüssen von 15000 Euro gegenüber.

Doch das Entscheidende für den Bauherrn ist: „Die Anlage läuft seit zwei Jahren ohne Macken“ – und weil er für Heizung und warmes Wasser nun weniger bezahlt, kann er von dem eingesparten Geld den Kredit für die neue Technik abbezahlen, die die 165 Quadratmeter große Immobilie versorgt.

Richtig Geld in die Hand, 68000 Euro, nahm dagegen Ingenieur Christian Feddersen, bildet dafür aber die Speerspitze der Innovation. Er stattete ein Mehrfamilienhauses in der Mulackstraße 12, Bezirk Mitte, mit „Erdwärme“ aus. Das funktioniert so: Kunststoffrohre werden tief im Erdreich verlegt, weil die Temperatur dort das ganze Jahr über zehn Grad beträgt. Das ist viel im Winter, so dass das „angewärmte“ Wasser dann nur noch zu einer elektrisch betriebenen Wärmepumpe geschleust werden muss. Diese bringt das „vorgeheizte“ Wasser auf 45 Grad. Dann fließt es über ein Leitungssystem durch Fußböden, Wände und Decken. Das Ergebnis: Die Wände strahlen gleichmäßig eine gemütliche Wärme ab.

Auch diese Heizung braucht 40 Prozent weniger Energie als ein moderner Brennwertkessel. Dank der geringeren Betriebskosten sind die höheren Investitionen laut Feddersen innerhalb von 13 Jahren wieder eingespart. Vier Wohnungen und eine Gewerbeeinheit werden so versorgt. Der Vorteil dieser Technik: Im Sommer dient das zehn Grad frische Wasser zur Kühlung von Wänden und Fußböden – als preiswerte „Klimaanlage“. Mit einer Rendite können Eigenheimbesitzer sogar rechnen, so der Geschäftsführer Berlin der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie Uwe Hartmann, wenn sie eine Anlage zur Erzeugung von Solarstrom montieren.

Auch dies ist nur durch Subventionen möglich: Das Energiegesetz des Bundes schreibt den Stromversorgern vor, dass sie jede Kilowattstunde solar erzeugten Stroms für 54,53 Cent abnehmen. „Deshalb boomt die Fotovoltaik“, so Hartmann. Längst sind professionelle Finanzdienstleister auf den Zug aufgesprungen und versprechen Kapitalanlegern bei einer Fondsbeteiligung hübsche Renditen.

Wer ein Eigenheim besitzt kann bei einer Dachfläche von 20 Quadratmetern laut Hartmann mit einem Scheck in Höhe von 500 bis 1000 Euro von der Bewag rechnen, jährlich. Die Investitionskosten betragen 10000 bis 13000 Euro. Auch hierfür gibt es billige Kfw-Kredite. Hält die Technik aber, was sie verspricht?

„Die Qualität der Anlagen ist gut“, sagt Lothar Beckmann von der Stiftung Warentest. Dies gilt für Brennwertkessel zum Betrieb mit Gas oder auch mit Öl. Keines der angebotenen Geräte habe schlechter als „befriedigend“ die Leistungsprüfung abgeschlossen. Auch die thermischen Solaranlagen zur Erwärmung von Wasser seien überwiegend von guter Qualität. Bei der Auswahl der Technik empfiehlt Beckmann, viele Kostenvoranschläge einzuholen und beim Einsatz von Solartechnik nach Referenzanlagen des Monteurs zu fragen.

Dies bestätigt Horst Müller, der eine Schule in Pankow zum Wohnhaus umbaute. Einen neuen Gas-Brennwertkessel hatte er bereits in Betrieb genommen; eine Solaranlage sollte dazukommen. Doch nur zwei der 12 Firmen, die Müller aus der Liste empfohlener Betriebe der Gasag auswählte, hätten die Solaranlage an den Brennwertkessel anschließen können. „Alle anderen wollten mir gleich noch eine neue Therme dazu verkaufen“, sagt Müller.

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