Energetisch bauen : Der Kraftprotz im eigenen Keller

Blockheizkraftwerke liefern Strom und Wärme. In kleineren Häusern rechnen sie sich aber selten.

Florian Ernst
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Unter Strom. Blockheizkraftwerke haben einen Verbrennungsmotor, der einen Generator antreibt. So entsteht Strom. Wärme entsteht...Foto: dpa

Energetisches Bauen liegt im Trend. Neben spezieller Dämmung und Bauweise spielt dabei die Heizung eine wichtige Rolle. Besonders effizient sind sogenannte Blockheizkraftwerke (BHKW), die das Haus mit Wärme und Strom versorgen. Doch gerade für kleinere Objekte sind sie nicht immer geeignet.

„Blockheizkraftwerke sind sehr kostenaufwändig“, sagt Ulrich Kleemann, Energieberater bei der Berliner Verbraucherzentrale. Selbst kleine Modelle, die ein Kilowatt elektrische Leistung und etwa sieben bis zehn Kilowatt Wärme erzeugten, würden um die 12 000 Euro kosten – ohne Einbau und Wartung. Ein Gasbrennwertkessel koste dagegen ohne Einbau nur 3000 bis 4000 Euro. Zudem sei in Gebieten mit Fernwärmeversorgung der Preis für diese meist günstiger.

Technisch sind Blockheizkraftwerke meist Verbrennungsmotoren, bei denen die Reibungs- und Abgaswärme durch einen Wärmetauscher zum Erhitzen des Heizungs- und Warmwassers benutzt wird. Dadurch können die Minikraftwerke je nach Auslastung einen Effizienzgrad von 90 Prozent und mehr erreichen. Bei den Mikro-Blockheizkraftwerken, die für Ein- bis Zweifamilienhäuser konzipiert sind, liefert ein Stirlingmotor die Strom- und Heizleistung. Betrieben werden die meisten Modelle bislang mit Gas als Brennstoff.

Ob sich ein BHKW lohnt, hängt auch davon ab, in welchem Verhältnis Strom- und Wärmeverbrauch stehen. „Wenn ich Strom erzeuge, muss ich schauen: wohin mit der Wärme“, erklärt Energieberater Kleemann. Während der Strom jederzeit in das örtliche Stromnetz eingeleitet werden könne, stehe das Warmwasser nur für den Verbrauch im eigenen Haus zur Verfügung. Der Wärmebedarf sei aber gerade in Ein- und Zweifamilienhäusern oft zu gering – besonders, wenn diese gut gedämmt seien. „Speziell im Sommer haben wir da ein Problem“, so Kleemann. Dann werde zwar Strom, aber nicht entsprechend Wärme benötigt.

Aus diesem Grund könne ein Blockheizkraftwerk im Normalfall nie als einzige Wärmeenergiequelle eingesetzt werden, erklärt Ulrich Kleemann. Warmes Wasser lasse sich zwar in Puffergeräten noch eine bestimmte Zeit speichern. Doch diese Speicher kosten wiederum Geld und brauchen entsprechend Platz. Anders sehe es aus, wenn man eine komplette Reihenhaussiedlung oder ein größeres Mehrfamilienhaus mit einem Blockheizkraftwerk ausstatten wolle, sagt der Energieberater. Dafür komme dann auch ein größeres Gerät infrage. Doch auch hier gilt: Die Geräte lohnen sich erst ab einer bestimmten Auslastung. Volker Gustedt von der Berliner Energieagentur schätzt, dass erst ab einer Laufzeit von über 6000 Volllaststunden im Jahr ein Einsparungseffekt erzielt werden kann. „Das heißt, das Gerät sollte eigentlich ständig laufen“, so Gustedt. Dennoch müsse meist ein weiteres Heizgerät, ein sogenannter Spitzenlastkessel eingebaut werden, der auch dann die Versorgung sichere, wenn in kurzer Zeit eine größere Menge Warmwasser oder Heizenergie benötigt werde als das BHKW liefern könne. „Das Blockheizkraftwerk liefert die Grundlast, die Spitzen müssen durch eine weitere Heizquelle übernommen werden.“

Wen die hohen Kosten abschrecken, der kann einen Contracting-Vertrag abschließen, wie ihn zum Beispiel die Berliner Energieagentur anbietet. Dabei sorgt das Unternehmen für den Einbau und den Betrieb sowie die laufende Wartung der Geräte und verkauft lediglich die Heizenergie an den Hauseigentümer. Die Verträge laufen meist über zehn bis 15 Jahre. Der erzeugte Strom wird entweder ins Energienetz eingespeist oder kann von den Bewohnern des Hauses zu speziellen Konditionen genutzt werden. Dazu müssen sie allerdings gesonderte Verträge mit dem Betreiber abschließen. Die Berliner Energieagentur bietet bislang nur Lösungen für größere Objekte wie zum Beispiel Mehrfamilienhäuser ab etwa 20 Wohneinheiten an.

Für Mikro-Blockheizkraftwerke wie sie zum Beispiel die Berliner Gasag ab März anbieten will, gibt es bislang keine solchen Contracting-Verträge. Das soll sich laut Gasag aber ändern. Bislang bietet das Unternehmen über seine Vertriebstochter DSE verschiedene Modelle an – angefangen beim Modell „WhisperGen“ des Herstellers Efficient Home Energy SL (EHE) für Ein- und Zweifamilienhäuser, das inklusive Einbau und Wartung ab rund 17 000 Euro zu haben ist. Für größere Bauten gibt es Blockheizkraftwerke wie den „Dachs“ von Senertec oder „ecopower“ von Vaillant/Power Plus. Die „Dachs“-Modelle kosten laut unverbindlicher Preisempfehlung des Herstellers zwischen rund 20 000 und 27 000 Euro ohne Transport, Einbau und Wartung.

Wer über den Einsatz eines Blockheizkraftwerks im eigenen Haus nachdenkt, sollte sich auf jeden Fall an einen fachkundigen Energieberater wenden, rät Ulrich Kleemann von der Verbraucherzentrale Berlin. Auch die Gasag und die Berliner Energieagentur bieten Beratung an, letztere allerdings kostenpflichtig. Ein erster Check, ob sich eine solche Anlage rentiert, kann zum Beispiel auf den Internetseiten beider Unternehmen gemacht werden.

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