Energieeffizienz : Je grüner, desto billiger

Bankeninitiative will Kredite für Investitionen in Energieeffizienz preiswerter machen.

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mmobilienkäufer in der EU könnten bald bessere Bedingungen für Hypothekendarlehen erhalten, wenn sie energieeffizientere Immobilien erwerben.
mmobilienkäufer in der EU könnten bald bessere Bedingungen für Hypothekendarlehen erhalten, wenn sie energieeffizientere...Foto: Sonnenhaus-Institut

Immobilienkäufer in der EU könnten demnächst bessere Bedingungen für Hypothekendarlehen erhalten, wenn sie energieeffiziente Gebäude erwerben oder Energiesparmaßnahmen umsetzen. Das soll ein Projekt bewirken, das derzeit von Banken, Immobilienbewertern, der Energieeffizienzbranche und von Versorgungsunternehmen entwickelt wird.

Die Initiative European Energy Efficiency Mortgage will sogenannte Energiesparhypotheken mit günstigen Zinssätzen für energieeffiziente Eigenheime und zusätzliche Mittel für Renovierungen im Markt etablieren. Sie soll dazu beitragen, das Klimaziel der EU zu erreichen. In der EU sind Gebäude für 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich.

Ins Leben gerufen hat die Initiative ein Konsortium, das von der European Mortgage Federation – European Covered Bond Council (EMF-ECBC) angeführt wird. Zu den Projektpartnern zählen auch The Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) und der Stromkonzern Eon.

„Hintergrund ist, dass man ein Geschäftsmodell für das Investment in energieeffiziente Häuser schaffen wollte“, erklärt Zsolt Toth von RICS in Brüssel auf Nachfrage. Zwar gebe es bereits Subventionen oder Steuererleichterungen, um den Bau von „grünen Gebäuden“ anzureizen. Um aber wirklich unabhängig von russischem Gas zu werden und die Emissionen spürbar zu senken, müsse auch der Finanzsektor einbezogen werden.

Energieeffiziente Gebäude lassen sich besser verkaufen

Das will die Initiative mit folgendem Argument schaffen: Energieeffiziente Immobilien haben ein geringeres Kreditausfallrisiko, sagt Toth. So hätten Besitzer von gut isolierten Gebäuden mehr Einkommen zur Verfügung, weil sie weniger Energiekosten haben. Dies würde sich bei einem erwarteten Anstieg der Energiekosten in Zukunft noch deutlicher als heute bemerkbar machen. Außerdem ließen sich energieeffiziente Gebäude besser verkaufen oder vermieten und stünden seltener leer.

„Ab 2018 dürfen Gebäude mit den beiden schlechtesten Energieeffizienzklassen F und G in Großbritannien nicht mehr vermietet werden“, nennt Toth ein Beispiel für regulative Risiken, die man mit einem grünen Portfolio ebenfalls ausschließen könne.

Für Anleger könnten die Vorteile in niedrigeren Hypothekenzinsen liegen, sagt Toth. Der Nachlass könne je nach dem Umfang der entsprechenden Maßnahmen oder nach dem Effizienzstandard des Hauses ausgestaltet werden. Vorstellbar sei auch ein höherer Kreditrahmen für den Kauf von energieeffizienten Häusern.

Grüne Hypotheken könnten den Klimaschutz vorantreiben

Vorher aber muss die Initiative es schaffen, die tatsächlichen Effekte von Energieeffizienz genau zu beziffern. „Wir brauchen robuste Indikatoren, mit denen wir entsprechende Transparenz herstellen“, weiß Toth. An der Verfügbarkeit und Qualität der entsprechenden Daten habe es bisher gemangelt. Dafür ist Eon bei der Initiative mit an Bord. Das Unternehmen wandelt sich seit einigen Jahren zum Energiedienstleister und kann Energieverbrauchsdaten von Haushalten bereits heute in Echtzeit messen.

In zwei Jahren, schätzt Toth, könnten die entsprechenden Rahmenbedingungen mit detaillierten Checklisten für die Bewertung der Immobilien geschaffen sein. „Sobald es so weit ist, könnten Banken eine grüne Hypothek anbieten“, sagt er. Die beteiligten 2000 Banken könnten dann mit dem neuen Instrument einen Unterschied im Klimaschutz bewirken.

Das Potential von Maßnahmen zur Energieeffizienz sei bei Weitem noch nicht ausgeschöpft, sagte Caio Koch-Weser von der Global Commission on the Economy and Climate am Mittwoch bei der Vorstellung eines Berichts zur nachhaltigen Infrastruktur. Demnach müssen in den nächsten 15 Jahren weltweit Investitionen von rund 90 Billionen US-Dollar getätigt werden, um die Armut zu bekämpfen und den Anforderungen des Pariser Klimaabkommens zu genügen. Ein grünes Bankwesen gehöre zu den notwendigen neuen Instrumenten für die Finanzierung dieser Summen.

Den Bericht der Kommission finden Sie hier.

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