Einkaufszentren : Wo Realität auf Imagination trifft

Eine Ausstellung in München beschäftigt sich mit der „World of Malls“ und den Architekturen des Konsums.

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Das geplante neue Shoppingcenter Volt an der Voltairestraße hinter dem Alexa, Blickrichtung Jannowitzbrücke.
Das geplante neue Shoppingcenter Volt an der Voltairestraße hinter dem Alexa, Blickrichtung Jannowitzbrücke.Abbildung: J. Meyer H. und Partner

Ware gegen Bezahlung – dieses Geschäftsmodell ist zwar auch heute noch die Primärfunktion von Einkaufszentren. Doch mehr denn je geht es um den „Event“, der – siehe „Bikini Berlin“ – auch die Formensprache der Architektur bestimmt, immer auch mitbestimmt hat – siehe „Tacheles“. Das Shop-in-Shop-Prinzip in der Ladenstraße des „Tacheles“ war Anfang des 20. Jahrhunderts revolutionär. Gültig ist es bis heute.

Die Architektur von Einkaufszentren steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung, die jetzt in der Pinakothek der Moderne in München eröffnet wurde: „World of Malls – Architekturen des Konsums“ widme sich einem neuen Bautyp des 20. Jahrhunderts, der das Gesicht vieler Städte radikal beeinflusst habe, heißt es in einer Ankündigung.

Der Architekturtypus wird ökonomisch, psychologisch, soziologisch und politisch diskutiert. Die Ausstellung will an 23 Beispielen aus aller Welt veranschaulichen, wie sich der Bautyp von Shoppingmalls entwickelt hat, und zudem Zukunftsperspektiven exemplarisch aufzeigen. Zu sehen ist das alles bis zum 16. Oktober.

Ein Bautyp, der polarisiert

Der Katalog „World of Malls“ begleitet die Ausstellung und widmet sich dem vor knapp 60 Jahren in den Vereinigten Staaten erfundenen Bautyp, der stark polarisiert. Rasch verbreitete er sich weltweit und wird mehr und mehr zu einem Ersatzraum für die durch Straßenland verlorene Urbanität.

Nicht zuletzt deshalb wird auch in Berlin über den Ladenmix und das gastronomische Angebot von Malls gestritten – so zum Beispiel zwischen dem Bezirk Pankow und Kaufhausentwickler Kurt Krieger, der am S- und U-Bahnhof Pankow sein „Pankower Tor“ realisieren will. Es geht in den aktuellen Diskussionen weniger um das Warenangebot als um die „Aufenthaltsqualität“. Stichworte sind hier „Sky Lounges“, überdachte Haltestellen, beheizte Tiefgaragen, Kitas, Ausstellungsflächen und Arztpraxen.

Viele Malls stehen leer

Wohin geht die Entwicklung der Shoppingmall heute? Es gibt spektakuläre Neueröffnungen in Amerika, Asien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Europa. Viele Malls stehen aber auch leer, und einige werden umgebaut und umgenutzt. Ob die Shoppingmall nun den Tod der Stadt fördert oder deren Wiederbelebung, diskutieren Stadtplaner, Ökonomen und Architekturhistoriker in ihren Katalogaufsätzen.

In einem Ausblick geht es in der Ausstellung auch um die knapp 30.000 Quadratmeter große Shoppingmall Volt Berlin, neben dem Alexa und dem Alea 101 die dritte in prominenter Innenstadtlage – wenige Schritte südlich des Alexanderplatz. Hier sollen ab 2018 Outdoor-Sportarten als Indoor-Events zelebriert und in den städtischen Raum integriert werden. Ein Frage der Zeit, bis in Shoppingmalls schlussendlich auch Wohnungen eingebaut werden.

Andres Lepikor, Vera Simone Bader, (Hrsg.): World of Malls. Architekturen des Konsums. Hatje Cantz Verlag (Berlin) 2016. 256 Seiten, 200 Abbildungen, 49,80 Euro.

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