Immobilien : Erst dämmen – dann nutzen

Wer einen Keller als Hobby-Raum nutzen will, sollte diesen gegen Feuchtigkeit und Kälte schützen

Rolf Knitter

Mancher Eigenheimbesitzer würde gern im wenig genutzten Untergeschoss ein Arbeits- oder ein Kinderzimmer einrichten. Wer schnell entschlossen Tapeten klebt, Teppichboden verlegt und die Möbel an ihren neuen Platz schafft, handelt sich häufig eine Fülle von Problemen ein.

Zwar lässt sich relativ einfach klären, ob die Heizleistung des vorhandenen Kessels noch für einen oder mehre zusätzliche Räume ausreicht. Auch an zeitgemäße Wohnraumfenster wird meist noch gedacht. Jedoch ist in den allermeisten Kellern keine ausreichende Wärmedämmung der Wände und des Fußbodens vorhanden.

Sogar bei relativ neuen Häusern werden Keller nur dann vorsorglich für eine spätere „hochwertige“ Nutzung als Wohnung konstruiert, wenn dies mit dem Bauherrn vertraglich ausdrücklich so festgelegt wurde. Ansonsten besteht der Fußbodenaufbau zwischen den Kellerfundamenten oft lediglich aus einer vier bis sieben Zentimeter dünnen Estrichschicht oder einer rund 20 Zentimeter dicken Stahlbetonplatte. In beiden Fällen liegen diese Böden jeweils unmittelbar auf dem Erdreich. Dieses ist etwa neun Grad kühl, das ganze Jahr lang. Geringfügig wärmer ist dann auch der Fußboden, wenn die Wärmedämmung fehlt. Die Folge: Auch ein beheizter Raum wird immer als fußkalt empfunden – sogar wenn ein Teppichbelag ausgelegt wurde.

Wer sich in einem solchen Kellerraum ohne ausreichende Fußbodendämmung oft oder längere Zeit aufhält, kann schwere Gesundheitsschäden erleiden. Deshalb sind ungedämmte Räume besonders für die Anlage von Kinderzimmern ungeeignet.

Seit etwa 30 Jahren wurden zwar viele Keller aus wasserundurchlässigem Beton – ohne zusätzliche hautförmige Abdichtung – hergestellt. Diese bieten jedoch in der Regel nur Schutz gegen flüssiges Wasser. Wasserdampf dagegen kann hindurch, und das erhöht im Keller die Luftfeuchtigkeit dauerhaft. Die Folge: Häufig ist Tauwasserniederschlag an Wänden und Fußboden zu erwarten.

Daher sind viele Keller sogar für die Lagerung von Papier, Textilien oder Polstermöbeln nur eingeschränkt geeignet. Erst recht gilt dies für Keller mit gemauerten und ungenügend abgedichteten Wänden.

Um Aufschluss über die notwendigen Dämm- und Abdichtungsarbeiten zu erhalten, sollten im Keller vorab Messungen der Raumluft- und Bauteilfeuchte sowie der Oberflächentemperaturen erfolgen. Je nach Bedarf, werden dann die Wände von außen aufgegraben, neu abgedichtet und mit Hartschaumplatten von außen gedämmt. Unter Umständen kommen aber auch Innendämmungen als preisgünstige Alternative in Betracht.

Beim Fußboden ist meistens eine Abdichtung der gesamten Fläche von innen zu bevorzugen: Die Dichtung kann aus Bitumenschweiß- oder Klebebahnen beziehungsweise aus Kunststofffolien bestehen. Nach diesem Schutz gegen Feuchtigkeit folgt der neue Aufbau des Bodens. Dieser besteht aus einer Wärmedämmung, aus Estrich und dem neuem Fußbodenbelag. Vorsicht: Das neue Fußbodenniveau liegt dadurch um mindestens 12 Zentimeter höher als die alte Kellersohle. Bei niedrigen Kellerräumen kann es deshalb erforderlich sein, die alte Sohle abzugraben – eine aufwändige Maßnahme.

Der Autor ist Sachverständiger für Schäden an Gebäuden

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