Immobilien : Energiesparen fängt im Keller an

Wer seine Heizung modernisieren will, hat viele Möglichkeiten – bei der Technik und bei der finanziellen Förderung

Christian Hunziker
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Untern Kessel geguckt. Moderne Heizungsanlagen nutzen die Energie des eingesetzten Brennstoffs fast vollständig aus. Eine gute...

In Berlin leben tausende ordentlicher Bürger, die gegen Vorschriften verstoßen – und es meist nicht einmal wissen. Denn bundesweit sind Schätzungen zufolge noch über eine Million Heizkessel im Einsatz, die vor dem 1. Oktober 1978 installiert wurden. Dabei hätten diese laut Energieeinsparverordnung eigentlich spätestens Ende 2006 ersetzt werden müssen. Über die Erneuerung seiner Heizung sollte aber nicht nur nachdenken, wer ein derartiges Fossil im Keller hat. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) benötigen moderne Anlagen nämlich bis zu 40 Prozent weniger Brennstoff als veraltete Kessel.

Wer die Umwelt schonen und gleichzeitig seine Energiekosten senken will, muss allerdings nicht in jedem Fall gleich die gesamte Heizungsanlage austauschen. „Bereits mit gering investiven Maßnahmen wie dem Dämmen der Heizungsrohre oder einem hydraulischen Abgleich lassen sich die Heizkosten um zehn bis 15 Prozent senken“, sagt Klaus Rinkenburger, Geschäftsführer der Innung SHK (Sanitär Heizung Klempner Klima) Berlin. Um die optimale Leistung zu gewährleisten, empfiehlt er, die Anlage jährlich warten zu lassen.

Falls doch ein Austausch fällig wird, bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Bei Öl- und Gasheizungen am verbreitetsten ist der Niedertemperaturkessel. Er arbeitet mit niedrigen Betriebstemperaturen und weist deshalb eine um bis zu 28 Prozent bessere Energieauslastung als veraltete Standardkessel auf. Bei mehr als der Hälfte der in Berlin neu eingebauten Kessel handelt es sich um Niedertemperaturkessel, schätzt Rinkenburger – obwohl diese nicht mehr dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Wesentlich sparsamer sind nämlich Brennwertkessel. Diese nutzen den Energiegehalt des eingesetzten Brennstoffs – egal ob Öl oder Gas – nahezu vollständig und verwerten zusätzlich die Abwärme der Abgase. Im Ergebnis verbrauchen sie bis zu zwölf Prozent weniger Brennstoff als Niedertemperaturkessel.

Doch die Möglichkeiten moderner Heiztechnik sind nicht auf fossile Energieträger beschränkt. Immer öfter kommen erneuerbare Energien zum Einsatz. Als besonders wirkungsvoll erweist sich Rinkenburger zufolge die Kombination von Brennwerttechnik und Solarenergie. Sonnenkollektoren auf dem Dach gewinnen dabei Energie, um das Wasser zu erwärmen und die Heizung zu unterstützen. In der Mieterstadt Berlin ist die Nutzung von Solarenergie allerdings weit weniger verbreitet als etwa in Süddeutschland, wo in manchen Gegenden fast auf jedem zweiten Einfamilienhausdach Kollektoren zu sehen sind. Zudem eignen sich natürlich nur günstig ausgerichtete Dächer für diese Art der Energiegewinnung.

Ebenfalls auf den Großstadtcharakter zurückzuführen ist der Umstand, dass auch Pelletkessel in Berlin eine untergeordnete Rolle spielen. Um die Holzpellets – also die Presslinge aus Holzabfällen – aufzubewahren, braucht man nämlich viel Platz im Keller. Nach Angaben der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft eignen sich Pelletzentralheizungen deshalb insbesondere für Einfamilienhäuser.

Eine weitere Möglichkeit sind Wärmepumpensysteme. Sie nutzen die Umweltwärme aus Luft, Grundwasser oder Erdreich zum Heizen. Allerdings bietet sich diese Möglichkeit hauptsächlich im Neubau oder bei umfassender Sanierung an. Denn eine Heizung auf Basis einer Wärmepumpe hat eine relativ geringe Vorlauftemperatur und erfüllt ihren Zweck deshalb nur, wenn das Gebäude gut gedämmt ist und über eine Fußbodenheizung oder großflächige Heizkörper verfügt.

Damit man unter all diesen Varianten die richtige wählt, ist nach Einschätzung von Klaus Rinkenburger auf jeden Fall eine individuelle Beratung durch einen Fachbetrieb erforderlich. Dabei spielen natürlich auch die Kosten eine Rolle. Als Faustregel gilt: Je mehr erneuerbare Energien eingesetzt werden, desto höher sind die Investitionen – aber auch das Einsparpotenzial im laufenden Betrieb. Das macht die Deutsche Energie-Agentur an einem 150 Quadratmeter großen Einfamilienhaus deutlich: Die Ersetzung des alten Kessels durch einen modernen Brennwertkessel, ergänzt durch eine solarthermische Anlage für die Trinkwassererwärmung, koste rund 10 000 Euro, erspare aber im Gegenzug jährliche Energiekosten von 1120 Euro. Und die Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft rechnet vor: Wird ein alter Kessel durch einen Brennwertkessel (Kosten: rund 4500 Euro) ersetzt, amortisiert sich dies schon nach 5,9 Jahren.

Als weiteren Ansporn für die Investitionsentscheidung gibt es diverse Fördermöglichkeiten (siehe Kasten). So zeigt sich der Berliner Gasversorger Gasag für den Fall erkenntlich, dass Kunden von einem anderen Energieträger auf Erdgas-Brennwerttechnik umstellen: Eigentümer von Einfamilienhäusern und Wohnungen erhalten dafür einen Pauschalbetrag in Höhe von 450 Euro, Eigentümer von Mehrfamilienhäusern von bis zu 1125 Euro. Wird zusätzlich eine solarthermische Anlage installiert, gibt es sogar 750 Euro beziehungsweise bis zu 1875 Euro. Voraussetzung für den Geldfluss ist, dass man sich für ein Gerät einer Gruppe von Herstellern entscheidet, die mit der Gasag kooperieren.

Herstellerunabhängig ist die Förderung durch die staatliche KfW-Förderbank: Sie stellt nicht nur zinsgünstige Kredite zur Verfügung, sondern schießt für den Einbau eines Brennwertkessels auch fünf Prozent der Investitionssumme zu. Eigentümern, die darüber hinaus Solarkollektoren anbringen, steht das Marktanreizprogramm des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) offen: Ein Einfamilienhausbesitzer kann dafür mit einer Finanzspritze von gut 2000 Euro oder zwölf Prozent der Investitionskosten rechnen.

Die Brennwerttechnik funktioniert übrigens auch bei den in Berlin weit verbreiteten Gasetagenheizungen. Es lohnt sich also auch für Wohnungseigentümer – und gegebenenfalls sogar für Mieter, die ihre Heizung selbst eingebaut haben –, sich um die passende Förderung zu bemühen.

Doch besteht überhaupt Handlungsbedarf, jetzt, wo beispielsweise die Gasag erneut eine Preissenkung angekündigt hat? Durch die momentan moderaten Energiepreise solle man sich nicht einlullen lassen, raten die Experten. Denn diese würden mit Sicherheit wieder steigen. Hinzu kommt unter Umständen erheblicher politischer Druck: Der Senat erarbeitet nämlich derzeit ein Landes-Klimaschutzgesetz – und das sieht die Verpflichtung vor, auch bei Altbauten für die Heizung erneuerbare Energien einzusetzen.

Buchtipp: Modernisierung von Heizunganlagen, Frank Hartmann, Verlag Cortex Unit, ISBN 978-3-940836-00-7, 20 Euro.

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