Immobilien : Eine Schönheit mit Vorbehalten

Beat Ernst Leuenberger

Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Gewächshäuser. In älteren Garten-Enzyklopädien fehlt der Rote Puderquastenstrauch (Calliandra haematocephala). Doch schon 1855 wurde die Art ohne präzise Herkunftsangaben durch den deutschen Botaniker Justus Carl Hasskarl aus dem Botanischen Garten Kalkutta in Indien beschrieben. In den Tropen und Subtropen ist dieses Mimosengewächs aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Leguminosen) inzwischen ein beliebter Zierstrauch. In manchen Regionen außerhalb seiner südamerikanischen Heimat Bolivien wird er allerdings mit kritischen Augen betrachtet. Unter geeigneten Klimabedingungen könnte er zum Konkurrenten heimischer Pflanzen werden und gilt daher als mögliche Problempflanze. Deshalb steht er in Australien auf einer schwarzen Liste von so genannten „potenziell invasiven“ Arten.

Der ein bis fünf Meter hohe Strauch mit doppelt gefiederten, immergrünen Blättern ist ein fleißiger Blüher und verdankt seinen Zierwert den grazilen, roten Blütenköpfen. Die Einzelblüten sind pinselförmig, mit kurzen, weißen Kronblättern und zahlreichen, lang vorgestreckten Staubgefäßen. Die Blüten stehen zu mehreren in bis zu zehn Zentimeter großen Blütenständen zusammen. Diese haben etwa die Form einer Puderquaste. Die Schauwirkung rührt nicht von den Blütenblättern her sondern von den filigranen, kräftig roten Staubfäden.

Der botanische Gattungsname Calliandra, aus dem Griechischen (kallos = schön, andros = Mann), bezieht sich auf die Staubgefäße der Blüte. Die Staubfäden sind bei den meisten Arten rot, rosa oder weiß. Die Artbezeichnung haematocephala bedeutet eigentlich „blutköpfig“, wird aber hier in Anlehnung an die übliche englische Bezeichnung für die Art (red powderpuff) einfach als „rot“ übersetzt.

Während viele Blüten ihre Bestäuber durch Form und Färbung der Kronblätter anlocken, sind es hier also die Staubfäden. Dies ist für die Mimosengewächse charakteristisch kommt aber in anderen Familien vor, beispielsweise bei manchen Myrtengewächsen. Pollen und Nektar sind bei den Pinselblumen leicht erreichbar, bei den Blüten mit sehr langen Staubfäden aber räumlich so getrennt, dass bestimmte Blütenbesucher (etwa solche mit langen Rüsseln oder Schnäbeln) besser für eine erfolgreiche Ausbeutung des Nektars mit nachfolgender Pollenübertragung auf andere Blüten in Frage kommen als etwa Honigbienen. Bei der Roten Puderquastenblume deuten Färbung und Größenverhältnisse auf Kolibris..

Hier wie auch bei anderen Calliandra-Arten mit ähnlichen Blüten werden Kolibris und Schmetterlinge als Blütenbesucher beobachtet. Zu finden ist die Pflanze im Gewächshaus E. Ein weiteres Exemplar wird dann etwas später im Großen Tropenhaus blühen.

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